Basketball

Pokalsieg: Alba ist Berlins bester Spielverderber

Alba gewinnt ein spannendes Pokalfinale gegen Gastgeber Bayern München 67:65. Dabei stand das Endspiel lange auf der Kippe.

München. Diesmal war es Dragan Milosavljevic, der inmitten des Pulks von den Spielern Alba Berlins fast erdrückt wurde. War tags zuvor noch Jordan Taylor geherzt worden, weil er mit einem Dreipunktewurf sein Team gegen die Skyliners Frankfurt ins Finale um den 50. Deutschen Basketball-Pokal geworfen hatte, brachte der Treffer des Serben zum 67:65 (25:34)-Endstand gegen Bayern München sein Team noch einen, den entscheidenden Schritt weiter.

Zum neunten Mal haben die Berliner den Cup gewonnen; nur Bayer Leverkusen (12) ist dies öfter gelungen. „Ich bin sehr stolz auf die Jungs – und glücklich“, sagte Trainer Sasa Obradovic, „dieses Turnier war aber auch eine Werbung. Die Leute haben tollen Basketball gesehen.“

Dass die finale Werbeveranstaltung stattfinden konnte, stand allerdings auf der Kippe. Fast wäre sie ins Wasser gefallen. Bis kurz vor Spielbeginn hatte noch ein Handtuch auf dem Spielfeld gelegen – neben einem Eimer unter dem Hallendach letztes Überbleibsel eines Wasserschadens, der in der Nacht aufgetreten war.

Ein junger Mann rannte in Pausen des Finales immer wieder aufs Parkett, um den Boden trocken zu reiben. Eine Heizungspumpe in der Deckenkonstruktion des Audi Dome war defekt, der Boden nass und rutschig. Um den Dachschaden zu reparieren, wurde das Spiel um Platz drei zwischen Bamberg und Frankfurt abgesagt, so konnte wenigstens das Endspiel pünktlich beginnen. Und niemand rutschte aus. Außer im sportlichen Sinne der Favorit des Finales.

„So etwas kann sogar in der NBA passieren“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Keine Häme, auch kein Nachkarten, nachdem der inzwischen arg abgestürzte frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß in Berlin vor Jahren noch geätzt hatte, der Alba-Spielstätte fehle es an Atmosphäre.

Der 64-jährige Freigänger war am Finalwochenende als Zuschauer dabei. Lange sah es so aus, als könnte er mit den Bayern den zweiten Pokalsieg nach 1968 feiern.

Im 25. Aufeinandertreffen beider Klubs waren die Gastgeber eine Halbzeit lang die bessere Mannschaft. Da lagen die Bayern klar vorn, die Berliner leisteten sich zu viele Ballverluste, erlaubten München zu viele Offensivrebounds und schlossen ihre Angriffe nicht konzentriert genug ab.

„Wir haben 20 Minuten sehr gut gespielt“, sagte Münchens Trainer Svetislav Pesic, „aber Alba hat sich von Minute zu Minute gesteigert. Sie haben den Sieg verdient. Wir hätten ihn auch verdient gehabt, aber sie treffen die letzten Würfe, wir treffen nicht. So ist halt Basketball.“

Imponierend war es, wie ruhig der Außenseiter blieb, als sein Rückstand Anfang der zweiten Halbzeit sogar elf Punkte betrug (25:36). Wenige Minuten später lagen die Berliner um ihren erneut starken Anführer Jordan Taylor (18 Punkte) nach elf Punkten in Serie plötzlich 41:38 vorn.

Kikanovic mit 19 Punkten Topscorer

Die meisten der 6500 Zuschauer im Audi Dome wurden leiser, immer mehr ließen 400 mitgereiste Alba-Anhänger von sich hören. Was sie sahen, war dazu angetan. Von nun an fand das Geschehen auf Augenhöhe statt.

Der neue Sportdirektor Himar Ojeda und Geschäftsführer Marco Baldi fieberten mit, ärgerten sich über manche Entscheidung der Unparteiischen. Doch die Spieler ließen sich nun durch nichts mehr verunsichern.

Der Jubel im Alba-Block schwoll an, als Elmedin Kikanovic, mit 19 Punkten Topscorer seines Teams, einen Dreier zum 60:56 einnetzte – es war sein erster Distanztreffer in dieser Saison, und dann gleich im Pokalfinale. „Ich habe mich gut gefühlt“, sagte der Bosnier später grinsend. Da roch er bereits verdächtig nach Alkohol: In der Kabine waren leere Sektflaschen Zeichen der überschäumenden Freude.

Nächste Partie gegen die Münchener schon am Mittwoch

Eineinhalb Minuten vor dem Ende brachte ein Milosavljevic-Dreier den 65:58-Vorsprung. Die Entscheidung? Noch immer nicht, auch die Bayern zeigten ihr großes Kämpferherz. Zwei Punkte von Anton Gavel, zwei Freiwürfe von Deon Thompson und ein Dreier von Dusko Savanovic aus größter Bedrängnis:

Eine Minute später stand es wieder 65:65, Dramatik pur. Dann kam der letzte Angriff Albas, den Milosavljevic erfolgreich abschloss. Ein verzweifelter letzter Versuch von Justin Cobbs verfehlte das Ziel.

„Der Pokal ist wieder da, wo er hingehört“, jubelte der deutsche Nationalspieler Akeem Vargas, „den in München zu holen, tut natürlich besonders gut.“ Und macht Mut für die nächsten drei Aufeinandertreffen innerhalb von nur neun Tagen.

Den Auftakt macht das Hinspiel des Eurocup-Achtelfinales am Mittwoch (19.30 Uhr) in der Mercedes-Benz Arena. Die Bayern, so viel ist gewiss, werden hochmotiviert sein.