Basketball

Albas Warnung vor Tübingens Tänzer

Aleksandar Nadjfeji ist der älteste Bundesliga-Spieler. Doch unter dem Korb ist der Tübinger kaum zu stoppen. Alba sollte gewarnt sein.

Aleksandar Nadjfeji war bei Albas letztem Meistertitel 2008 dabei. Jetzt kämpft er für Tübingen um den Klassenerhalt

Aleksandar Nadjfeji war bei Albas letztem Meistertitel 2008 dabei. Jetzt kämpft er für Tübingen um den Klassenerhalt

Foto: City-Press / picture-alliance / City-Press Gm

Berlin.  Auf Albas neuen Forward Brandon Ashley wartet gleich in seinem zweiten Spiel für die Berliner ein ganz besonderes Rendezvous. Der 21-jährige Youngster aus San Francisco wird es am Sonntag beim Auswärtsspiel in Tübingen (17 Uhr) mit Aleksandar Nadjfeji zu tun bekommen, der mit 39 Jahren nicht nur der älteste Spieler der Basketball-Bundesliga (BBL) ist, sondern noch immer einer, der in Korbnähe kaum zu stoppen ist.

Ein Schlitzohr, ein Tänzer, der mit seinen Finten mittlerweile Generationen von Gegenspieler verladen hat. „Bloß nicht springen“, wird Alba-Trainer Sasa Obradovic seinem Neuen vor dem Duell mit dem Oldie eindringlich raten. Denn wenn Nadjfeji „dich erst mal in der Luft hat, hast du verloren und siehst ganz, ganz alt aus“.

Albas Coach muss lachen, wenn er das sagt, wissend, dass dieser Rat schon unzählige Male erteilt wurde. Und oft genug vergebens, weil Nadjfeji, der wie alle Aleksandars aus dem ehemaligen Jugoslawien auch Sascha gerufen wird, einen Weg fand, seine Gegner auszutanzen. Zudem spricht Obradovic über einen Freund. „Als ich in Köln meine Karriere als Trainer begann, war Sascha meine erste Spielerverpflichtung“, erinnert sich Berlins Coach. „Ich hätte keine bessere Wahl treffen können. Er ist nicht nur auf dem Parkett ein Führungsspieler, sondern auch in der Kabine, wo er dafür sorgt, dass Frust oder auch Euphorie nie Überhand nehmen.“

Albas Coach ist an seiner Fitness nicht unschuldig

Ein extrem intelligenter Spieler sei er, schwärmt Obradovic. Daran, dass er seine Spieler heute noch immer vor dem 39-Jährigen warnen muss, ist er nicht ganz unschuldig. „Sasa hat mir damals gesagt, ich müsse besser auf meine Fitness achten und mehr für meinen Körper tun“, erzählt Nadjfeji. „Diesen Rat habe ich befolgt. Seither stretche ich viel und trainiere fast den ganzen Sommer hindurch.“

Obradovic wurde 2006 mit den Köln 99ers und der Mithilfe Nadjfejis gleich in seiner ersten Saison Deutscher Meister und 2007 Pokalsieger. Als keine zwei Jahre später am Rhein das Geld ausging, wechselten der 2,02 Meter große Allrounder und Immanuel McElroy nach Berlin, machten dort aus einer guten eine sehr gute Mannschaft. Mit beiden wurde Alba 2008 – zum bislang letzten Mal – Meister.

„Die Zeit in Berlin war perfekt, für mich als Spieler und auch für meine Familie“, erzählt Nadjfeji, der sich auch umdreht, wenn man ihn „Pista“ nennt – ein Spitzname, der auf die ungarische Herkunft seiner Familie anspielt. Meister zu werden, sei „eine unglaubliche Erfahrung. Die Saison ist so lang und du hast so viele Hindernisse überwunden und das geht nur, wenn die Teamchemie stimmt.“

Bei Albas letztem Meistertitel 2008 dabei

Während Obradovic nach der Kölner Insolvenz seinen nächsten Meistertitel mit BK Donezk in der Ukraine (2012) feierte, war Nadjfeji einer der Leistungsträger im Team von Bayern München beim Aufstieg in die Bundesliga (2011). 2013 heuerte „Pista“ zum zweiten Mal in Tübingen an, als Co-Trainer, der hier und da mal unter den Körben aushelfen sollte. Dann aber kam das große Kribbeln. „Mir fehlte der Wettbewerb und ich sah, dass ich der Mannschaft als Spieler viel mehr helfen kann“, erklärt Nadjfeji. „Ich fühle mich gut und bin fit und wenn es dabei bleibt, werde ich noch ein paar Jahre spielen.“

Seine Chancen, seine Gegenspieler auch noch mit 40 Jahren oder älter zum Tanz zu bitten, stehen gut. Denn Nadjfeji hat seit 2014 einen deutschen Pass und fällt somit nicht unter das Ausländerkontingent der BBL. Deutscher zu werden, sei nicht nur sportlich „ein logischer Schritt“ gewesen, erklärt der ehemalige Serbe mit ungarischem Hintergrund. „Wir sind schon so lange in Deutschland, Deutsch ist die Muttersprache meiner Kinder, und wir wollen auch hier bleiben, wenn ich mal nicht mehr spiele.“

Wann immer das sein wird. Wenn Nadjfeji am Sonntag gegen Alba sein 448. Bundesligaspiel bestreitet, geht es nicht um Titel. Tübingen kämpft nach zuletzt fünf Niederlagen gegen den Abstieg. Allerdings würden die Berliner mit einem Erfolg den 1764. Sieg in der Bundesliga feiern (bei 755 Niederlagen) und damit die längst in der Versenkung verschwundenen Leverkusener an der Spitze der ewigen Tabelle der Liga ablösen. Ein Rekord, zu dem „Pista“ einiges beitrug. Trösten wird ihn das allerdings eher nicht. Nadjfeji verliert nicht gern.