Basketball

Die Leidenszeit von Niels Giffey hat kein Ende

Der Alba-Profi fehlt seiner Mannschaft wegen einer Entzündung am Fuß noch weiter. Auch am Sonnabend gegen Ludwigsburg ist er nur Zuschauer.

Niels Giffey von Alba Berlin ist ein sehr sicherer Freiwurfschütze. Bisher traf er alle 28 Freiwürfe, die ihm zugesprochen wurden

Niels Giffey von Alba Berlin ist ein sehr sicherer Freiwurfschütze. Bisher traf er alle 28 Freiwürfe, die ihm zugesprochen wurden

Foto: FrankHoermann/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Berlin.  Niels Giffey wird am Sonnabend wieder auf seinem inzwischen schon angestammten Platz sitzen in der Mercedes-Benz Arena. Seitlich rechts vor dem Fanblock von Alba Berlin. Hinter einer Werbebande neben Klub-Geschäftsführer Marco Baldi. Dort, wo diejenigen Alba-Profis ihren Platz haben, die nicht spielen können. Dabei, aber eben nicht mittendrin.

„Natürlich stünde ich lieber auf dem Feld“, sagt der 24-Jährige. Aber es geht nicht. Eine Entzündung an der Plantarsehne seines linken Fußes verhindert bereits seit Ende November 2015, dass er selbst eingreifen kann. „Es entwickelt sich“, sagt Baldi zwar mit Blick auf den Heilungsprozess von Giffey. Dennoch bleibt ihm auch diesmal, beim Bundesligaspiel gegen die Riesen Ludwigsburg (Beginn 18.30 Uhr), nur die ungeliebte Rolle des Zuschauers. Zu dem ebenfalls verletzten Jordan Taylor (Hand). Vielleicht gesellt sich auch noch Dragan Milosavljevic dazu, der unter einer Sprunggelenksverletzung leidet und dessen Einsatz fraglich ist.

Beim Training in der Halle in der Schützenstraße ist Giffey immer dabei. Kraft- und Ausdauertraining kann er teilweise absolvieren, mehr aber auch nicht. „Es ist schon frustrierend mit der Zeit“, erklärt der junge Mann. Vor allem eines drückt aufs Gemüt: „Es gibt keine Prognose, wann ich wieder spielen kann.“ Geduld zu haben – wer kann das schon von sich behaupten?

Der Nationalspieler brachte die Probleme an seiner Fußsohle bereits von der Europameisterschaft im September mit, wo er für Deutschland an der Seite von Dirk Nowitzki und Dennis Schröder zum Einsatz kam.

Zuletzt war er am 27. Dezember 2015 kurz auf dem Feld

Seine Leidenszeit begann allerdings erst vor etwa zwei Monaten. Vier Wochen lang wurde er danach geschont. Dann gab es am 27. Dezember 3:57 Minuten lang einen kurzen Versuch im Heimspiel gegen den Mitteldeutschen BC. „Die Ärzte hatten damals grünes Licht gegeben“, erinnert sich Baldi. Doch die Schmerzen kamen zurück. Baldi: „Danach haben wir uns entschlossen, ihn erst einmal rauszunehmen.“

Giffey selbst spürt zumindest etwas Besserung. „Diese Nadelstiche, die ich vorher hatte, sind so gut wie weg.“ Doch bei Belastung meldet sich die Entzündung in seinem linken Fuß – links ist sein Sprungbein – wieder.

In Berlin geboren, hat Giffey die Jugendprogramme von TuS Lichterfelde und Alba durchlaufen. 2009 holte er mit dem Berliner Team – damals unter Trainer Henrik Rödl – sogar den Titel in der Nachwuchs-Bundesliga NBBL. 2010 wollte Alba ihm einen langfristigen Profivertrag geben, aber ihn lockte mehr das Leben und Basketballspielen an einem US-College. Im Sommer 2014 kehrte er nach vier Jahren am College (und zwei Titeln mit der University of Connecticut) in die Heimatstadt zurück.

Auch der Einsatz von Dragan Milosavljevic ist offen

Im zweiten Jahr spielt er nun bei Alba, sein Vertrag läuft bis 2017. In dieser Saison wollte er den nächsten Schritt machen und war dabei auf einem guten Weg. Etliche Male von Cheftrainer Sasa Obradovic in der Startformation aufgeboten, kam der Flügelspieler in der Bundesliga im Schnitt knapp 19 Minuten lang zum Einsatz, erzielte 7,3 Punkte und erkämpfte sich 3,7 Rebounds. Makellos ist seine Freiwurfbilanz: In der Liga und im Eurocup versenkte er sämtliche 28 Freiwürfe, die ihm zugesprochen wurden.

Es wurde und wird alles versucht: Behandlungen, Einlagen für die Schuhe, Massagen, Lockerung der Muskulatur. Doch hinter dem Zeitpunkt seines Comebacks bleibt ein großes Fragezeichen. Er möchte am liebsten nicht viel über seine Gefühle sprechen, wie es ist, zum Warten verdammt zu sein. Der 2,00 Meter große Giffey kennt allerdings die Situation einer langen Zwangspause. „In der Jugend bin ich mal ein halbes Jahr ausgefallen“, denkt er zurück: 2009 litt der Berliner unter Pfeifferschem Drüsenfieber.

Es ist ein schmaler Grat. „Theoretisch könnte er spielen“, sagt Baldi, wissend um das Risiko. Zwar ließen sich die Schmerzen durch Spritzen betäuben, aber wenn Giffey dann kein Gefühl im Fuß hat, drohen andere Verletzungen. Auch Trainer Sasa Obradovic sagt: „Wir müssen ihm Zeit lassen.“ Er weiß, wovon er spricht. Während seiner Profikarriere litt der Serbe selbst einmal unter dieser Verletzung.

Einst litt auch Coach Obradovic unter dieser Verletzung

Baldi erinnert sich an den Fall, als schon einmal ein Alba-Profi unter einer Entzündung der Plantarsehne litt. Der US-Amerikaner Brian Randle wechselte im Oktober 2012 von Hapoel Jerusalem zu den Berlinern, machte genau zwei Europaligaspiele (sechs Punkte in 28 Minuten Einsatzzeit) und fiel dann verletzt aus. Sein bis Februar 2013 datierter Vertrag wurde nicht verlängert. Randle spielte ein paar Wochen später wieder in der israelischen Liga (Hapoel Tel Aviv), heute steht er bei Maccabi Tel Aviv unter Vertrag. Baldi weiß jedoch auch: „Er hat bis heute Probleme mit der Sehne.“

Bis auf Weiteres muss Niels Giffey also Zuschauer bleiben. Er findet es allerdings „interessant“, Spiele aus einer anderen Perspektive zu beobachten. Dies hat ihm zumindest einen Erkenntnisgewinn gebracht: „Manchmal kann ich jetzt Sasas Reaktionen am Spielfeldrand ein bisschen besser verstehen.“ Ein schwacher Trost.