Kommentar

Alba: Die Welt gehört denen, die immer hart arbeiten

Der Pokalsieg von Alba ist zwar eine Überraschung, aber er ist der Lohn eines ausgesprochenen Teamgedankens, meint Dietmar Wenck.

Ein Pokal, ein Team: Alba Berlin

Ein Pokal, ein Team: Alba Berlin

Foto: Andreas Gebert / dpa

Man könnte sagen: Dieser Verein und seine Mannschaft sind immer für eine Überraschung gut. Als krasser Außenseiter waren sie nach München gereist, die Basketballer von Alba Berlin.

Die jüngste Bundesliga-Niederlage gegen Würzburg im Gepäck, die starken Schwankungen seit Anfang Dezember – der Glaube an Erfolge schien so instabil wie die Leistungen des Teams.

Dazu kam die sichtbar wachsende Nervosität des strengen Trainers Sasa Obradovic, hier und da gibt es sogar Spieler, die dem autoritären Serben während seiner öffentlichen Rüffel ebenso offen zu widersprechen wagen. Was soll dabei noch herauskommen?

In der Bundesliga hat der Klub bereits sieben Niederlagen kassiert, liegt nur auf Platz sechs. Hat sich die Art des Coaches jetzt vielleicht doch abgenutzt?

Am Ende lagen sich alle in den Armen

Kurz mal innegehalten: Die Saisonziele der neuformierten Mannschaft hießen Zwischenrunde des Eurocups, Erreichen des Top Four um den Pokal und des Meisterschafts-Halbfinals. Stand jetzt sind die Berliner schon im Achtelfinale des internationalen Wettbewerbes und nun obendrein Pokalsieger – zweimal Übererfüllung des eigenen Anspruchs.

Und nach dem Triumph von München lagen sich alle in den Armen. Obradovic und der fast pausenlos gescholtene Center Jonas Wohlfarth-Bottermann etwa.

Will Cherry, dem die Kritik seines Übungsleiters häufig besonders auf die Nerven geht, tätschelte sogar die Glatze des Coaches. In solchen Momenten erkennen die Spieler, was Schinderei einbringen kann.

Trikots mit der Aufschrift „Pokalsieger 2016“

Der Antreiber am Rande ist es aber nicht allein. Wieder einmal haben die Berliner ein echtes Team zusammengestellt, mit Anführern wie Dragan Milosavljevic und Jordan Taylor. Und anderen, die in den Statistiken weniger auftauchen, aber trotzdem wichtig sind. Weil sie den Zusammenhalt stärken.

„Alles, was ich habe“, hatte Akeem Vargas auf seine Schuhe geschrieben, bevor das Pokalturnier in München losging, andere folgten. Zusammenhalten, nie aufgeben, den Favoriten die Stirn bieten. „Wir treten in schweren Momenten als Team auf“, sagte Obradovic und fügte selbst ein wenig erstaunt hinzu: „Am Ende sind wir so in die Situation gekommen, die Bayern besiegen zu können.“

Nun muss es ein paar Leute im Verein geben, die doch etwas optimistischer an die Sache herangegangen sind: Vor der Siegerehrung wurden Trikots mit der Aufschrift „Pokalsieger 2016“ verteilt. Ist doch nicht alles so überraschend? Fest steht: Die Befürchtung, dies könne eine Saison zum Vergessen werden für Alba, hat sich nicht bewahrheitet. Und sie ist noch nicht zu Ende.