Die mitgereisten rund 800 Fans des 1. FC Union hatten ihren Spaß. „Nie mehr Zweite Liga“, skandierten sie lautstark. Sie hatten Grund zu feiern, und was für einen. Der Aufsteiger ist der erste Spitzenreiter der Zweitliga-Saison 2009/10. Durch ein 3:0 (1:0) bei Rot-Weiß Oberhausen, einen Sieg, der absolut verdient war.

„Das ist natürlich ein Start, von dem man träumt“, strahlte Union-Trainer Uwe Neuhaus: „Dass es am Ende so einfach werden würde, damit konnte man jedoch nicht rechnen.“

Wiederholt sich Geschichte? Wieder war das Niederrheinstadion Schauplatz für den ersten Union-Erfolg nach dem Aufstieg gewesen ist. Im August 2001, nach dem ersten Sprung in Liga zwei, war ebenfalls Oberhausen die erste Auswärtsstation der Berliner gewesen. Auch damals hatten die „Eisernen“ ein glattes 3:0 gefeiert.

Union war nicht wiederzuerkennen

Im Vergleich zum Pokal-Debakel gegen Bremen war Union im doppelten Sinne nicht wiederzuerkennen. Personell hatte Trainer Neuhaus gleich fünf Änderungen vorgenommen. Christian Stuff ersetzte Daniel Schulz in der Innenverteidigung, Patrick Kohlmann spielte für Michael Parensen links in der Viererkette. Im Mittelfeld machte Hüzeyfe Dogan das Spiel, Dominic Peitz wurde dafür gar nicht erst in den Kader berufen. Dafür kehrte überraschend Torsten Mattuschka, gegen Werder noch verbannt, für Björn Brunnemann in die Startelf zurück. John Jairo Mosquera stand damit als einziger Zugang auf dem Platz, der Kolumbianer ersetzte Kenan Sahin.

Nach einer Gedenkminute für den im Alter von 66 Jahren verstorbenen ehemaligen Oberhausener Bundesliga-Keeper Wolfgang Scheid zeigten die Berliner schließlich, dass sie gar nicht erst gewillt sind, vor 5895 Zuschauern als Liga-Lehrling aufzutreten. Von wegen vorsichtiges Abtasten oder gar erst Schritt für Schritt in die Saison finden – der Aufsteiger ließ die Hausherren rund zehn Minuten gewähren, dann übernahmen die Gäste das Kommando.

Alle Bedenken, das 0:5 im DFB- Pokal gegen Werder Bremen hätte einen Knacks hinterlassen, waren rasch verflogen. Zehnte Minute, Flanke des neuen Kapitäns Marco Gebhardt, Macchambes Younga-Mouhanis Kopfball verlängert Mosquera mit der Brust, Rot-Weiß-Torwart Sören Pirson muss erstmals eingreifen. Für Union war es der Startschuss auf dem Weg zu den ersten drei Punkten. Gegen Oberhausener, die sichtlich beeindruckt waren. „Wenn wir so auftreten wie heute, dann werden wir in der Zweiten Liga eine gute Rolle spielen“, unterstrich Mattuschka.

Biedere Gastgeber fordern Union kaum

Und wie die Unioner auftraten. Alle drei Tore wurden ausgezeichnet herausgespielt. An sämtlichen Treffern waren Mosquera, Benyamina und Mattuschka beteiligt. Zwei Minuten vor der Pause schickte Benyamina Mosquera mit einem Steilpass auf die Reise, der 21-Jährige legte den Ball noch auf den linken Fuß und schob eiskalt ein, 1:0 für die Gäste. Die verdiente Führung, nachdem der Südamerikaner zuvor bereits schon den Pfosten getroffen hatte.

„Das Tor hat uns natürlich prima in die Karten gespielt“, sagte Jan Glinker. Der Union-Schlussmann war wieder der gewohnt sichere Rückhalt, wurde aber auch von den biederen Gastgebern kaum ernsthaft gefordert. „Für ein Auftaktspiel haben wir eine enttäuschende Leistung abgeliefert“, sagte Jürgen Luginger, der frustrierte Coach der Oberhausener.

Nach dem Wechsel war es Benyamina, der eine Mattuschka-Flanke mit dem Kopf vollendete (64.). Dann behielt Mosquera bei einem Konter den Überblick und legt mustergültig auf für Mattuschka – das 3:0 in der 67. Minute war die Entscheidung.

„Wir freuen uns über den guten Start“, sagte der Schütze des dritten Treffers. Nun hat Union zwei Heimspiele: gegen Fortuna Düsseldorf und gegen Hansa Rostock. Mattuschka: „Da müssen wir nachlegen.“ Aber erst mal feiern zumindest die Fans einen Traumstart in die Saison.