Basketball

Europas Basketball steht vor einer Zerreißprobe

Topklubs wie Bayern München oder Alba Berlin wissen nicht, in welchem internationalen Wettbewerb sie nächste Saison starten.

Zuletzt noch Kontrahenten im deutschen Pokal, jetzt Gegner im Eurocup: Albas Will CHERRY (l.) und Münchens  John Bryant

Zuletzt noch Kontrahenten im deutschen Pokal, jetzt Gegner im Eurocup: Albas Will CHERRY (l.) und Münchens John Bryant

Foto: FrankHoermann/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin.  Dass Alba und Bayern München wie jetzt nach dem Berliner Triumph im Pokalfinale in nur sieben Tagen erneut dreimal aufeinandertreffen, kann schon mal vorkommen. Vielleicht passiert es sogar ein zweites Mal in dieser Saison, wenn sich beide Klubs im Play-off um die Deutsche Meisterschaft wiedersehen sollten. Das beginnt allerdings erst Anfang Mai. Jetzt kommt es zu einer solch intensiven Serie, weil Alba die Bayern an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) im Achtelfinale des Eurocups empfängt und vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag (20 Uhr) in München noch das Bundesliga-Auswärtsspiel am Sonntag (15 Uhr) ansteht.

Zehnjahresvertrag mit IMG über 700 Millionen Euro

Pokal und Meisterschaft werden auch künftig feste Größen in den Spielplänen der deutschen Spitzenklubs sein. Auf welchem europäischen Parkett sie sich irgendwann wieder begegnen, weiß im Moment jedoch niemand, denn durch den europäischen Vereins-Basketball geht ein tiefer Riss.

Der Grund: Der Weltverband Fiba wird ab der kommenden Saison die Champions League starten. Alle Bemühungen, zusammen mit den bestehenden Wettbewerben Euroleague und Eurocup eine gemeinsame Plattform für den kontinentalen Spitzen-Basketball zu schaffen, sind trotz zahlreicher Verhandlungen gescheitert. Zudem reagierte die Euroleague nicht nur mit einem neuen Zehnjahresvertrag mit dem Vermarkter IMG in Höhe von 700 Millionen Euro, sondern reichte am vergangenen Freitag bei der EU-Wettbewerbskommission auch Klage gegen die Pläne der Fiba ein. „Die Spaltung ist da“, erklärt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „In dem großen Sport-, besser vielleicht: Unterhaltungsmarkt ist es natürlich kontraproduktiv, wenn man die eigenen Kräfte spaltet, aber auf lange Sicht kommt in der Regel etwas Besseres dabei heraus.“

Suproleague war schnell am Ende

Auf sehr lange Sicht, wahrscheinlich. Aktuell gilt eher: Wer spielt wo? Oder eher sogar: Wird überhaupt gespielt? Am Montag wurden in Stuttgart die Bundesligaklubs, „die bislang nicht in Details involviert waren, über den Stand der Dinge informiert“, erklärt der Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL), Alexander Reil. „Und es wurde festgelegt, wie den beiden Institutionen in den kommenden Gesprächen begegnet werden soll.“

Ein kurzer Rückblick: Im Jahr 2000 gründeten Spitzenklubs aus Spanien, Italien und Frankreich die Uleb (Union des Ligues Européennes de Basketball), weil sie mit der schleppenden Vermarktung der Euroleague unter Leitung der Fiba unzufrieden waren. Der Verband hielt noch eine Saison mit der Suproleague (in der auch Alba spielte) dagegen, gab dann aber als Ausrichter der drittklassigen EuroChallenge und später des Europe Cups klein bei. Bis zum vergangenen November, als der Verband für 2016 den Start seiner Champions League ankündigte.

Euroleague am Freitag, Bundesliga am Sonnabend?

