Die Spieler von Alba Berlin verließen die Arena in Ludwigsburg so niedergeschlagen, als hätte ihr Dasein als Basketball-Profis quasi keinen Sinn mehr. Nachvollziehbar, wenn man die Vergleiche mit den Schwaben isoliert betrachtet: Zum dritten Mal in dieser Saison einschließlich Eurocup haben die Berliner gegen sie verloren, mit dem 80:90 waren sie diesmal noch am besten bedient, aber trotzdem chancenlos. Zu hart, wann man die nun beendete Hinrunde der Bundesliga als Ganzes ansieht: Die Zwischenbilanz ist mit 13 Siegen in 17 Spielen weit besser als das Gefühl, das gerade in der Luft liegt.
Während des Spiels hatte Trainer Sasa Obradovic noch getobt. Gestern sagte er: „Die Hinrunde ist viel besser gelaufen als erwartet.“ Dem stimmte Geschäftsführer Marco Baldi zu, wenn-gleich auf vielsagende Art: „Das faktische Ergebnis ist überraschend gut.“ Richtig zufrieden klingt das nicht, und so soll es auch nicht klingen. Obwohl die Berliner eine bis auf die Deutschen komplett neue Mannschaft gebaut haben, obwohl mit Niels Giffey ein Nationalspieler seit fast sechs Wochen verletzt fehlt, obwohl es kaum eine gemeinsame Vorbereitung auf diese Saison gegeben hatte, erklärte Baldi: „Wir sagen selbst, da ist viel Luft nach oben. Das zeigt unseren Anspruch.“
Was die Tabelle angeht, nicht, da ist sein Team aktuell Zweiter. Was die individuellen wie mannschaftlichen Leistungen angeht, umso mehr. Jeder der sechs neuen Ausländer aus den USA, Serbien und Bosnien-Herzegowina hat schon herausragende Spiele abgeliefert, doch ebenso erschreckende Vorstellungen. Das gilt für die beim Alba-Publikum umstrittenen Mitchell Watt und Jordan Taylor, aber nicht minder für Will Cherry, Dragan Milosavljevic und Elmedin Kikanovic. Diese extremen Schwankungen erschweren das Zusammenwachsen einer funktionierenden Einheit. „Dieser Prozess und die individuelle Verbesserung werden weitergehen“, sagte Baldi, der zugleich ein großes Plus hervorhob: „Die Chemie im Team ist sehr gut.“
Das Potenzial auch, so viel haben Siege wie gegen München, in Frankfurt, Hagen und Würzburg gezeigt. Dennoch: Da geht mehr. Auch von den Deutschen, die ähnliche Stabilitätsprobleme haben. Akeem Vargas wird nach Startschwierigkeiten langsam besser, Alex King kann ebenfalls noch zulegen. Ismet Akpinar (20) sowieso, der in seiner dritten Saison in Berlin endlich mehr Spielminuten von Obradovic bekommt. Baldi sagte: „Ismet hat einen Schritt gemacht.“
Weitere müssen folgen, wenn Alba sein Ziel Play-off-Halbfinale erreichen will. Noch sind die Berliner bei der Freiwurfquote (73,3 Prozent) eines der schwächsten Teams der Liga, ebenso bei den Ballgewinnen (5,8 pro Spiel). Ballverluste leisten sich alle anderen Top-Mannschaften weniger (14,3). Was Baldi und Obradovic am meisten stört, ist die fehlende Konstanz in der Abwehr. „Da sehen wir manchmal extrem schlecht aus“, ärgerte sich Baldi, „und gerade da entscheidet sich, wie weit wir am Ende kommen können.“ Bis zum Ende bleiben jedoch weitere fünf Monate Zeit. Es gibt viel zu tun, aber derzeit keinen Grund, niedergeschlagen zu sein.

