Der Tag vor dem großen Spiel endete mit einem kleinen Eklat. Das Protokoll des Weltverbandes Fifa schreibt vor, dass beide Mannschaften am Vortag den Cheftrainer und einen Spieler bei der offiziellen Pressekonferenz präsentieren. Englands Nationaltrainer Fabio Capello war sogar extra mit dem Flugzeug aus Rustenburg angereist. Nur der Deutsche Fußball-Bund (DFB) widersetzte sich. Statt Bundestrainer Joachim Löw kam Torwarttrainer Andreas Köpke – ohne einen Spieler im Schlepptau.

DFB-Pressesprecher Harald Stenger rechtfertigte das Fernbleiben mit dem deutschen Abschlusstraining, das ein pünktliches Erscheinen Löws verhindert hätte. Allerdings ist es wohl auch eine kleine Retourkutsche in Richtung Fifa, da der Weltverband der deutschen wie auch der englischen Mannschaft untersagt hatte, die letzte Übungseinheit im Free-State-Stadion von Bloemfontein zu absolvieren. Ein Fifa-Sprecher sagte am Samstag: „Eigentlich ist es eine Frage des Respekts, dass der Cheftrainer erscheint.“ Der DFB wird nun mit einer Rüge oder Geldstrafe zu rechnen haben.

Derweil hatte die deutsche Nationalmannschaft auf dem Ausweichplatz an der Technischen Universität von Bloemfontein das Abschlusstraining beendet. Dort hatten sich alle Augen auf Bastian Schweinsteiger gerichtet. Als er den Platz betrat, schwenkten die Objektive der Kameramänner und Fotografen wie ein einzelner Organismus in seine Richtung. Der blonde Münchner, den seit dem Ghana-Spiel am vergangen Mittwoch eine Oberschenkelverhärtung quält, ließ einen Ball auf seinem Fuß tanzen. Anschließend absolvierte er das Abschlusstraining. Nur ein blaues Tapeband auf der Rückseite seines Beines verriet, dass er dort Probleme hatte. Seine Bewegungen hingegen waren rund und flüssig.

Auch wenn sich die medizinische Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Samstag noch nicht endgültig festlegen wollte, scheint einem Einsatz des „Sechsers“ am Sonntag im Achtelfinal-Spiel gegen England nichts im Wege zu stehen. Das sah vor einigen Tagen noch ganz anders aus. Von einer „50:50“-Chance sprach Bundestrainer Löw noch am Freitag, und die Physiotherapeuten absolvierten Überstunden. Zusammen mit Jerome Boateng, dem die Wade zwickte, blieb Schweinsteiger im Hotel und ließ sich behandeln, während seine Kollegen zum Training fuhren.

Das intensive Bemühen um den Profi des FC Bayern ist berechtigt: Nach dem Ausfall von Kapitän Michael Ballack ist Schweinsteiger der „Emotional Leader“, wie der Bundestrainer ihn getauft hat, der emotionale Anführer. Zudem ist seine Rolle im defensiven Mittelfeld elementar wichtig für das deutsche Spiel. Zusammen mit Sami Khedira fängt Schweinsteiger die gegnerischen Angriffe ab und leitet die deutschen Angriffe ein. „Er ist sehr, sehr wichtig für uns“, lobte auch Mannschaftskollege Arne Friedrich.

Ob Schweinsteiger am Sonntag spielen wird, entscheidet sich also kurzfristig. Eine andere Personalie steht hingegen bereits fest – und es ist leider keine gute Nachricht, die Bundestrainer Löw am Samstag erreichte. Cacau, der gebürtige Brasilianer, wird gegen England fehlen. Er zog sich beim Training am Freitag eine Bauchmuskelzerrung zu und musste absagen. „Ein Einsatz von ihm ist leider ausgeschlossen“, gab Teammanager Oliver Bierhoff bekannt.

Cacau, der im Spiel gegen Ghana seinen ersten Einsatz von Beginn an bei dieser WM feierte, hätte allerdings ohnehin nicht in der Startfor-mation gestanden. Löw wird am Sonntag wieder auf Miroslav Klose zurückgreifen, der gegen die Ghanaer wegen seiner Gelb-Roten Karte aus dem Serbien-Spiel fehlte. „Miro ist in diesem Spiel wegen seiner enormen internationalen Erfahrung sehr wichtig für uns“, sagte Bierhoff.

Einen weiteren Wechsel wird es offenbar auf der linken Abwehrseite geben. Jerome Boateng, der wie Schweinsteiger trotz seiner Verletzung das Abschlusstraining absolvieren konnte, muss wohl für Holger Badstuber weichen. Löw hatte dem Münchner im Spiel gegen Ghana eine Pause gegönnt, nachdem er gegen Serbien arge Probleme hatte. Am Samstag im Abschlusstraining trug er das Leibchen der Stammspieler. Löw entscheidet sich damit wohl für die defensivere Variante und gegen Marcell Jansen, der seine Stärken eher in der Vorwärtsbewegung hat.