Alba Berlin

Wie Albas Brandon Ashley zum echten Profi wurde

Albas neuer Flügelspieler lernte bei NBA-Superstar Dirk Nowitzki. Wie der Berliner Bundesligist ebenfalls davon profitieren kann.

Albas Zugang Brandon Ashley kommt von den Texas Legends, dem Farmteam des NBA-Klubs Dallas Mavericks, nach Berlin

Albas Zugang Brandon Ashley kommt von den Texas Legends, dem Farmteam des NBA-Klubs Dallas Mavericks, nach Berlin

Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Berlin.  Wespentaille, ein für seine Größe von 2,01 Meter normal breites Kreuz – Albas neuer Power Forward Brandon Ashley ist kein Schrank, den nur drei Gegenspieler gemeinsam unter dem Korb hin- und herschieben können. Seine Qualität ist wohl eher, dass er gar nicht mehr da ist, wo ihn die Gegner gerade noch gesehen haben. Der US-Amerikaner ist schnell, seine Spannweite enorm. Wenn man ihn fragt, ob er fliegen kann, antwortet er mit einem Lächeln: „Ein wenig schon.“

Ob er schon Sonnabend beim Spiel gegen Göttingen (18.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) sein Debüt gibt, wissen weder er selbst noch Sasa Obradovic. Ashley trainierte gestern erstmals mit dem neuen Team. Seine Assistenten seien zwar mit dem Neuankömmling Albas Spielsysteme durchgegangen, während er mit der Mannschaft in München weilte, erzählt Albas Coach, aber sein neuer Flügel sei jetzt in einer „völlig neuen Welt“ und mit seinen 21 Jahren „vor allem eine Investition in die Zukunft“.

Ashley, dessen Auslandserfahrungen sich bislang auf Kanada und die Bahamas beschränkten, fiel aus allen Wolken, als das Telefon klingelte und sein Agent ihm die weiteste und längste Reise seines Lebens vorschlug. Im Dress der Texas Legends, dem Farmteam der Dallas Mavericks, wurde er in seinem ersten Jahr als Profi bereits zum Allstar der Developement League der NBA (D-League) gekürt, kam dort in der laufenden Spielzeit in 33 Partien durchschnittlich auf 14,8 Punkte und 6,8 Rebounds.

„Unglaublich, was Dirk für ein netter Kerl ist“

Zuvor hatte er für die Atlanta Hawks in der Sommerliga der NBA gespielt und mit den Mavericks, deren Kapitän Dirk Nowitzki ist, sieben Vorbereitungsspiele bestritten. „Es ist unglaublich, was Dirk für ein netter Kerl ist“, schwärmt Ashley, „dass ein so überragender Spieler und Weltstar so cool und normal ist, hat mich echt beeindruckt.“ Von ihm, wenn auch nur für kurze Zeit, lernen zu dürfen, sei ein Privileg gewesen.

Jetzt also Berlin. Er habe einen seiner ehemaligen Trainer, der lange in Italien gespielt hatte, um Rat gefragt und gehört, dass Alba ein Klub mit großer Tradition und eine der besten Adressen in Europa sei. „Es wird einige Zeit brauchen, mich einzugewöhnen“, weiß Ashley, der mit „Vielseitigkeit“ antwortet, wenn man ihn nach seinen Stärken fragt.

„Ich kann weiter weg vom Korb spielen“, sagt er und fügt selbstbewusst hinzu, dass er „auch über ein gewisses Maß an Athletik“, verfüge, sich in der Nahdistanz durchzusetzen. „Ich bin hergekommen, um dem Team zu helfen. Und ich glaube auch, dass der Klub mich geholt hat, damit ich spiele. Wann, entscheidet der Coach.“

Ein Zugang zur rechten Zeit

Diese Entscheidung dürfte Obradovic einiges Kopfzerbrechen bereiten. Zieht man Rob Lowery ab, der noch länger wegen seiner Fußverletzung fehlen wird, sind nach Ashleys Verpflichtung noch sieben spielbereite Ausländer in Albas Kader. Nur sechs dürfen in der Bundesliga spielen.

„Einer mehr ist besser als einer zu wenig“, sagt Albas Coach pragmatisch. Jetzt, da der Tanz auf drei Hochzeiten (Eurocup, Pokal und Meisterschaft) vorbei sei und nur noch ein Bundesliga-Spiel pro Woche anstehe, breche sowieso eine neue Zeit an.

„Wir hatten nie Zeit, an uns zu arbeiten. Es gibt einiges zu tun, taktisch, aber auch an unserer Physis. Wir müssen fast schon ein neues Team werden.“ So gesehen, ist es für Ashley sicher ein guter Zeitpunkt, sich einzufinden.