Basketball

Ludwigsburg holt Alba wieder auf den Boden der Tatsachen

Nach dem Sieg gegen Bayern wähnten sich die Berliner Basketballer auf bestem Wege. Doch im Eurocup verloren sie deutlich.

Berlin.  Plötzlich wurde es doch noch einmal dramatisch. Das Spiel schien so klar verloren, dass es fast keinen Spaß mehr gemacht hatte zuzuschauen, nicht den knapp 7000 Fans in der Mercedes-Benz Arena, nicht Alba Berlins Trainer Sasa Obradovic. Mit 49:75 lag seine Mannschaft im Eurocup gegen die Riesen aus Ludwigsburg nach knapp 30 Minuten hinten, da erwachte noch einmal ihr Widerstand. Wenn aber selbst eine Serie von 16:0 Punkten nicht reicht, um an den Kontrahenten heranzukommen, sagt das einiges. Die Schwaben reisten als 90:79 (54:29)-Sieger nach Hause. Beide Teams haben nun 4:2 Siege in der Vorrundengruppe B auf dem Konto und gute Chancen, die nächste Runde einzuziehen.

Ganzfeldverteidigung der Riesen behagt Alba nicht

Dennoch war es ein gebrauchter Tag für Alba. Von Wiedergutmachung war die Rede gewesen nach dem 60:79 im Hinspiel, der bisher einzigen Saisonniederlage für die Berliner. Und hatte nicht der glänzende 90:74-Erfolg gegen Bayern München zwei Tage zuvor dem Tabellenführer noch das ohnehin große Selbstbewusstsein gestärkt? Nichts davon war zu sehen, weder vorn noch hinten. Die Süddeutschen kauften Alba mit ihrer gewohnt bissigen Ganzfeldverteidigung gleich zu Beginn den Schneid ab, obwohl im Riesen-Team mit Roderick Trice und Alvaro Munoz noch zwei Leistungsträger fehlten. Für die Gäste war es der „erste Sieg in Berlin seit 1993“, wie ihr Coach John Patrick stolz betonte.

Ein enttäuschter Niels Giffey sagte: „In der ersten Halbzeit ging unsere Einstellung gar nicht. So können wir uns nicht präsentieren, erst recht nicht in einem Heimspiel. Das war unter unserer Würde.“ Sein Mitspieler Dragan Milosavljevic ergänzte: „Die Partie gegen Bayern hat uns viel Kraft gekostet. Ich glaube, wir waren nicht bereit für dieses Spiel. Wenn wir nicht 40 Minuten mit voller Energie spielen, dann sind wir nicht dasselbe Team.“

David McCray macht das beste Spiel seiner Karriere

Alba machte es dem Gegner zu leicht, von Beginn an. Lasche Verteidigung von Giffey gegen David McCray – der Ludwigsburger bedankte sich prompt mit zwei Dreiern, 0:6. Und schon lief es für die Gäste nach Plan. Ihre hohe Trefferquote aus allen Lagen stellte Alba vor unlösbare Probleme. Die Verteidigung, sonst das Glanzstück, arbeitete unkonzentriert, nicht zupackend genug – immer wieder fanden die Ludwigsburger Wege zum Alba-Korb. „Wir können nicht so spielen“, ärgerte sich Obradovic, „der Sieg für Ludwigsburg war ohne jeden Zweifel verdient. Aber ich schaue nicht auf sie, ich schaue auf uns.“ Was er sah, konnte ihm in keiner Phase gefallen.

Denn selbst in der etwas besseren zweiten Halbzeit unterliefen seinen Spielern noch viele Fehler, Ballverluste, falsche Wurfentscheidungen, schlechte Abschlüsse. Die Ludwigsburger retteten sich auf dem Zahnfleisch ins Ziel. „Ich bin froh, dass das Spiel nicht noch ein paar Minuten länger gedauert hat“, gab Patrick zu. Als aus seinem Team mit McCray (16 Punkte), John Brockman (9), Jason Boone und Tekele Cotton auch noch vier Spieler mit fünf Fouls vom Parkett mussten, hatte Alba alle Möglichkeiten noch einmal dichter heranzukommen. Doch die Chance blieb ungenutzt. Und nach der katastrophalen Vorstellung vorher wäre ein Sieg auch nicht verdient gewesen, so sehr sich die Zuschauer diesen auch herbeiwünschten.

Am Sonnabend wartet Oldenburg auf den Tabellenführer

Die nächste Herausforderung wartet schon am Sonnabend auf die Berliner beim Gastspiel in Oldenburg, das sich nach schwachem Start in der Bundesliga gefangen hat. Dort immerhin ist Alba noch immer unbesiegt.