Der Blick auf die Tabelle verrät wenig Neues: Der 1. FC Union ist Tabellenführer. So war es in der vergangenen Drittliga-Saison, so ist es in der noch jungen Spielzeit eine Klasse höher, daran änderten auch die Partien gestern nichts. Die Berliner machen in der Zweiten Liga da weiter, wo sie vor ihrem Aufstieg aufgehört haben. Zwei Spiele, sechs Punkte, dazu noch als einzige Mannschaft ohne Gegentor – gelungener kann ein Start nicht sein. Kenan Sahin, der Siegtorschütze beim 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf, umschreibt es so: „Wir machen Woche für Woche unser Ding.“

Dieses Ding sieht folgendermaßen aus: Erfolgreich Fußball spielen und dabei auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Euphorie rund um die Alte Försterei? Gar Träume von einem Durchmarsch in die Bundesliga? „Bloß weil wir zweimal gewonnen haben, übertreiben wir jetzt nicht“, bremst Sahin. Eine Aussage, die nicht zuletzt Uwe Neuhaus gefallen dürfte. Der Trainer selbst ist es, der beim Spitzenreiter ein ums andere Mal deutlich das gesteckte Saisonziel, den Klassenerhalt, unterstreicht: „Wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte erreichen“, sagt Neuhaus also, „sechs haben wir jetzt. Ich bitte alle, die Füße still zu halten.“ Doch Neuhaus wäre nicht Neuhaus, wenn er nicht auch die so oft zitierte Momentaufnahme genießen würde: „Davon träumt man, zweimal zu Null gespielt und noch ein Heimspiel vor der Brust.“ Schon am Freitag (18 Uhr, Alte Försterei, Sky live) kann der Auftakt im ersten Ost-Derby gegen Hansa Rostock perfektioniert werden.

Dass dies gelingen kann, dafür gibt die Mannschaft allen Anlass. Wie schon beim 3:0 im ersten Spiel in Oberhausen präsentierten sich die Spieler bei hochsommerlichen Temperaturen topfit, wussten im entscheidenden Moment noch zuzulegen. Auch die Einstellung stimmt. „Wir gehen jede Partie mit Respekt an“, erklärte Karim Benyamina. So wurden die Unioner der Erwartungshaltung beim ersten Zweitliga-Auftritt in der sanierten Alten Försterei gerecht.

„Jeder will den Klassenerhalt schaffen“, weiß Benyamina: „Außerdem haben wir die Fans im Rücken.“ Wie sehr der Anhang die Mannschaft unterstützt, verriet der Trainer: „Dass nur knapp 13?000 Zuschauer im Stadion gewesen sind, hat mich nicht enttäuscht. Gefühlt waren das 20?000.“ Wie wichtig die Unterstützung ist, verdeutlicht Macchambes Younga-Mouhani: „Je länger es 0:0 steht, desto ängstlicher wird man.“ Angst, die von den Rängen einfach weggesungen wurde. Immer wieder wird bei Union auf die Symbiose zwischen Fans und Mannschaft hingewiesen. Zumal in der nun komplett überdachte Arena die Atmosphäre einen Gegner noch mehr beeindrucken kann, als sie es zuvor schon getan hat. So klingt es fast schon nach einer Forderung, wenn Coach Neuhaus sagt: „Wir wollen weiter diesen Hexenkessel.“ Das wird zumindest am Freitagabend gegen Rostock der Fall sein.

Der 1. FC Union präsentiert sich als verschworene Gemeinschaft, auf dem Rasen und außerhalb. Es kommt nicht von ungefähr, wenn zum Beispiel Younga-Mouhani sagt: „Wir vertrauen unseren Angreifern. Wer da vorn spielt, ist eigentlich egal.“ Kenan Sahin sorgte dafür, dass dieses Vertrauen weiter gestärkt wurde. Das ist wichtig für den Frieden innerhalb der Mannschaft. Zugleich auch eine Voraussetzung, um auf dem Erfolgsweg bleiben zu können. „Gerade als Neuling besteht immer die Gefahr, dass sich nach einem Negativerlebnis die Fehler häufen“, erklärte Neuhaus: „Ich hoffe, dass wir davon verschont bleiben.“ Tritt sein Team weiter so auf wie gegen Düsseldorf, dann braucht er sich darum keine Sorgen zu machen.