Der spannungsloseste Samstag der Saison ist vorbei. Die Fußball-Bundesliga hätte ihn uns ersparen können, kein bisschen Zittern und Zähneklappern war noch nötig – schon vorher standen die Gesichter des Jahres fest, von den Siegern und Shootingstars bis zu den Flops und Flaschen.
Die Bayern haben alles abgeräumt.
Gar nicht genug Hälse hat der neue Deutsche Meister, um sämtliche Orden und Auszeichnungen nach diesem glorreichen Bundesliga-Jahr aufhängen zu können, und der von Louis van Gaal ist wenigstens dick und stabil genug – denn es gibt nichts, wofür er ihn nicht hinhalten muss.
Zum „besten Bayern-Trainer“ hat der Vorstandsvorsitzende Rummenigge den Niederländer neulich erklärt, aber das ist im Rahmen der vielen Ritterschläge nur die Spitze des Eisbergs.
Beispielsweise haben ihn die Leser der Zeitschrift „Deutsche Sprachwelt“ bei der Wahl zum „Sprachwahrer des Jahres“ hinter den Sportskameraden von Guttenberg (Politik) und Wickert (Film, Funk und Fernsehen) auf Platz drei gesetzt, weil er unter den Bayern-Spielern „Deutsch als alleinige Amtssprache“ durchgesetzt hat, darunter als Krönung den Satz: „Wir bekommen die Gladiolen oder sind tot.“
Van Gaal bekommt jetzt alle Gladiolen, und angesichts seiner Ordensschwemme wird er uns nicht bös’ sein, wenn wir hinter ihm die vielen anderen nicht vergessen, die alle auch „Trainer der Saison“ geworden sind, vor allem Thomas Schaaf. Heute vor elf Jahren hat der bei Werder angefangen, und neulich ist er als Gastredner beim Bund Deutscher Fußball-Lehrer glaubhaft als „bester Trainer der Welt“ gefeiert worden.
Für den Trainer der Saison halten wir hiermit außerdem Magath, Heynckes, Klopp, Tuchel, Dutt und Gross, den wir darüber hinaus zum „Schweizer des Jahres“ wählen. Seinem Landsmann Marcel Koller bleibt da nur der schwache Trost als „Bochums Trainer der Saison“ – vor Heinemann und Herrlich. Auch Dariusz Wosz hat ihn da nicht mehr gefährden können, ein bisschen verloren stand der am Samstag nach dem Abstieg da. Als „Woschi des Jahres“ hat er sich für sein Versagen entschuldigt bei seinen Versagern, dem Verein, ja vermutlich sogar dem Patriarchen Werner Altegoer und den Fans, die draußen gerade das Stadion anzündeten, um wenigstens noch der Titel „Hooligans der Saison“ zu ergattern.
Aber den haben sich die Berliner dann doch nicht mehr nehmen lassen – den Dachlatten, mit denen sie ihre Hertha-Nieten neulich durchs Stadion jagten, haben sie am Samstag nun auch noch den groß geschriebenen Gruß folgen lassen: „Funkel, verpiss dich!“
Ist Friedhelm Funkel die „Pfeife des Jahres“?
So mancher Schiedsrichter wird an der Stelle aufheulen und sich diesen Titel nicht widerspruchslos absprechen lassen. Der „Rächer der Saison“ ist jedenfalls der Sportsfreund Manfred Amerell, der hat sich den naiven Michael Kempter ordentlich vorgeknöpft. Der wäre womöglich „Weltschiedsrichter des Jahres“ geworden, doch was macht er: Verschickt Anti-Bayern-E-Mails. Und das kommt dann auch noch in einer Saison heraus, in der sie alles gewinnen.
Unter dem Strich ist bei der Vergabe so ziemlich jedes Titels entweder ein echter oder ein ehemaliger Bayer vorn, oder ein künftiger.
Die Bayern stellen dank Robben, Müller und Olic das „Sturmtrio der Saison“, in Form von Müller und Kroos (demnächst Bayern) die „Aufsteiger der Saison“, zum „treffsichersten Ausländer aller Zeiten“ ist am Samstag Claudio Pizarro (früher Bayern) gekürt worden, er hat sein 133. Tor geschossen und Giovane Elber (früher Bayern) überholt. Nicht einmal die „Flops der Saison“ haben die Bayern sich nehmen lassen, siehe Klose, Gomez und Podolski (früher Bayern).
Und wer ist wieder der „Labbadia der Saison“ geworden, der stark anfängt und noch stärker nachlässt? Sie erraten es: Bruno Labbadia – ein Altbayer. Fast hätten wir jetzt Mark van Bommel vergessen, den „Niederländer der Saison“. Gegen starke Konkurrenz im eigenen Lager hat der Bayern-Kapitän sich durchgesetzt – und ist dafür jetzt belohnt worden mit dem Sprachenpreis 2010 der „Vrijen Universiteit Amsterdam“, und zwar für seine meisterliche Rhetorik, gute Argumentation und das Verzichten auf Floskeln.
Natürlich stellen die Bayern auch wieder den „Hoeneß der Saison“. Uli hat, wie so oft, knapp vor Dieter gewonnen. Der hat sich auf der Zielgeraden am Samstag um Kopf und Kragen geredet mit dem Satz, sein Wolfsburger Torjäger Dzeko sei „der beste Stürmer der Bundesliga“ – dabei belegen repräsentative Umfragen, dass Dzeko in den Augen der Fans bei weitem kein Robben ist.
Und Louis van Gaal? Der hat den Samstag auch noch mal genutzt: Als „Bierduscher der Saison“ sind ihm Goldene Kamera und Bambi sicher – und dies gilt im deutschen Fußball als höchste Ehre, seit die Deutsche Bahn zwei Regionalzüge in „Ottmar Walter“ und „Horst Eckel“ umbenannt hat.




