Es lässt sie nicht los, dieses Gefühl. Dieser Moment, in dem sie den Takt vorgibt und losbrüllt, und plötzlich 10.000 Menschen ihrem Beispiel folgen. „Das“, sagt Christin Bretting, „ist das Schönste an der Sache. Dass du eine ganze Halle mitreißen kannst.“

Seit mehr als 15 Jahren haut sie bei Spielen von Alba Berlin im wahrsten Sinne des Wortes auf die Pauke, mit ihrer gefürchteten „harten Rechten“ und schier unerschöpflicher Energie.

Mit dem Rhythmus, hat der Dirigent Herbert von Karajan gesagt, beginne das Leben – wie mit dem Herzschlag. In Albas Zuhause, der Mercedes-Benz Arena, schlägt den Puls wohl niemand lauter als Bretting, die nur Tini genannt wird.

Nach getaner Arbeit verlässt sie die Halle in der Regel schweißgebadet, ausgepowert und fast ohne Stimme, dafür mit Blasen an den Händen und einem Strahlen im Herzen. Zumindest, wenn Alba gewonnen hat.

Jetzt übt schon ihr kleiner Sohn die ersten Alba-Rhythmen

Wie viele Trommelstöcke sie in den vergangenen Jahren zerschrotet hat? Gezählt hat sie sie nicht. Immerhin: Das aktuelle Exemplar, stark verbogen schon, hält noch stand. Den Kopf hat sie nachträglich mit dem Schlägel verschraubt, damit das Filzstück bei aller Wucht nicht bis aufs Spielfeld fliegt. Alles schon passiert.

Die Alba-Fans sorgen für eine Superstimmung in der Mercedes-Benz-Arena
Die Alba-Fans sorgen für eine Superstimmung in der Mercedes-Benz-Arena© picture alliance / dpa | Lukas Schulze

Ein Leben ohne die Basketballer kann sich Bretting nicht mehr vorstellen. Seit ihrem ersten Spiel – 1997 nahm ihr großer Bruder sie mit in die Max-Schmeling-Halle – hat sich allerdings einiges verändert. Bis vor drei Jahren gehörte sie bei jedem Heimspiel dazu, inzwischen ist die 30-Jährige Mutter eines Sohnes und managt ein Jeans-Geschäft.

„Ich schaffe es einfach nicht mehr zu allen Spielen“, sagt sie. Wenn sie aber da ist, gibt es ein großes Hallo. Erst zur Begrüßung, dann in den Ohren ihrer Nebenleute, Stichwort: harte Rechte. Dem Betrachter stellt sich die Frage, was nun eigentlich mehr Instrument ist – Brettings drahtiger Körper oder ihre Trommel.

Mit einer Teenager-Schwärmerei ging es los

Immer dabei: ihr erstes Trikot, ein Geschenk von Vladimir Bogojevic, von 1997 bis 2000 Aufbauspieler bei den Berlinern. Der Namensschriftzug ist verblichen, das Autogramm daneben verblasst.

Die Symbolkraft aber bleibt, denn wenn man so möchte, lieferte Bogojevic die Initialzündung für Brettings spätere Explosionskraft an der Trommel. „Mit zwölf oder 13 war Basketball noch nicht ganz so im Fokus“, erzählt sie. „Für mich und meine Freundinnen ging es eher um die Spieler.“ In ihrem Fall vor allem um Bogojevic.

Bis die Teenager-Schwärmerei einer handfesten Faszination für den Fanblock wich, dauerte es nicht lange. „Die Stimmung in der Schmeling-Halle war der Wahnsinn“, sagt Bretting. Ihren Stammplatz hatte sie in Block B, immer mittendrin, immer nah dran, weil man gar nicht anders konnte. Trommler fielen aus, Christin sprang ein – und der Funke über. „Ich hab’ mich in das Trommeln verliebt“, sagt sie.

Neues Leben im Fanblock

Bald kommen Reisen hinzu. Erst minderjährig und in Begleitung ihrer Mutter, auch sie zwischenzeitlich an der Trommel, fährt Christin im Fanbus durch die Republik. Der Fanklub „Albatross“ wird zur zweiten Familie, alle Termine werden auf Alba ausgerichtet, Stammtische organisiert. Es ist die große Zeit der Berliner, sie gewinnen sieben Meistertitel in Folge. Tini und ihr Trommelstock sind immer dabei.

