Chaos beim 1. FC Union: Ein Getränke liefernder Lkw nach dem nächsten fährt auf das Gelände an der Alten Försterei, direkt vorbei am Trainingsplatz hinter der Haupttribüne. Meist schön langsam, immer schön laut – und während des Vormittagstrainings der Profimannschaft. Eine Situation, die Trainer Uwe Neuhaus so gar nicht gefällt. „Bei dem Krach ist es schwer, den Spielern Anweisungen zu geben“, erklärte Neuhaus. Ein Jahr Training neben der Stadionbaustelle hat gereicht. „Sonst dreht man irgendwann noch durch“, sagte der Coach.

Die Anspannung beim Berliner Fußball-Zweitligisten vor dem Pflichtspielstart am Sonntag (14.30 Uhr, Alte Försterei, Sky live) mit dem DFB-Pokalduell gegen Werder Bremen steigt. In den Übungseinheiten geht es im Kampf um die Stammplätze noch einmal richtig zur Sache. Knapp fünf Wochen lang hat Neuhaus seine Mannschaft fast jeden Tag zweimal gefordert. Sein Fazit fällt durchaus positiv aus. „Ich habe sehr viele gesunde Spieler. So etwas habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, sagt Neuhaus. Und wirkt entspannt. Wie Trainer eben sind, wenn sie personell aus dem Vollen schöpfen können. Bis auf leichte Probleme bei den Zugängen Björn Brunnemann (Oberschenkelverhärtung) und Bernd Rauw (fiebriger Infekt) – beide hatten zwischendurch pausieren müssen – verlief die Vorbereitung reibungslos.

Neuhaus ist zufrieden. Über das Engagement seiner Spieler. Und mit den Maßnahmen, die er mit Beginn des Trainings Ende Juni eingeführt hat und die dafür sorgen, dass die gute körperliche Verfassung Unions Trumpf ist bei der Mission Klassenerhalt. Schon in der vergangenen Drittliga-Spielzeit, in der die Köpenicker nach grandioser Rückrunde den Aufstieg in Liga zwei perfekt gemacht hatten, war die Fitness der entscheidende Faktor.

Die momentane Frische beim Aufsteiger ist ein Verdienst von Johann Stromann. Und damit auch eines von Trainer Neuhaus, der den ehemaligen Triathleten für zwei Jahre als Athletiktrainer an die Alte Försterei geholt hat. „Wir haben in vielen Bereichen die gleiche Meinung“, sagt Neuhaus über den 46-Jährigen. Auch wenn er den Neuen im Trainerstab ab und zu noch bremsen muss. „Ausdauerläufe über zwei Stunden, wie sie Extremsportler ja gern einmal machen, gehen im Fußball natürlich nicht“, erklärt Neuhaus. Dafür bringt Stromann schon mal ein neues Trainingselement mit. In einer Reaktionsübung so schnell wie möglich einen Kreis bilden, zum Beispiel. Neuhaus: „Das vermittelt auch noch Spaß beim Training.“

Seminare und Einkäufe

Seminare über eine für Profifußballer vernünftige Ernährung wurden von Stromann abgehalten. Und – einer guten Mischung aus Theorie und Praxis folgend – die Einkäufe mit den Spielern gleich mit. „Was nützt es, wenn ich in der Theorie erfahre, worauf ich zu achten habe, im Supermarkt aber gar nicht weiß, wie ich das umsetzen soll“, sagt Neuhaus. Für die Spieler heißt das im Klartext: Energieriegel und Vollkornreis statt Fleisch – zumindest an den beiden Tagen vor einem Spiel. Eine Rechnung, die in der Vorbereitung aufgegangen ist, wie der Sieg im letzten Test gegen Schalke 04 gezeigt hat.