„Ich denke, dass die Loslösung von der Fiba damals notwendig war, ähnlich wie die Loslösung der BBL vom DBB (Deutscher Basketball Bund, d. Red.)“, sagt Baldi, der 2015 von der Euroleague zum zweiten Mal als Manager des Jahres gekürt wurde und außerdem Vize-Präsident der BBL ist. „Die Euroleague hat ja auch die letzten 15 Jahre zwei Topwettbewerbe angeboten, die sich entwickelt haben und populär sind.“

Allerdings würde die Euroleague seinen und jeden anderen deutschen Klub ab der kommenden Saison vor unlösbare Aufgaben stellen. Denn das 16er-Feld, in dem elf Klubs gesetzt sind und durch drei nationale Meister, den Eurocup-Sieger und den Gewinner eines Qualifikationsturniers aufgefüllt werden soll, wird eine komplette Hin- und Rückrunde spielen, bevor es ins Play-off geht. Die Euroleague spiele immer freitags, am Sonnabend seien die BBL-Spiele angesetzt, nennt Baldi eines der Probleme.

Mehr Spiele als in der NBA verkraften die Klubs nicht

„Bisher war der Spielplan schwierig, aber gerade noch zu stemmen. Wenn ab 2017 die Nationalmannschaftsfenster dazukommen, müssten in zwölf Wochen jeweils drei Spiele pro Woche gespielt werden, Reisen nach Moskau beispielsweise inklusive“, rechnet Berlins Manager vor. „Zudem will die Euroleague ja expandieren. Bei 20 Teams hättest du 38 Spiele in Europa, 34 in der Bundesliga, plus Pokal und Play-off in beiden Wettbewerben. Das wären mehr Spiele als in der NBA – das ist nicht machbar.“

Der Verweis auf die Profiliga in Übersee kommt nicht von ungefähr. Die Entwicklung der Euroleague könne dazu führen, dass sich die dort spielenden Klubs „von den nationalen Ligen abspalten“, die Pläne der Fiba gingen hingegen „in die klassische Richtung wie bei der Champions League im Fußball“. Baldi fragt sich auch, ob „die Fans Jahr für Jahr eine Liga mit immer den gleichen Teams sehen wollen oder doch die jeweiligen Meister?“ In der jetzigen Konstellation könne es sein, dass der spanische, türkische Meister oder auch israelische gar nicht in der Euroleague spielt. „Das wäre für Europa ein völlig neues Sportdenken, ähnlich dem im amerikanischen Sport.“

Alba seit 26 Jahren immer international am Start

Sicherlich wird die Euroleague versuchen, einen deutschen Klub mit ins Boot zu holen. Bloß welchen? Einfach immer den Meister? Oder Alba, seit 26 Jahren ununterbrochen auf internationalem Parkett dabei und mit den meisten Zuschauern in Europa? Bamberg, klar die stärkste Mannschaft der vergangenen Jahre? Oder die Weltsportmarke Bayern München? „Wir werden nur etwas tun, was mit der deutschen Liga abgestimmt ist“, sagt Marko Pesic, Geschäftsführer der FC Bayern Basketball.

Der Zeitpunkt sei gekommen, „dass die deutsche Liga, die einiges aufgebaut hat in den letzten Jahren, ihre Position in die Waagschale werfen, Selbstbewusstsein zeigen und auch mal Forderungen stellen“ sollte. Ganz wichtig sei, dass die Bundesliga „intern erst mal ein Meinungsbild entwickelt und dann mit einer Sprache spricht“. Ihm gefalle, dass man „bisher keinerlei Kommentare von einem Verein hört: Da oder da will ich spielen.“

Wenig Gegenwehr in den heimischen Ligen

Die elf für die Euroleague gesetzten Klubs sind Real Madrid, FC Barcelona und Tau Vitoria aus Spanien, Efes und Fenerbahce Istanbul (Türkei), Panathi­naikos Athen und Olympiakos Piräus (Griechenland), ZSKA Moskau (Russland), Armani Mailand (Italien), Maccabi Tel Aviv (Israel) und Zalgiris Kaunas (Litauen). Sie alle haben ein Interesse an einem üppigen europäischen Spielplan, weil ihnen in den heimischen Ligen nur selten Gegenwehr droht. Davon kann in den deutschen Wettbewerben keine Rede sein, wie erst das Pokal-Top-Four am vergangenen Wochenende zeigte. Die drei anstehenden Duelle Alba gegen die Bayern werden das erneut beweisen.