Basketball

Basketball-Pokalsieger: Ein Titel im Schnelldurchgang

Das Rennen um den Basketball-Pokal ist kurz, aber spannend. Und die Bundesligaklubs stehen Schlange, das Top Four auszurichten.

Alle wollen nur das eine: den Ball in den Korb stopfen. Hier versucht der Frankfurter Mike Morrison, Albas  Jordan Taylor hält dagegen

Alle wollen nur das eine: den Ball in den Korb stopfen. Hier versucht der Frankfurter Mike Morrison, Albas Jordan Taylor hält dagegen

Foto: Bild-Pressehaus / picture alliance / bild presseha

Berlin.  Nein, einen VfB Eppingen, TSV Vestenbergsgreuth oder die Hertha BSC Amateure wird es nie geben in der Geschichte des deutschen Basketball-Pokals. Kann es gar nicht, der Modus sieht nicht vor, dass ein Dritt- oder Viertligist etwa in der Runde der besten 64 einen Bundesliga-Tabellenführer oder Deutschen Meister ausschaltet. An diesem Wochenende treffen sich in München Meister Brose Baskets Bamberg, Gastgeber Bayern, die Skyliners Frankfurt und Alba Berlin, um beim Top Four im Audi Dome den 50. deutschen Pokalsieger zu küren. Sie belegen in der Bundesliga aktuell die Ränge eins, zwei, vier und sechs. Es ist ein Kampf der Elite im Schnelldurchgang. Nichts für Pokal-Romantiker.

Titelverteidiger Oldenburg ist schon ausgeschieden

Nutzen die Münchner ihren Heimvorteil, haben zwei Siege zum Triumph genügt. Die anderen drei Teilnehmer mussten sich wenigstens in einem Spiel qualifizieren. Das geht so: Nach der Bundesiga-Hinrunde haben nur die sechs bestplatzierten Teams noch eine Chance auf das Top Four. Die Partien gegen den Gastgeber werden aus dieser extra geführten Tabelle herausgerechnet. Dann wird zwischen den sechs Mannschaften eine K.o.-Runde ausgelost. Jeweils nur ein Spiel, der Gewinner hat das Zwischenziel erreicht. Cupverteidiger Oldenburg blieb so schon in Frankfurt auf der Strecke.

Trotzdem sagt Marco Baldi auf die Frage, wie er den Modus findet: „Super!“ Der Alba-Geschäftsführer fügt hinzu: „Wer einen Vorschlag hat, wie wir es besser machen sollen, kann es gern sagen.“ Es dürfte schwer fallen, die Basketballer hetzen sowieso bereits durch ihre Saison. In einer 18er-Liga, mit einem Allstar-Wochenende, dem Play-off, das nach dem Modus „Best of five“ ausgespielt wird, dem deutschen Pokal, dem Europapokal – Alba kam so in der vergangenen Saison auf fast 70 Spiele und erreichte nicht einmal das Meisterschaftsfinale.

Die Terminnot lässt keine weiteren Pokalrunden zu

„Ich bin ein großer Freund von Traditionen im Sport“, erklärt Baldi, „aber man muss die Fakten sehen und die Machbarkeit.“ Fakt ist, dass in der Vergangenheit weder die Außenseiter die Bundesligisten nur so aus dem Wettbewerb kegelten noch die Fans in Scharen strömten, um das zu sehen. Und es fehlt einfach die Zeit.

Seit 2008 nehmen keine unterklassigen Teams mehr teil. Außerdem beschloss die Liga bereits 1993 die Einführung des Top Four, vergleichbar mit anderen Nationen, wo es in Spanien, Frankreich, Italien und der Türkei ein Achter-Turnier gibt. Wobei nur die „Copa del Rey“ ein wirklicher Erfolg ist, ein internationales Basketballfest. „Die anderen“, sagt Baldi, „nudeln den Pokal so durch.“

Der Sieger kassiert eine Prämie von 45.000 Euro

Was man in Deutschland nicht sagen kann. Die Klubs stehen Schlange, das Top Four austragen zu können. Nicht nur wegen der automatischen Qualifikation und des Heimvorteils. Und obwohl der Pokalsieg nicht wie in anderen Sportarten einen Europapokalstartplatz garantiert. Sondern nur eine Prämie von 45.000 Euro für den Ersten, 35.000 für den Zweiten, 25.000 für den Dritten, 15.000 für den Vierten. „Der Pokalgewinn ist ein Titel“, sagt Baldi, „und jeder Titel zählt.“ Acht Mal schon gewannen die Berliner den Cup, die an diesem Sonnabend um 19 Uhr auf Frankfurt treffen. Zuvor (16 Uhr, jeweils live bei Telekom Basketball) bekämpfen sich die Favoriten Bayern und Bamberg.

Was die Geschichte für die Zuschauer spannend und für die Außenseiter attraktiv macht: In einer Play-off-Serie einen der beiden finanzstärksten Klubs aus dem Süden auszuschalten, ist fast unmöglich. In einem einzigen Spiel ist es immer noch schwer, aber machbar. Das beweisen die Ergebnisse der vergangenen drei Jahre. Zweimal setzte sich Alba durch, einmal Oldenburg. „Den Pokal“, sagt Berlins neuer Sportdirektor Himar Ojeda, „gewinnen die Klubs mit den größten Budgets nicht so oft.“

Der Champions Cup steht auf der Streichliste

Ein völlig offenes Rennen wird erwartet. „Es sind die besten vier Teams der Liga da“, sagt Bayern-Trainer Svetislav Pesic, und Baldi, trotz des 95:82-Sieges in Frankfurt in der Bundesliga, warnt vor den Hessen: „Sie sind das einzige deutsche Team, das in dieser Saison schon gegen Bayern und Bamberg gewonnen hat.“ Auch Vorgeplänkel darf nicht fehlen. Bambergs Spielmacher Brad Wanamaker schürte die Emotionen vor dem Halbfinale gegen München mit dem Statement: „Sie mögen uns nicht. Wir mögen sie nicht.“

Auf ein solches Turnier setzt die Liga BBL natürlich auch in Zukunft. Obwohl der Termindruck immer größer wird. Die nächste Bundesligasaison startet bereits am 23. September, zehn Tage früher als zuletzt. Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet ihr letztes EM-Spiel am 17. September in den Niederlanden. Das bedeutet für die Klubs: nicht einmal eine Woche Vorbereitung. Was wird aus dem Saisoneröffnungsspiel zwischen Meister und Pokalsieger? „Für den Champions Cup sieht es nicht gut aus“, sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. Das Top Four um den deutschen Basketball-Pokal hingegen dürfte es noch lange geben.