In Bildern: Die Top 18 der Zuschauertabelle

Uneingeschränkter Tabellenführer ist die Fußball-Bundesliga. Bislang haben in der Saison 2015/16 durchschnittlich 43.110 Besucher pro Spiel die Stadiontore passiert (Stichtag 29. 2.16, wie auch für alle anderen Zuschauerzahlen). Hertha BSC liegt mit einem Schnitt von 46.380 Besuchern im Mittelfeld.
Uneingeschränkter Tabellenführer ist die Fußball-Bundesliga. Bislang haben in der Saison 2015/16 durchschnittlich 43.110 Besucher pro Spiel die Stadiontore passiert (Stichtag 29. 2.16, wie auch für alle anderen Zuschauerzahlen). Hertha BSC liegt mit einem Schnitt von 46.380 Besuchern im Mittelfeld. © BM | Picture Alliance
Auf Rang Zwei folgt wenig überraschend die Zweite Bundesliga. Durchschnittlich 18.901 Fans sahen in der Saison 2015/16 ein Spiel der 18 Zweitligisten. Union Berlin ist mit einem Schnitt von 19.725 Besuchern im MIttelfeld.
Auf Rang Zwei folgt wenig überraschend die Zweite Bundesliga. Durchschnittlich 18.901 Fans sahen in der Saison 2015/16 ein Spiel der 18 Zweitligisten. Union Berlin ist mit einem Schnitt von 19.725 Besuchern im MIttelfeld.© BM | Picture Alliance
Auf Rang drei liegt, wie der Name schon sagt, die Dritte Liga. 7010 Besucher waren pro Spiel dabei. Krösus ist Dynamo Dresden mit mehr als 26.000 Besuchern pro Spiel. Da nehmen sich die 1010 Zuschauer, die sich durchschnittlich bei einem Spiel vom VfB Stuttgart II verlieren, mickrig aus.
Auf Rang drei liegt, wie der Name schon sagt, die Dritte Liga. 7010 Besucher waren pro Spiel dabei. Krösus ist Dynamo Dresden mit mehr als 26.000 Besuchern pro Spiel. Da nehmen sich die 1010 Zuschauer, die sich durchschnittlich bei einem Spiel vom VfB Stuttgart II verlieren, mickrig aus. © BM | Picture Alliance
Vierter ist die Deutsche Eishockey Liga (DEL): Sie zieht pro Spiel 6419 Besucher an. Die Eisbären sind hier übrigens Spitzenreiter mit 13.018 Besuchern. Am Schluss liegen die Grizzlys Wolfsburg mit 2421 Zuschauern pro Spiel.
Vierter ist die Deutsche Eishockey Liga (DEL): Sie zieht pro Spiel 6419 Besucher an. Die Eisbären sind hier übrigens Spitzenreiter mit 13.018 Besuchern. Am Schluss liegen die Grizzlys Wolfsburg mit 2421 Zuschauern pro Spiel.© BM | Picture Alliance
Auf Rang fünf folgt die Bundesliga des frisch gebackenen Europameisters. Die Handball-Bundesliga der Männer zieht pro Spiel 4884 Besucher an. Einzig der THW Kiel toppt die 10.000er-Marke, Am Ende liegt der TuS Nettelstedt-Lübecke mit 1977 Gästen pro Spiel. Die Füchse finden sich mit 8050 Besuchern auf Rang drei der Zuschauertabelle.
Auf Rang fünf folgt die Bundesliga des frisch gebackenen Europameisters. Die Handball-Bundesliga der Männer zieht pro Spiel 4884 Besucher an. Einzig der THW Kiel toppt die 10.000er-Marke, Am Ende liegt der TuS Nettelstedt-Lübecke mit 1977 Gästen pro Spiel. Die Füchse finden sich mit 8050 Besuchern auf Rang drei der Zuschauertabelle.© BM | Picture Alliance
Die Basketball-Männer-Bundesliga findet sich auf Rang sechs mit durchschnittlich 4431 Zuschauern pro Spiel. Alba Berlin liegt mit 9912 Besuchern auf Rang eins, Letzter ist der MItteldeutsche BC mit 2937 Besuchern.
Die Basketball-Männer-Bundesliga findet sich auf Rang sechs mit durchschnittlich 4431 Zuschauern pro Spiel. Alba Berlin liegt mit 9912 Besuchern auf Rang eins, Letzter ist der MItteldeutsche BC mit 2937 Besuchern. © BM | Picture Alliance
Siebter ist die Volleyball-Bundesliga der Männer.mit durchschnittlich 1514 Zuschauern pro Spiel. Die Berlin Volleys sind hier Tabellenführer mit 4458 Besuchern. Letzte sind die Netzhoppers aus Bestensee mit mit gerade einmal 474 Gästen pro Spiel.
Siebter ist die Volleyball-Bundesliga der Männer.mit durchschnittlich 1514 Zuschauern pro Spiel. Die Berlin Volleys sind hier Tabellenführer mit 4458 Besuchern. Letzte sind die Netzhoppers aus Bestensee mit mit gerade einmal 474 Gästen pro Spiel.© BM | Picture Alliance
Die Volleyball-Frauen-Bundesliga findet sich auf Rang acht mit 1148 Zuschauern pro Spiel. Der Dresdener SC zieht mit durchschnittlich 2700 Besuchern die meisten Gäste an. Die beiden Berliner Vereine Köpenicker SC (394) und VCO Berlin (126) sind Tabellenletzte.
Die Volleyball-Frauen-Bundesliga findet sich auf Rang acht mit 1148 Zuschauern pro Spiel. Der Dresdener SC zieht mit durchschnittlich 2700 Besuchern die meisten Gäste an. Die beiden Berliner Vereine Köpenicker SC (394) und VCO Berlin (126) sind Tabellenletzte. © BM | Picture Alliance
