Die Erinnerungen sind noch nicht verblasst, zwei Jahre ist es erst her, da gab es den Eklat. Jubel, Trubel, Kriegszustand, titelte der Boulevard. Nun, ganz so martialisch ging es nicht zu, bayerisch deutlich dagegen schon. Das Double hatte der FC Bayern in die Landeshauptstadt gebracht, es war der Abschied von Oliver Kahn und Ottmar Hitzfeld. Und was war der Dank? Städtische Nichtachtung. Beim Pokalfinale in Berlin war keiner der Münchner Stadtherren vor Ort, bei der Meisterfeier urlaubte Oberbürgermeister Christian Ude – ein bekennender Blauer, der damals noch im Aufsichtsrat der Löwen saß – auf Mykonos.
Das war zu viel für das Gemüt des FC Bayern. Und so erhob Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei der Feier das Wort: „Als ich das letzte Mal hier zu Ihnen sprechen durfte, habe ich mich für den Empfang der Stadt München bedankt. Das möchte ich heute ausdrücklich nicht tun. Die Erklärung ist relativ einfach. Wenn man von Freunden eingeladen wird, kommt man normalerweise immer sehr gerne. Ich betone ausdrücklich zu Freunden. Und dies ist hier nicht der Fall.“
Rums, das saß und es ging noch weiter. „Es kann nicht sein, dass hier Jahr für Jahr der FC Bayern das werbeträchtigste Unternehmen der Stadt München ist, noch weit vor dem Oktoberfest, und man den Eindruck gewinnt, es interessiert hier bei der Stadtspitze keinen. Fahren Sie mal nach Thailand, China oder auch nur in die Nähe nach Italien oder Frankreich und erkundigen Sie sich über den Stellenwert und die Anerkennung von Bayern München.“ Danach herrschte betretenes Schweigen.
Mittlerweile pflegt man wieder den normalen Umgang. Und diesmal soll auch alles ganz harmonisch ablaufen am Sonntag, wenn die Bayern im Autokorso die Schale präsentieren. Den Titel Nummer eins von drei. Einen Flug nach Mykonos habe Ude diesmal nicht geplant, ließ er bereits ausrichten, weil „der Erfolg des FC Bayern absehbar“ war. Am Sonntag wird er brav auf dem Balkon stehen, die Pfiffe sind ihm gewiss. Ude nimmt’s gelassen. Er kennt das. Er sei „gefestigt genug“, sagte er. „Da erschrickt man nicht zu Tode, wenn Pfiffe kommen.“
Selbst die Löwen wollen nicht stören
So haben diese Tage in Mai fast schon friedensstiftenden Charakter. Selbst die Löwen wollen die ausschweifenden Feierlichkeiten des Rivalen nicht stören. Und das ist in Anbetracht der herrschenden Dissonanzen doch recht beachtlich. In einem offenen Brief an die blaue Anhängerschar hat Geschäftsführer Manfred Stoffers einen Appell an die Seinen gerichtet. Immerhin tragen sie am Sonntag parallel zu den Feierorgien ihr letztes Saison-Heimspiel aus.
Dass sich die Wege der Roten und Blauen kreuzen werden, ist äußerst wahrscheinlich. „Gönnt den Bayern-Fans ihrer Freude“, sagte er. „Stolz wird manchmal als Überheblichkeit missverstanden und Enttäuschung oft als Neid. Aus diesen Missverständnissen können leicht gegenseitige Beleidigungen und Streitigkeiten entstehen.“ Und die wollen sie diesmal alle vermeiden.
Die Kolumne "Sterne des Südens" von Bayern-Reporterin Anja Schramm erscheint vor den Bundesliga-Wochenenden am Freitag auf Morgenpost Online.





