Alba Berlin strebt an, ab der Saison 2031/32 in der neuen Arena in Adlershof zu spielen. Diesen Zeithorizont bezeichnete der Geschäftsführer des Berliner Basketball-Klubs, Marco Baldi, am Freitag im Sportausschuss als „realistisch, aber sportlich“. Es geht um den Neubau von Berlins dann größter Sport- und Multifunktionsarena, die, wie berichtet, auf einem freien, sechs Hektar großen Grundstück am Groß-Berliner Damm im Technologiepark Adlershof entstehen soll. Die Politiker aller Fraktionen reagierten überaus positiv auf das ambitionierte Projekt.
Baldi sprach von einer Zuschauerkapazität von 20.000 Menschen, die bei Konzerten inklusive Innenraum dabei sein könnten. Bei Sportevents wären es etwas weniger. Der Alba-Chef betonte aber immer wieder, dass man mit den konkreten Planungen noch am Anfang stehe, sich aber schon in Gesprächen mit dem Bezirk, dem Technologiepark-Betreiber Wista und verschiedenen Senatsverwaltungen befinde. „Das ist ein neues, aufregendes Projekt, das eine große Lösung für uns darstellen könnte“, sagte Baldi. Alba ist schon lange auf der Suche nach einer eigenen Heimstatt, weil die Anschütz-Gruppe für die Uber Arena am Ostbahnhof die Miete massiv erhöht habe und nicht alle Termine für die Basketballer garantieren wolle.

In der großen eigenen Halle könnten 200 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden. 100 davon könnten Business-Tagungen und Kongresse sein, für die es an dem wachsenden Wirtschaftsstandort im Berliner Südosten großen Bedarf gebe. Die restlichen Events könnten sich auf Sport sowie Konzerte oder Comedy verteilen. Neben der Arena ist auf dem „Alba-Zukunfts-Campus“ ein Trainingszentrum mit zwei Basketballhallen für Albas Profiteams der Männer und Frauen vorgesehen. Weiterhin soll die Alba-Geschäftsstelle vom Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg nach Adlershof ziehen.
Auf dem Campus sollen auch eine Oberschule, eine Kita und ein Internat entstehen
Vorgesehen sind zudem ein Alba-Internat für Talente von außerhalb, eine bewegungsorientierte Kita mit 100 Plätzen sowie eine sportorientierte Oberschule. Der Campus soll offen sein und auch Raum für Sportangebote aus den umliegenden Quartieren bieten. Albas Marketing-Manager Daniel Endres bezifferte den Investitionsbedarf auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Details zur Finanzierung wurden nicht genannt. Dem Vernehmen nach soll aber ein vornehmlich amerikanisches Bankenkonsortium bereit sein, das Projekt zu finanzieren. Verhandelt wird noch, zu welchen Konditionen der Senat das landeseigene Grundstück in Erbpacht zur Verfügung stellt.
Die Aktivitäten im Schul- und Kita-Sport, mit denen Alba in Berlin 15.000 Kinder und Jugendliche erreicht, bleiben auf jeden Fall in den Bezirken erhalten. Baldi gab ein Bekenntnis zur Stadt ab, das in Amerika mit seinen bisweilen von einem Ort zum anderen versetzten Franchise-Teams nicht üblich ist: „Wir beatmen unsere Stadt, aber die Stadt beatmet auch uns.“
In Europa sortiert sich die Basketball-Landschaft mit dem Engagement der NBA gerade neu
Baldi machte den Abgeordneten die immense Dynamik im weltweiten und im europäischen Basketball deutlich, um die Dringlichkeit des Vorhabens zu unterstreichen. Alba will als festes Mitglied der von der nordamerikanischen Profiliga NBA geplanten NBA Europe dabei sein. Dafür muss der Klub bis zum 31. März seine offiziellen Bewerbungsunterlagen einreichen. Im Erfolgsfall spielte Berlin dann mit Branchengrößen wie Real Madrid und dem FC Barcelona in einer Liga. Zudem sind Standorte unter anderem in London, Manchester, Rom und Mailand vorgesehen.
Die NBA hat sich für ihre Liga-Pläne mit dem Weltverband Fiba verbündet und greift damit die Euroleague an, die von süd- und südosteuropäischen Spitzenklubs dominiert wird. Die Verluste sind gewaltig. Real Madrid hat im ersten Halbjahr 2026 mit Basketball 17,5 Millionen Euro verloren, wie Baldi sagte.
Die Befürworter einer NBA Europe hoffen, mit der neuen Spitzenliga die Zersplitterung des nach Fußball populärsten Sports der Welt in Europa überwinden zu können. So will man neue Märkte erschließen. Baldi verwies darauf, dass beim Berliner NBA-Spiel zwischen Orlando und Memphis im Januar Besucher aus 68 Ländern angereist seien. Wenn „NBA draufsteht“, werde eine Menge passieren, hieß es.
Wir beatmen unsere Stadt, aber die Stadt beatmet auch uns.
Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin
Baldi versicherte jedoch, dass der Berliner Klub die Kontrolle behalten werde, auch wenn fremde Geldgeber einsteigen. Ansonsten werde man es nicht machen. Wie am Ende die Halle betrieben und vermarktet werde, sei aber noch offen. Wie es hieß, könnte das Hallen-Projekt auch ohne die NBA-Perspektive realisiert werden.
Die NBA Europe will 2027 starten – und Alba muss bis Ende März seine Bewerbung abgeben
Baldi geht aber davon aus, in der NBA Europe dabei zu sein. Die Liga möchte den Spielbetrieb nach bisherigem Stand in der Saison 2027/28 aufnehmen. Für den Übergang müsste sich Alba also noch mit Anschütz über weitere Spielzeiten am Ostbahnhof einigen. In Albas Bewerbung um die Lizenz ist die neue Halle als Perspektive angegeben.
Die Abgeordneten im Sportausschuss signalisierten unisono Unterstützung für das Vorhaben. Konkrete Fragen nach dem Verkehrskonzept und anderen Details konnten die Manager aber noch nicht beantworten, diese würden derzeit erarbeitet. Das Gelände ist aber über die S-Bahn, eine Tramlinie sowie die B96 und die Autobahn A113 gut angebunden. Vorteilhaft sei, dass die Besucher der Arena „antizyklisch“ am Abend kämen und nicht gleichzeitig mit den 30.000 Beschäftigten und Studierenden im Technologiepark Adlershof anreisten. Ein Vertreter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sagte, man müsse einen „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ aufstellen, um den Campus in dem Gewerbegebiet errichten zu können. Erfahrungsgemäß gelingt das im Entwicklungsgebiet Adlershof schneller als anderswo in Berlin.



