Basketball

Albas Talente kommen nur auf Umwegen zurück nach Berlin

Alba bildet viele Basketball-Talente aus. Aber den Sprung in das Bundesligateam schaffen die wenigsten von ihnen.

Alba hat immer die höchsten Ziele und setzt deshalb eher auf US-Profis wie Robert Lowery (r.) als auf eigene Spieler wie Joshiko Saibou (l.)

Alba hat immer die höchsten Ziele und setzt deshalb eher auf US-Profis wie Robert Lowery (r.) als auf eigene Spieler wie Joshiko Saibou (l.)

Foto: Heiko Becker / picture alliance / HMB Media/ He

Berlin.  Aus seinem Innenleben macht Joshiko Saibou kein Geheimnis. Wenn er am Mittwoch (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) mit den Baskets Würzburg in seiner Heimatstadt Berlin aufläuft, begleiten ihn gemischte Gefühle. „Es ist immer schön, wenn ich meine Familie und Freunde sehe“, sagt der Aufbauspieler, „aber letztes Mal haben wir bei Alba eine 30-Punkte-Klatsche kassiert.“ Die bittere Niederlage im Pokal-Viertelfinale liegt noch keine vier Wochen zurück. In der Basketball-Bundesliga (BBL) setzte es seither drei weitere Pleiten. Die Euphorie nach dem furiosen Saisonstart, sie ist vorerst verflogen beim Aufsteiger.

Einst zählte Saibou zu den größten Talenten

Deutlich beständiger als die Leistung seines Teams ist Saibous Bindung zu Berlin. Aufgewachsen in Schöneberg, zählte der heute 26-Jährige bei Alba zu den verheißungsvollsten Talenten des Landes. In der Nachwuchs Basketball Bundesliga (NBBL) gewann er 2009 die Meisterschaft – gemeinsam mit späteren Profis wie Niels Giffey (Alba), Konstantin Klein (Frankfurt), Steven Monse (Crailsheim) und Malte Ziegenhagen (Bayreuth).

Noch immer sind sie eine eingeschworene Gemeinschaft, haben eine Chat-Gruppe, trainieren in der Sommerpause gemeinsam in der alten Heimat. Während der Saison aber sind sie Gegner. „Keiner von uns“, sagt Giffey, „ist den Alba-Weg gegangen.“ Ihn selbst zog es 2010 für vier Jahre in die USA aufs College. Aktuell gibt es insgesamt zehn ehemalige Spieler aus dem Alba-Nachwuchs, die in der Bundesliga bei anderen Klubs unter Vertrag stehen.

Lücke zwischen Regionalliga und Euroleague ist zu groß

Der Sprung aus Albas Jugend zu den Profis, er erweist sich heute wie damals als enorm schwierig. „Alba spielt auf hohem Niveau und hat großen Leistungsdruck“, sagt Saibou. „Das ist eine Konstellation, die mit jungen Spielern nur schwer zu kombinieren ist.“ Zudem vermisst er in Berlin ein wichtiges Bindeglied zwischen NBBL und BBL. „Es wäre optimaler, wenn Albas zweite Mannschaft in der ProA oder ProB spielen würde. Die Lücke zwischen Regionalliga und Euroleague-Niveau ist einfach zu groß.“ Eine Einschätzung, die Giffey übrigens teilt.

Für Eigengewächse gibt es vielversprechendere Perspektiven. Die Konsequenz lautet deshalb meist: umpflanzen. So auch bei Saibou – er folgte 2011 dem Ruf seines einstigen NBBL-Trainers. Alba-Legende Henrik Rödl holte ihn nach Trier, wo Saibou einen festen Platz in der Bundesliga ergatterte. Um weitere Schritte nach vorn zu machen, musste er jedoch zunächst einen zurückgehen. Beim Zweitligisten Gießen spielte Saibou in der Saison 2013/14 zwar für ein kleines Team, dafür aber erstmals eine große Rolle. „Ich habe viel Verantwortung bekommen und hatte die Möglichkeit, Fehler zu machen“, erzählt Saibou. „Das ist der einzige Weg, wie man sich weiterentwickelt.“

Mit Würzburg ein Anwärter auf die Play-off-Runde

Seit 2015 trägt der Sohn einer togolesischen Mutter und eines deutschen Vaters nun das Trikot von Play-off-Anwärter Würzburg. Wie schon in Trier muss er sich hinter Dru Joyce einreihen, einem der besten Spielmacher der Liga. Knapp zehn Minuten steht Saibou im Schnitt auf dem Parkett, ein Wert, mit dem er momentan leben kann – auch, weil er sich viel von Joyce abschauen könne. Giffey traut seinem früheren Teamkollegen mehr zu. „Es gibt nur wenige Spieler in Deutschland, die so spritzig sind wie Joshiko“, sagt er. „In den nächsten Jahren wird er eine feste Instanz in der Liga sein.“

Vorerst aber gilt es für Saibou, den Würzburger Abwärtstrend zu stoppen. Bei Alba dürfte das schwierig werden. Jordan Taylor hat seine Daumenverletzung überwunden und die Knöchelblessur von Will Cherry entpuppte sich als harmlos, Trainer Sasa Obradovic kann somit auf sein angestammtes Spielmacher-Duo zurückgreifen. Die Einsatzzeit von Ismet Akpinar wird sich daher wohl wieder verringern. Auch der 20-Jährige stammt bekanntlich aus dem eigenen Nachwuchs.