Herthas verteidiger bei der EM 2008

Wie Arne Friedrich Superstar Ronaldo entzauberte

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Foto: rc/mlm/sd/jm / AFP

Arne Friedrich hatte vor dem Spiel gegen Portugal versucht, die Aufmerksamkeit von Christiano Ronaldo abzuwenden, hatte auf andere portugiesische Spitzenspieler verwiesen. Doch letztlich war es natürlich Ronaldo, der beste Spieler der Welt, der alle Blicke auf sich zog und der Arne Friedrich zum Star werden ließ.

Bis unmittelbar vor dem Anpfiff war das so gegangen: Immer wieder hatte Jens Lehmann in den Tagen und Stunden vor dem Spiel das Gespräch mit Arne Friedrich gesucht. Noch nach dem Warmmachen gab der Torhüter dem Verteidiger einen aufmunternden Klaps auf den Rücken. Nun ist Friedrich kein junger Hüpfer mehr; das Viertelfinale gegen Portugal war das 59. Länderspiel des 29-jährigen Profis von Hertha BSC. Und es sollte eines werden, an das sich der geborene Bad Oeynhausener noch lange erinnern wird. Nicht nur wegen des 3:2-Sieges, verbunden mit dem Sprung ins EM-Halbfinale, sondern wegen seines direkten Gegenspielers.

Gegen Cristiano Ronaldo, den derzeit weltbesten Fußballer, hatte Friedrich noch nie antreten dürfen. Lehmann, der aus der englischen Premier League bestens um die Qualitäten Ronaldos weiß, riet Friedrich, nie auf Ronaldo selbst, sondern immer bereits auf den Ball zu achten. "Du bist schnell, du packst das", spornte er an, wissend, dass es für den Verteidiger meist zu spät ist, wenn Ronaldo die Kugel erst an- und Tempo aufgenommen hat. Mit seiner Erfahrung schien Friedrich der ideale Gegenpart für Ronaldo. Dabei hatte der 29-Jährige den Beginn des EM-Turniers nur von der Bank aus erlebt. Erst nach dem 1:2 gegen Kroatien war er in die Mannschaft gerutscht - und gegen Österreich, beim so wichtigen 1:0 im letzten, im entscheidenden Vorrundenspiel, prompt der gesuchte Stabilisator der Defensive.

Die beiden ersten Spiele nur von der Bank aus erlebt zu haben, war "für mich ein Schock", sagte Friedrich im "kicker". Aber der Westfale ist kein Typ, der zu Aufgeregtheiten neigt. Das war er nie. Vielmehr wartet er geduldig auf seine Chance. Und als er gebraucht wurde, war er auf Anhieb da - auch gegen einen Weltklassemann wie Cristiano Ronaldo. Oder vielleicht auch gerade deshalb.

Ronaldo tänzelte – Friedrich war wenig beeindruckt

Ihr Duell begann mit der ersten Minute des Spiels. Die gewöhnlich sehr akkuraten Aufstellungen der Uefa hatten Ronaldo auf die rechte portugiesische Angriffsseite verortet, dann wäre Philipp Lahm das zweifelhafte Vergnügen zuteil geworden, Ronaldo zu stoppen. Doch der portugiesische Star begann links, in unmittelbarer Nähe zu Friedrich. Gleich nach vier Minuten merkte der Deutsche erstmals, dass jeder schlampig gespielte Ball im Gegenzug eine potenzielle Gefahr darstellen kann. Ronaldo tänzelte ein wenig umher, Friedrich zeigte sich wenig beeindruckt. In der elften Minute klärte er humorlos zum Einwurf, in der 19. Minute resolut zur Ecke. Da hatte sich Ronaldo von der Position schon eher in Richtung Spielfeldmitte verändert.

Friedrichs Gegenspieler hieß in dieser Phase des Spiels hauptsächlich Nuno Gomes, Kapitän der Portugiesen und als Mittelstürmer in ungewohnter Rolle. Portugal sei "nicht nur Ronaldo", hatte Friedrich sich und den Kollegen vor dem Spiel eingeschärft. "Sie haben auch andere Weltklassespieler." Nacheinander machten sie Bekanntschaft mit Friedrich: Gomes, Simao und zeitweise auch Deco hießen seine Rivalen. Aus der Ferne musste Friedrich in der 40. Minute mit ansehen, wie Ronaldo den Ball in von Lehmann beschriebener Weise technisch perfekt an- und mitnahm, Per Mertesacker damit deutlich überforderte und schließlich abzog. Lehmann konnte parieren, das erste Tor der Portugiesen im Nachschuss dennoch nicht verhindern. "Gegen uns muss auch ein Klassemann wie Cristiano Ronaldo erst mal treffen", hatte Friedrich schon vor dem Spiel sein Selbstbewusstsein gezeigt.

Erst nach dem Seitenwechsel begegneten sich Friedrich und Ronaldo, der in der 67. Minute die Kapitänsbinde vom ausgewechselten Nuno Gomes übernahm, wieder einmal. Drei Minuten waren nach der Pause gespielt, als Ronaldo auch gegen ihn einmal scharf antrat. Friedrich folgte, er mühte sich nach Kräften - und entschied sich dann, vielleicht eingedenk der Lehmann'schen Warnungen, doch zum Foulspiel: Gelbe Karte. Machte nichts. Es war Friedrichs erste im Turnier, im Halbfinale ist er wieder dabei. Ronaldo ist dann längst zurück in Portugal.