Basketball

Pesic: „Sehe keinen Grund, dass Pep Guardiola nicht bleibt“

Bayern-Trainer Svetislav Pesic vor dem Spiel gegen Alba über seinen Kollegen in München, Buhrufe gegen ihn und Neid auf sein Team.

Münchner Erfolgstrainer unter sich: Svetislav Pesic (links) kennt Pep Guardiola schon seit mehr als zehn Jahren aus Barcelona

Münchner Erfolgstrainer unter sich: Svetislav Pesic (links) kennt Pep Guardiola schon seit mehr als zehn Jahren aus Barcelona

Foto: Getty Images / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Für Svetislav Pesic wird das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Alba Berlin und Bayern München am Sonntag (17 Uhr, Mercedes-Benz Arena, Sport1) wieder einmal zu einer Rückkehr an den Ort ehemaliger Erfolge. Der 66-jährige Bayern-Coach trainierte zwischen 1993 und 2000 Alba, führte das Team unter anderen zu vier deutschen Meistertiteln (1997-2000) und 1995 zum sensationellen Gewinn des Korac-Cups. Pesic, der sowohl die serbische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist einer der weltweit erfolgreichsten Basketball-Trainer: Er wurde Weltmeister mit Jugoslawien (2002), Europameister mit Deutschland (1993) und Jugoslawien (2001). Dem FC Barcelona bescherte er 2003 das Triple mit dem erstmaligen Europaliga-Sieg. 2014 wurde er mit Bayern München Deutscher Meister. Pesic ist verheiratet mit Vera und hat zwei Kinder, Marko und Ivana. Marko arbeitet bei den Bayern als Geschäftsführer und Sportdirektor.

Berliner Morgenpost: Herr Pesic, Sie sind mit 66 Jahren der dienstälteste Trainer in der Bundesliga, arbeiten jedoch engagiert wie eh und je. Woher nehmen Sie immer noch die Motivation und die Kraft?

Svetislav Pesic: Die Kraft kommt von der Liebe zum Basketball und der Identifikation damit. Der zweite Grund ist die Herausforderung des Basketballprojekts in München, auch das gibt mir neue Kraft, weiter am Ball zu bleiben.

Das reizt Sie so stark...

Eigentlich wollte ich in Deutschland zwar leben, weil hier die wichtigsten Mitglieder meiner Familie leben. Aber ich wollte nicht mehr als Klubtrainer in Deutschland arbeiten; eher in Spanien, ich habe ja auch ein Haus in Barcelona. Doch Uli Hoeneß hat mich im Herbst 2012 von dem Projekt überzeugt. Es reizt mich, etwas aufzubauen, so wie damals, als ich nach Berlin kam. Man sieht: Als Trainer weißt du eben nie, was passiert.

Welche Vision haben Sie mit den Bayern?

Ziel ist natürlich, erfolgreich und attraktiv zu spielen und Titel zu holen, dazu die Marke FC Bayern Basketball auch international weiter zu etablieren. Und mein drittes Ziel ist, wenn unsere Fußballer in der Champions League spielen und die Allianz-Arena voll ist, dass dann zur gleichen Zeit die Basketballer in der Europaliga im ebenfalls ausverkauften Audi Dome spielen. Wenn das passiert, und ein- oder zweimal hat es das sogar schon gegeben, kann man sagen, dass sich Basketball in einem Land durchgesetzt hat, in dem – speziell in Bayern – Fußball mehr ist als Sport.

Sie sprechen Fußball an. Öfter tauschen Sie sich mit Trainer Pep Guardiola aus. Worüber sprechen Sie, kann man voneinander lernen?

Natürlich ist das Thema immer Basketball oder Fußball. Diskussionen ohne Ende (lacht), wie die spielen, wie wir spielen, warum das, warum nicht jenes. Ich kenne Pep noch aus meiner Zeit in Barcelona, da war er Trainer der zweiten Mannschaft. Er war schon damals ein großer Basketballfan und kam immer mal zu unseren Spielen. Manchmal hat er sogar im Training vorbeigeschaut. Wissen Sie: Wenn man etwas lernen will, kann man immer etwas lernen.

Was meinen Sie: Verlängert Pep Guardiola seinen Vertrag bei den Bayern oder verlässt er München nach dieser Saison?

