Basketball

Alba Berlin gerät immer mehr in eine gefährliche Schieflage

Alba steckt in der Krise: Nach einer enttäuschenden Leistung gegen Bremerhaven kassieren die Berliner ihre vierte Niederlage in Folge.

Berlin.  Jeder entwickelt seine eigene Strategie, wenn es darum geht, wie man am besten mit einer Negativserie umgeht. Bei Alba Berlin haben sie nach drei Niederlagen in Folge einfach mal eine sogenannte „To do“-Liste aufgestellt, also geklärt, was es für Aufgaben zu lösen gilt, um auf diese Weise gar nicht erst in einen Strudel zu geraten. Die erste lautete, mit einem Sieg gegen die Eisbären Bremerhaven die Tabellenspitze der Basketball-Bundesliga zu behaupten. Die zweite, am Mittwoch (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) mit einem weiteren Erfolg gegen Le Mans Sarthe den Einzug in die Top 32 des Eurocups sicher zu stellen.

Eisbären von der Nordsee alles andere als verunsichert

Die Sache mit der Tabellenspitze ist allerdings erst einmal gehörig daneben gegangen. Statt Jubel der knapp 10.000 Fans gab es am Sonntag nach der 69:80 (32:48)-Niederlage gegen den bisherigen Siebzehnten der Tabelle laute Buhrufe. Das bedeutet einerseits: Platz drei statt Platz eins. „Bremerhaven hat den Sieg verdient“, sagte Trainer Sasa Obradovic, „denn wir haben unserem Gegner nicht den angemessenen Respekt entgegengebracht.“ Sein Kollege von der Nordsee, Chris Harris, dagegen war einfach „nur happy. Das war für uns wie ein Befreiungsschlag“.

Verunsichert wirkten überraschenderweise nicht die norddeutschen Gäste, obwohl sie in ihren vergangenen beiden Partien in Würzburg und gegen Bayern München nach hohen Führungen noch sehr unglücklich verloren hatten. Wie eine Mannschaft, die bisher in dieser Besetzung noch nicht allzu oft zusammen gespielt hat, traten eher die Berliner auf. Kaum ein Offensivsystem, das erfolgreich zu Ende gebracht wurde, kaum eine Defensive, die nicht mit einem mehr oder weniger freien Wurf für die Eisbären endete. Bremerhaven nutzte dies in der ersten Halbzeit zu einer wahren Dreier-Demonstration. Alba wurde von Minute zu Minute nervöser.

Obradovics Wechsel bringen das Team auch nicht weiter

An der Seitenlinie tobte Trainer Obradovic und wechselte in einer Tour, was seinem Team auch nicht weiterhalf. Im Gegenteil: Neun Ballverluste durch Fehlpässe, Übertreten der Seitenlinie oder Schrittfehler zeigten ebenso die Verspannung wie 50 Prozent vergebene Freiwürfe. Während Bremerhaven aus der Distanz bei 15 Versuchen neun Mal traf, was allein schon fast zur Halbzeitführung gereicht hätte. Permanent wuchs der Vorsprung der Eisbären, bei denen auch Center Jannik Freese, vergangene Saison noch im Alba-Trikot, eine ordentliche Leistung zeigte.

Doch was sollte Obradovic auch tun? „Mit Leib und Seele“ ist der Slogan seiner Mannschaft, seines Klubs. Davon war fast dreißig Minuten so gut wie gar nichts zu sehen. „Uns fehlen zurzeit Herz, Wille und Siegermentalität“, gab Kapitän Alex King, einer von mehreren Berliner Ausfällen in der Offensive, selbstkritisch zu, „wir waren zu unkonstant und haben zu viel Angst, Fehler zu machen.“ Prompt passieren diese Fehler. Gerade nach harter Verteidigungsarbeit den Ball erobert, wird er nur Sekunden später wieder weggeworfen. Oder ein Korbleger wird vergeben. Oder, oder, oder. Was dieses Manko angeht, zeigte sich Alba sehr kreativ. Aber nur in dieser Beziehung.

Kampfgeist und unerbittliche Verteidigung fehlen

Ohne den verletzten Niels Giffey, den eine Sehnenentzündung an der Ferse sicher noch eine Weile außer Gefecht setzt und der auf Krücken in die Halle kam, ließen gerade die Routiniers im jungen Berliner Team die professionelle Einstellung vermissen. Und die Gäste zu unterschätzen und deshalb nicht von Beginn die Alba-Charaktermerkmale Kampfgeist und unerbittliche Verteidigung zu zeigen, war höchst unprofessionell.

Nun hat Alba Berlin seine Krise. Es ist lange her, dass die Berliner überhaupt einmal drei Pflichtspiele in Serie verloren haben, 2012/13 war das, in der Play-off-Viertelfinalserie gegen Bayern München. Nun sind es gar vier Niederlagen. Aber keine tat so weh wie diese gegen Bremerhaven. „Sie schmerzt, damit hatte niemand gerechnet“, sagte Obradovic, „aber auf diesem Level darf man sich so viele Fehler nicht erlauben, wie wir gemacht haben.“

Kapitän King befürchtet eine schwierige Saison

Zuschauer Giffey vermisste „auch mal leichte Punkte, wie nach Fastbreaks oder bei Freiwürfen“. Bis zu 18 Punkte (41:59) betrug der Berliner Rückstand. Wenigstens wurde ein Debakel verhindert, weil doch noch einmal der Alba-Kampfgeist erwachte. Den größten Anteil an der Aufholjagd hatten Dragan Milosavljevic (19 Punkte), Will Cherry (16) und Elmedin Kikanovic (14). Zwei Minuten vor dem Ende war beim 66:70 sogar noch ein Alba-Sieg möglich. Er wäre nicht verdient gewesen. King blickte skeptisch in die Zukunft, als er sagte: „Wenn wir uns nicht schleunigst besser sortieren, wird das eine sehr schwierige Saison.“ Die To-Do-Liste ist länger geworden.