Auf Rang neun liegt die Fußball-Frauen Bundesliga. 1066 Zuschauer hat jedes Spiel durchschnittlich. Der FFC Frankfurt liegt auf Rang eins mit 2261 Gästen pro Spiel vor Potsdam, die pro Partei 1703 Besucher anziehen. Letzter ist der 1.FC Köln mit 494 Besuchern.
Auf Rang neun liegt die Fußball-Frauen Bundesliga. 1066 Zuschauer hat jedes Spiel durchschnittlich. Der FFC Frankfurt liegt auf Rang eins mit 2261 Gästen pro Spiel vor Potsdam, die pro Partei 1703 Besucher anziehen. Letzter ist der 1.FC Köln mit 494 Besuchern.© BM | Picture Alliance
Die Turn-Bundesliga der Männer verfolgen durchschnittlich 1050 Besucher. Das reicht für Rang Zehn. Hier kämpfen Teams von Cottbus bis Stuttgart um den deutschen Meistertitel.
Die Turn-Bundesliga der Männer verfolgen durchschnittlich 1050 Besucher. Das reicht für Rang Zehn. Hier kämpfen Teams von Cottbus bis Stuttgart um den deutschen Meistertitel. © BM | Picture Alliance
Elfter ist die Handball-Frauen-Bundesliga mit 1002 Besuchern pro Spiel. Zuschauerkönig ist der HC Leipzig mit 2408 Besuchern. Letzter sind die Spreefüxxe mit 462 Zuschauern pro Spiel.
Elfter ist die Handball-Frauen-Bundesliga mit 1002 Besuchern pro Spiel. Zuschauerkönig ist der HC Leipzig mit 2408 Besuchern. Letzter sind die Spreefüxxe mit 462 Zuschauern pro Spiel.© BM | Picture Alliance
Die Basketball Frauen-Bundesliga folgt auf Rang zwölf mit geschätzten 700 bis 800 Zuschauern. Die Klubs sind eher eine Attraktion in der Provinz, kommen doch die Teams aus Marburg und Herne, Saarlouis oder vom Dauersieger Wasserburg.
Die Basketball Frauen-Bundesliga folgt auf Rang zwölf mit geschätzten 700 bis 800 Zuschauern. Die Klubs sind eher eine Attraktion in der Provinz, kommen doch die Teams aus Marburg und Herne, Saarlouis oder vom Dauersieger Wasserburg.© BM | Picture Alliance
650 Zuschauer sehen den Turnerinnen in der Bundesliga zu. Das reicht für Rang 13, wenn sich Teams aus Karlsruhe, Mannheim oder Chemnitz treffen.
650 Zuschauer sehen den Turnerinnen in der Bundesliga zu. Das reicht für Rang 13, wenn sich Teams aus Karlsruhe, Mannheim oder Chemnitz treffen. © BM | Picture Alliance
Auf Rang 14 findet sich die Ringer-Bundesliga der Männer mit durchschnittlich 475 Zuschauern. Das Spektrum liegt dicht beieinander. Die meisten Besucher hat der ASV Mainz 88 mit 654 Besuchern, die wenigsten der KAV Mansfelder Land mit 326 Gästen an der Matte.Luckenwalde ist mit 462 Zuschauern Vierter.
Auf Rang 14 findet sich die Ringer-Bundesliga der Männer mit durchschnittlich 475 Zuschauern. Das Spektrum liegt dicht beieinander. Die meisten Besucher hat der ASV Mainz 88 mit 654 Besuchern, die wenigsten der KAV Mansfelder Land mit 326 Gästen an der Matte.Luckenwalde ist mit 462 Zuschauern Vierter.© BM | Picture Alliance
Die Feldhockey-Bundesliga der Männer zieht geschätzte 400 Besucher pro Spiel an. Das reicht für Rang 15.
Die Feldhockey-Bundesliga der Männer zieht geschätzte 400 Besucher pro Spiel an. Das reicht für Rang 15. © BM | Picture Alliance
Spiele der Tischtennis-Männer-Bundesliga wollen durchschnittlich 483 Besucher schauen. Rang 16. Die mit Abstand meisten Zuschauer hat der mehrfache deutsche Meister Borussia Düsseldorf mit 1408 Besuchern. Die wenigsten Gäste begrüßt der TTC Hagen (211).
Spiele der Tischtennis-Männer-Bundesliga wollen durchschnittlich 483 Besucher schauen. Rang 16. Die mit Abstand meisten Zuschauer hat der mehrfache deutsche Meister Borussia Düsseldorf mit 1408 Besuchern. Die wenigsten Gäste begrüßt der TTC Hagen (211).© BM | Picture Alliance
Jede Partie der Feldhockey-Bundesliga der Frauen wollen geschätzte 300 Zuschauer sehen. Das reicht für Rang 17.
Jede Partie der Feldhockey-Bundesliga der Frauen wollen geschätzte 300 Zuschauer sehen. Das reicht für Rang 17. © BM | Picture Alliance
Ganz am Ende steht die Tischtennis-Bundesliga der Frauen mit 118 Zuschauern pro Spiel. Dominiert wird die Bundesliga vom TTC Eastside aus Berlin, der pro Partie 105 Besucher begrüßen kann. Doppelt so viele Gäste besuchen die Spiele des DJK Kolbermoor  (218).
Ganz am Ende steht die Tischtennis-Bundesliga der Frauen mit 118 Zuschauern pro Spiel. Dominiert wird die Bundesliga vom TTC Eastside aus Berlin, der pro Partie 105 Besucher begrüßen kann. Doppelt so viele Gäste besuchen die Spiele des DJK Kolbermoor (218).© picture alliance / nordphoto | nph / Schulz

