Basketball

Tabellenführer Alba Berlin befindet sich im Höhenflug

Warum das Berliner Basketballteam einen solch fulminanten Saisonstart hingelegt hat. Von bisher 13 Spielen hat Alba zwölf gewonnen.

Feiern mit den jüngsten Fans in der Mercedes-Benz Arena nach dem Erfolg gegen den Erzrivalen Bayern München: Albas Alex King (rechts) und Mitchell Watt

Feiern mit den jüngsten Fans in der Mercedes-Benz Arena nach dem Erfolg gegen den Erzrivalen Bayern München: Albas Alex King (rechts) und Mitchell Watt

Foto: Lukas Schulze / dpa

Berlin.  Feiern? Fehlanzeige. Dabei hätten die Basketballprofis von Alba Berlin doch allen Grund dafür gehabt nach dem umjubelten 90:74 gegen Bayern München. Alba steht in der Bundesliga-Tabelle dort, wo der Klub am liebsten steht: an der Spitze. Acht Spiele, acht Siege. Und jetzt auch noch der Erfolg gegen den Erzrivalen aus dem Süden, der den Berlinern noch vor fünf Monaten eine ganz bittere Niederlage im fünften Play-off-Halbfinalspiel nach Verlängerung beigebracht hatte.

„Wer jetzt in Feierlaune ist und glaubt, dass man das Spiel gegen Ludwigsburg lockerer nehmen kann, täuscht sich gewaltig“, warnt Albas Geschäftsführer Marco Baldi gleich. Nach München ist vor Ludwigsburg.

Im Eurocup muss Alba bereits wieder am Dienstag (19.15 Uhr, Mercedes-Benz Arena, Eurosport 2 und Livestream auf www.rbb-online.de/sportplatz) gegen die Schwaben antreten. Genau 48 Stunden, nachdem Trainer Sasa Obradovic und sein Team die Ovationen ihrer Fans bei der Ehrenrunde genossen haben.

Am Dienstag im Eurocup gegen die Riesen Ludwigsburg

Ludwigsburg – da war doch was... Genau, die Riesen Ludwigsburg sind die Mannschaft, die Berlin in dieser Saison die bisher einzige Niederlage zugefügt hat. Im Eurocup stehen auf der Habenseite vier Siege gegenüber. Mit Grausen denkt Baldi zurück an das 60:79 am 14. Oktober in Ludwigsburg: „Da waren wir ohne Chance.“ Nun wird sich zeigen, ob die Berliner diese Lektion gelernt haben, die ihnen die Riesen damals erteilt haben. Ludwigsburgs Trainer John Patrick lässt den Stil spielen, den auch Alba bevorzugt: Der Gegner wird mit aggressiver Defensive pausenlos unter Druck gesetzt.

Patrick war übrigens der einzige Bundesliga-Trainer, der bei der Umfrage nach dem Meister vor der Saison auf Alba getippt hat. „Berlin wird nach dem Umbruch total unterschätzt“, so Patrick damals. „Die Zugänge sind stärker als die meisten denken.“

Der Titel wird zwar erst im Juni 2016 vergeben, doch sicher kommt der Traumstart der Berliner mit zwölf Siegen in 13 Spielen überraschend. Die Morgenpost nennt die wichtigsten Gründe für Albas Höhenflug:

Zugänge Es war ein Umbruch, der nicht gewollt war. Aber alle sechs Ausländer-Positionen mussten neu besetzt werden, weil die bisherigen Profis den Klub verließen, um höher dotierte Verträge in Ländern wie Italien, der Türkei oder Russland sowie bei Bayern München zu unterschreiben. Dem inzwischen auch in die Türkei gewechselten ehemaligen Sportdirektor Mithat Demirel und Baldi ist es wieder gelungen, starke Spieler zu verpflichten, die „etwas unter dem Radar der Konkurrenz geflogen sind“, wie es Demirel einmal ausgedrückt hat.

Mischung Der Kader für die Saison 2015/2016 zeichnet sich auch dadurch aus, dass er eine Mixtur aus erfahrenen Spielern, die auch international schon einiges erlebt haben, und jungen, noch nicht ganz ausgereiften Profis darstellt. Besonders routiniert ist natürlich der coole Kresimir Loncar, 32, der als Letzter dazustieß. Auch Dragan Milosavljevic, 26, und Elmedin Kikanovic, 27, behalten zumeist kühlen Kopf. Was man vom Spielmacher-Duo Will Cherry, 24, und Jordan Taylor, 26, nicht immer sagen kann. Aber auch sie haben sehr gut eingeschlagen. Dass sich das neuformierte Team auch untereinander gut versteht, ist zusätzlich hilfreich.

Defensive Es ist die Philosophie von Trainer Obradovic, dass alles Weitere auf einer knallharten Verteidigungsarbeit basiert. Die Defensive ist das Prunkstück, im Schnitt lassen die Berliner pro Spiel nur 68 Punkte zu – Liga-Bestwert. Kürzlich beklagte sich Bayern-Spieler Nihad Djedovic darüber, dass seiner Meinung nach die Alba-Profis viel provozieren würden. Baldi kontert mit einem Lächeln: „Wenn Djedovic jammert, sind wir genau auf dem richtigen Weg.“

Breite Der Kader der Berliner ist breit aufgestellt. Erstmals seit einigen Jahren lässt Obradovic wieder mit einer Elfer-Rotation spielen. Elf Spieler bekommen entscheidende Einsatzzeiten. Damit gelingt es, die Intensität in der Abwehr über die gesamte Spieldauer extrem hoch zu halten. Keiner muss weit über 30 Minuten auf dem Feld stehen. Eine Tatsache, die sich mit fortschreitendem Saisonverlauf weiter positiv bemerkbar machen dürfte. Gegen München verteilten sich die Einsatzzeiten zwischen zehn Minuten (Jonas Wohlfarth-Bottermann) und 27 Minuten (Jordan Taylor). Breit ist auch die Palette der besten Werfer: Bisher gab es sechs (Cherry, Taylor, Kikanovic, Milosavljevic, Niels Giffey, Ismet Akpinar) unterschiedliche Topscorer.

Trainer Sasa Obradovic war, ist und bleibt ein sehr emotionaler Coach, der fordert, aber auch fördert. Das macht es für die Spieler nicht gerade einfach. Doch der Serbe macht die Spieler besser. Und er sagt über sich: „Ich lerne ständig dazu.“ Gerade in der Europaliga ein Team vorzubereiten und zu coachen wie in der vergangenen Saison, hat auch ihn einen weiteren Schritt vorangebracht. Spielmacher Cherry sagt über ihn: „Der Trainer gibt immer 100 Prozent, um 101 Prozent aus den Spielern herauszuholen. Das zeichnet ihn besonders aus.“

Potenzial „Wille und Intensität sind schon da“, freut sich Baldi. Aber: „Spielerisch haben wir noch viel Luft nach oben.“ Aber gerade darin liegt noch das Potenzial. Der Alba-Jahrgang 2015/2016 ist noch lange nicht am Limit. Jeder kann noch einen weiteren Schritt machen, so wie es sich momentan vor allem bei Niels Giffey, Jonas Wohlfarth-Bottermann und Ismet Akpinar beobachten lässt. Auch Mitchell Watt steigert sich kontinuierlich. Obradovic stellt erfreut fest: „Wir verbessern uns von Spiel zu Spiel.“