Basketball

Albas Will Cherry: Mit viel Herz gegen fehlende Erfahrung

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Sebastian Arlt
Point Guard Will Cherry (24), hier bei einem Sprungwurf gegen Ludwigsburg, führt die Statistiken bei Alba Berlin bislang in drei Kategorien an

Point Guard Will Cherry (24), hier bei einem Sprungwurf gegen Ludwigsburg, führt die Statistiken bei Alba Berlin bislang in drei Kategorien an

Foto: Deniz Calagan / dpa

Will Cherry trägt bei Alba Berlin momentan große Verantwortung. Doch manchmal geht mit dem Spielmacher noch das Temperament durch

Berlin.  Will Cherry hat keine guten Erinnerungen. „Zweimal haben wir in der letzten Saison gegen die verloren, sie sind sehr, sehr heimstark“, sagt der Spielmacher von Alba Berlin. Damals stand der Basketballprofi noch beim litauischen Meister und Pokalsieger Zalgiris Kaunas unter Vertrag – und die Rede ist von Neptunas Klaipeda, dem Klub, bei dem die Berliner im zweiten Spiel der Eurocup-Zwischenrunde an diesem Mittwoch (18 Uhr, Livestream bei rbb-online.de) antreten müssen.

„Ein schweres Ding“ warte da auf Alba, ist sich der 24-Jährige sicher. Man solle sich durch die Auftaktniederlage der Litauer nicht täuschen lassen. Neptunas verlor bei Aris Saloniki 58:84. „Da haben sie nicht ihr wirkliches Gesicht gezeigt“, meint auch Albas Cheftrainer Sasa Obradovic.

Alba hat gerade große Probleme: Sowohl Niels Giffey (Fußverletzung) als auch Jordan Taylor (Kapsel- und Bänderverletzung an der linken Hand) fallen aus. Jetzt kommt es besonders auf Cherry an, der sich eigentlich mit seinem Kumpel Taylor (er fällt sechs Wochen aus) den Spielaufbau teilt, assistiert vom jungen Ismet Akpinar (20).

Cherry: „Ich muss smarter spielen“

Cherry muss die Hauptlast schultern, was sich besonders deutlich beim 83:67 gegen Mailand zeigte, als er fast 35 Minuten auf dem Spielfeld stand, zehn Minuten länger als sonst. „Das war hart für ihn“, gibt Obradovic zu, „wir müssen aufpassen, dass wir da kein zu hohes Risiko eingehen.“

Die Ausfälle müsse das Team gemeinsam kompensieren, fordert Cherry, aber natürlich weiß er, dass er nun mehr gefordert ist: „Ich muss smarter spielen, vor allem muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell Foulprobleme bekomme.“ Dass er gegen Mailand so lange auf dem Feld stand, habe er indes kaum gemerkt. Immer wieder gönnte Obradovic ihm kurze Pausen. „Das hat sehr gut geklappt“, sagt Cherry.

Alba sucht wegen der Verletzungsprobleme einen neuen Aufbauspieler. „Es ist schwer“, sagt der Coach. Spieler mit der nötigen Qualität sind in der Regel „zu teuer“, und überhaupt ist Obradovic hin- und hergerissen: „Man weiß nie, wie sich ein Neuer auf die Team-Chemie auswirkt.“ Und die ist bei Alba ausgezeichnet.

Cherry, der im Sommer einen Einjahresvertrag in Berlin unterschrieb, ist hoch talentiert, aber eben auch noch unerfahren. Nicht immer findet er die Balance zwischen Improvisation und konsequentem Ausspielen der Systeme. Aber seine Statistiken sprechen für sich: In der Bundesliga ist er bei Punkten (im Schnitt 13,5), Korbvorlagen (4,3) und Ballgewinnen (1,7) Albas Bester, bei Einsatzzeit (25:44 Minuten) und Rebounds (4,2) ist jeweils nur ein Kollege besser.

Viel Lob für Trainer Obradovic

Und: Cherry spielt mit viel Herz. „Du musst ein echter Kämpfer sein“, antwortet er auf die Frage, warum er auch so stark in der Defensive sei. „Ich hatte immer Trainer, bei denen Verteidigung ganz wichtig war“, erzählt er. Da ist er ja bei Sasa Obradovic genau richtig, bei dem Defensivarbeit über allem steht.

Cherry lobt seinen Coach in den höchsten Tönen. „Er gibt 100 Prozent, um 101 Prozent aus einem Spieler herauszuholen.“ Gerade weil Obradovic selbst früher ein Weltklasse-Spielmacher war, könne man von ihm unendlich viel lernen. „Er sieht jeden Fehler.“ Cherry ist sehr lernwillig und nennt einen Beleg, dass ihn der Trainer bereits weitergebracht hat. „In meinem ersten Jahr in Deutschland bin ich gleich beim Allstar Game dabei gewesen.“ Am vergangenen Sonnabend stand Cherry im internationalen Team und hatte „jede Menge Spaß“.

Dennoch es ist schon hart unter Obradovic, der fördert, aber eben auch knallhart fordert. „Er will nur das Beste für uns, aber manchmal hasst du ihn schon“, sagt Cherry lachend. Für ihn steht jedoch fest: „Er hat das Herz auf dem richtigen Fleck.“