Die letzte Berliner Meisterschaft, sie liegt fast acht Jahre zurück. Der Rollentausch vom Favoriten zum Herausforderer ging an der Fanszene nicht spurlos vorüber, auch der Umzug in die gigantische Mercedes-Benz Arena war zunächst nicht förderlich für die Stimmung. Mittlerweile herrscht im Fanblock jedoch neues Leben.

Ein weiterer Fanklub, „Block 212“, brachte frischen Elan, heute stacheln sich beide Lager gegenseitig an. Die Frage ist nur: Wer gibt den Ton vor? „Wenn ich da bin“, sagt Bretting lächelnd, „dann darf ich! Wir kombinieren das ganz gut, bei Block 212 gibt es jemanden mit Megafon. Wir nehmen kurz Augenkontakt auf und los geht’s.“

Viele Rhythmen haben dabei ihren festen Platz. Nach Freiwürfen des Gegners etwa, bei Angriff Alba, auch in der Defense. Ist der Fanblock gut besetzt, stehen neben Bretting neun weitere Trommler.

„Manche Spielszenen kriege ich gar nicht mit“

Bis heute sieht sie sich als Brandstifterin, eine, die das Feuer entfachen will – vor allem dann, wenn es nicht läuft bei Alba. „Manche Spielszenen kriege ich gar nicht mit“, gibt sie zu. „Ich bin mehr für die Fans da. Ich will das Familienpublikum und die VIPs von ihren Sitzen holen.“ Unterstützung bis zum Umfallen. So wie 2007 gegen Bosna Sarajevo, als Alba erst in der fünften Verlängerung gewann.

Wie lange sie diese Energie noch aufbringen kann? „Ich habe schon öfter drüber nachgedacht, es zu lassen“, sagt Bretting, „aber jedes Mal, wenn ich in der Halle bin, merke ich: Du gehörst hier einfach her.“ Sie braucht die Trommel, sie braucht das Ausrasten.

Zwei Stunden Ausnahmezustand, zwei Stunden Leidenschaft, zwei Stunden im Tunnel. Zu Hause wartet dann ihr Sohn. „Der trommelt schon ein bisschen mit“, erzählt sie. Die ersten Alba-Rhythmen klappen ganz gut.