Basketball

Auch Bayern München kann Albas Siegesserie nicht stoppen

Berliner Basketballer bleiben nach dem deklassierenden 90:74 gegen München vor 14.000 Fans ungeschlagener Spitzenreiter der Bundesliga.

Will Cherry (r.) lässt sich vom Münchner Anton Gavel auf dem Weg zum klaren Sieg Alba Berlins nicht aufhalten

Will Cherry (r.) lässt sich vom Münchner Anton Gavel auf dem Weg zum klaren Sieg Alba Berlins nicht aufhalten

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Schon Minuten vor der Schlusssirene standen die Alba-Fans, klatschten, johlten, jubelten. Es gibt für sie wohl nichts Schöneres als einen Sieg gegen den Erzrivalen Bayern München. „Die Nummer eins im Land sind wir“, sangen die Berliner Anhänger. Selig über den überzeugenden 90:74 (49:38)-Erfolg ihrer Lieblinge gegen die Bayern.

Taylor und Kikanovic mit je 16 Punkten beste Schützen

„Für mich ist das ein Sieg wie jeder andere“, meinte Albas Akeem Vargas. „Aber ich weiß, dass er unseren Fans sehr, sehr viel bedeutet.“ Viele ehemalige Spieler und auch Trainer, die einst bei Alba waren, stehen inzwischen bei Bayern unter Vertrag. Entsprechend groß ist die Rivalität. „Die Fans waren heute besonders enthusiastisch“, meinte Jordan Taylor, mit 16 Punkten ebenso bester Berliner Werfer wie Elmedin Kikanovic. Albas Trainer Sasa Obradovic strahlte: „Es war eine Botschaft und eine Demonstration.“

Alba bleibt Tabellenführer mit nun acht Siegen aus acht Spielen. Als einzige Mannschaft sind die Berliner ungeschlagen. „Wir sind konstanter als noch vor Wochen“, stellte Niels Giffey fest. Jetzt wollen die Berliner am Dienstag im Eurocup gegen Ludwigsburg (19.15 Uhr, Mercedes-Benz Arena) nachlegen. In Ludwigsburg haben die Berliner im Hinspiel in dieser Saison ihre bisher einzige Niederlage kassiert.

Kings Dreier von der Mittellinie ist schon das Eintrittsgeld wert

Nach der Gedenkminute für die Opfer der Terroranschläge von Paris passierte das, wovor Pesic gewarnt hatte. Die Münchner sahen sich einem unglaublichen Verteidigungsdruck der Berliner ausgesetzt. Nach zwei Minuten und drei Sekunden nahm der Bayern-Coach eine Auszeit. 8:0 stand es für Alba – und die Schimpftiraden von Pesic waren angemessen. „Meine Mannschaft war nicht bereit“, polterte der Trainer, der zwischen 1993 und 2000 in Berlin große Erfolge gefeiert hatte. „Albas Sieg ist natürlich verdient.“

Es war den Münchnern anzumerken, dass ihnen in Dusko Savanovic ihr Bester in den vergangenen Spielen wegen einer Knieverletzung fehlte. Auch Obradovic gab zu: „Ohne Savanovic ist das eine andere Mannschaft.“ Nach sechs Minuten stand es für die konzentriert auftretenden Berliner 16:7, dieser Neun-Punkte-Vorsprung hatte auch nach dem ersten Viertel Bestand. Wobei das 24:15 durch einen Dreier mit der Schlusssirene von Alex King allein schon das Eintrittsgeld wert war. Der Kapitän warf kurz vor der Mittellinie aus der eigenen Hälfte – und der Ball senkte sich auf wundersame Weise in den Korb. Die Schiedsrichter bemühten noch den Videobeweis, um sich zu vergewissern, dass der Ball auch vor der Sirene die Hand verlassen hatte. Alles war korrekt.

Pesic ist sauer auf seinen jammernden Center Bryant

In den ersten zehn Minuten hatten die Münchner sich bereits neun Ballverluste (insgesamt 20) geleistet, gerade diese Schwäche wurde von Alba oft genutzt. Zwar passten die Bayern nun etwas besser auf, aber Alba war trotz einiger zu überhasteter Aktionen und etlicher verworfener Freiwürfe (nur 64 Prozent) nicht aufzuhalten. Basierend auf einer konsequenten Defensive und guter Rebound-Arbeit (39:29) baute Alba die Führung bis auf 15 Punkte (47:32/18. Minute) aus. Doch abschreiben wollte die Bayern beim 49:38 zur Halbzeit noch niemand.

Gleich nach dem Wechsel machte Alba viele Fehler. Zumindest hatten die Berliner Glück, dass München auch nicht traf und sich der völlig indisponierte Center-Riese der Bayern, John Bryant, nach 22 Minuten das dritte Foul abholte und ausgewechselt wurde. Pesic war sauer über ihn: „Er hat mehr geweint als gespielt.“ Alba erholte sich: 66:53 nach dem dritten Viertel.

Münchens Trainer holt sich ein technisches Foul ab

Obradovic hatte viel gewechselt, die Intensität hoch gehalten. „40 Minuten lang haben wir Druck gemacht“, so Giffey. Münchens bester Werfer, der Amerikaner K.C. Rivers (17), kassierte sein fünftes Foul (34.) und musste raus. Das war das Signal für Alba und seine Fans unter den 14.052 Zuschauern in der Halle am Ostbahnhof: Die Arena bebte, als King viereinhalb Minuten vor Schluss zum 83:64 vollendete. Pesic bekam noch ein technisches Foul, der Coach war bedient. Es war diesmal keine schöne Rückkehr für ihn.