Ich habe ihn selbst noch nicht gefragt, aber ich sehe in seinen Augen, dass er jeden Tag die Herausforderung hier mit Freude annimmt. Er hat sich sehr gut integriert, seine Familie ist auch da. Ich glaube, die Zusammenarbeit zwischen Pep und Bayern München wird noch einige Jahre dauern. Ehrlich, ich sehe keinen einzigen Grund dafür, dass das nicht passieren wird.

Sie selbst haben einen Vertrag bis 2017.

Ich weiß schon, was Sie fragen wollen. Früher habe ich mir immer vier, fünf Jahre im Voraus Gedanken gemacht, jetzt mache ich das nicht mehr. An jedem Tag, an dem ich aufstehe, ist mein Ziel, die Spieler besser zu machen, dass die Mannschaft besser spielt und dass sich Spitzen-Basketball hier in München etablieren kann.

Wie im Fußball polarisieren auch die Basketballer des FC Bayern. Seit fast drei Jahren sind Sie nun Bayern-Trainer, haben sich während dieser Zeit die Aversionen gegen Ihr Team in anderen Hallen etwas gelegt?

Ich möchte es vergleichen: Ich war Trainer beim FC Barcelona. Überall, wo wir gespielt haben, war die Halle ausverkauft. Aber da haben sich die Gefühle der einheimischen Fans in Richtung ihres Teams orientiert, das wollten sie unterstützen.

Das ist in Deutschland anders?

Wenn wir auswärts spielen, dann ist die Halle auch ausverkauft, man hat allerdings fast überall das Gefühl, dass die Leute gekommen sind, um zu sehen, wie heute Bayern München verliert und wie die leiden nach einem verlorenen Spiel. Ich will nicht von Hass sprechen, ich nenne es lieber Neid. Für mich war das anfangs schon ein bisschen frustrierend, inzwischen interessiert mich das nicht mehr.

In Berlin werden auch Sie vom Publikum gnadenlos ausgebuht. Tut Ihnen das nicht weh, schließlich waren Sie einst einer der Baumeister bei Alba?

Ich bin nach wie vor oft in Berlin, wo ich auch noch eine Wohnung besitze. Für mich ist es wichtig, wenn ich zum Beispiel am Kudamm bin, dass mir viele Leute mit großem Respekt begegnen, ob Taxifahrer oder Restaurantbesitzer. Es erkennen mich immer noch einige und sagen: Schön, dass du wieder da bist, das war schön damals mit Alba und so weiter.

In der Halle hört sich das aber anders an.

Es gibt so viele Leute, die mir wichtiger sind als eine neue Gruppe von sogenannten Alba-Fans, aber diese Gruppe interessiert mich sowieso nicht. Ich freue mich jedenfalls, wenn ich in Berlin bin. Alba Berlin ist ein Markenzeichen des Sports in Berlin, es sorgt für ein positives Image der Stadt. Jeder kennt die Historie von Alba, und jeder, der es wissen möchte, weiß auch, dass ich ein Stück dieser Geschichte bin.

Kommen wir zum Sportlichen...

...dass ein Spiel zwischen Alba und dem FC Bayern viel interessanter ist als viele andere Spiele in Deutschland, finde ich super. Das ist gut für den Basketball, das ist gut für die richtigen Basketballfans in München, in Berlin und in ganz Deutschland.

Wie sehen Sie Alba und Ihr Team vor dem Spiel am Sonntag?

Wenn Alba zu Hause spielt, sind sie immer Favorit. Wenn wir zu Hause spielen, sind wir immer Favorit – so ist das. Alba spielt bisher kontinuierlich sehr gut und hatte schon einige Erfolgserlebnisse. Wir spielen auch nicht schlecht, aber aufgrund von Verletzungsproblemen und einer schwierigen Saisonvorbereitung haben wir noch nicht die Kontinuität erreicht, die wir erreichen wollen und müssen.

Noch einmal zum Alter. Wenn Sie einmal nicht mehr als Trainer arbeiten, wo werden Sie dann Ihren Lebensabend verbringen: in Barcelona, in Berlin, in München oder in Ihrer serbischen Heimat?

Gute Frage. Bis jetzt habe ich mehr oder weniger immer entschieden, wo wir hingehen. Aber diese Entscheidung überlasse ich dann wohl meiner Ehefrau Vera.