Das Motiv ähnelt der Werbung des Kaugummi-Marktführers Wrigley’s aus den 70er-Jahren und scheint ähnlich erfolgreich zu sein: Von den großflächigen Plakatwänden, die entlang der quer durch Dortmund verlaufenden Bundesstraße 1 zu sehen sind, lächelt Jürgen Klopp äußerst gewinnend und trägt eine überdimensionale BVB-Dauerkarte unter dem Arm.

Der Slogan „Neuer Trainer – neue Karte“ spricht den schwarz-gelben Verbraucher, der gerade noch die frustrierende Vorsaison verarbeiten musste, offenbar an. Am Donnerstag konnte Borussia Dortmund trotz eines enttäuschenden 13. Tabellenplatzes und vielen schwachen Spielen im abgelaufenen Spieljahr die 44.444 Dauerkarte verkaufen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir eine Zahl erreichen können, die uns vielleicht selbst überrascht“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Seine Vermutung: „Und das hat sicher auch mit den schönen Fotos von unserem Trainer zu tun.“
Klopp wagte vor einem guten Monat den Sprung zu dem Ruhrgebietsverein, wo in den vergangenen Jahren die hohen Erwartungen der Fans in schöner Regelmäßigkeit enttäuscht worden waren. Er soll Aufbruchstimmung erzeugen. Und das scheint ihm bisher spielend zu gelingen. 9000 Fans waren beim ersten Training, es gab zur Begrüßung lang gezogene „Kloppo“-Rufe, und der Hoffnungsträger zeigte Volksnähe. Er wohne ja noch in einem Hotel neben der Geschäftsstelle und von seinem Zimmer aus sehe er jeden Tag die Menschen, die in der prallen Sonne nach Dauerkarten anstehen. „ich hätte fast selber Sonnenschirme besorgt“, sagte er, offenbar ehrlich beeindruckt.

Sein Enthusiasmus tut dem Verein gut. „Ich gehe vollkommen unbelastet an die Sache“, erklärt der 40-Jährige treffend. Klopp wird es – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Thomas Doll – auch nicht übel genommen, dass er ohne eine nach außen formulierte Zielsetzung in die Saison gehen will. „Aber diese Leidenschaft, diese andere Herangehensweise kann ich versprechen. Wir werden alles tun, um diese extrem positive Stimmung mit in die Liga zu nehmen“, sagte er.

Klopp soll mit einer jungen Mannschaft, die auf Schlüsselpositionen mit dem Brasilianer Felipe Santana und dem US-Amerikaner Neven Subotic (in der Innenverteidigung), Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela (als Rechtsverteidiger) und Tamas Hajnal (offensives Mittelfeld) verstärkt worden ist, eine neue Perspektive aufzeigen und speziell auch die Rückkehr in den Uefa-Pokal nach fünfjähriger Abstinenz erfolgreich gestalten.

In erster Linie wird Klopp gefordert sein, die eklatanten Abwehrprobleme auszumerzen. „Ich habe jetzt sieben Innenverteidiger im Aufgebot, vielleicht lasse ich die alle gleichzeitig spielen“, scherzte der Coach, der wie in Mainz von seinem Co-Trainer Zeljko Buvac, einer Kapazität in Sachen Taktik, zusammenarbeiten wird.

Als Grundordnung bevorzugt Klopp ein 4-4-2-System mit „flacher Vier“, also mit zwei defensiven und zwei offensiven, leicht nach außen versetzten Mittelfeldspielern. Die Systemfrage ist für Klopp aber eher untergeordnet: „Systeme sind nur dazu da, der eigenen Mannschaft Sicherheit zu verleihen, wenn der Gegner den Ball hat.“ Wichtiger ist für ihn das „volle Erlebnis Fußball“, wie er es selbst formulierte.