Fehlende Konstanz

Alba Berlin und die Achterbahnfahrt

Der aktuelle Alba-Jahrgang glänzt vor allem durch instabile Leistungen. Dafür besitzt er eine nicht ganz unwichtige Eigenschaft.

Berlin.  Aito Garcia Reneses, der Trainer von Herbalife Gran Canaria, wählte den leichtesten Weg bei der Ursachenforschung: „Im dritten Viertel hat Alba Fouls begangen, Fouls, Fouls, Fouls – und die Schiedsrichter haben nicht gepfiffen.“ Das, so der 68-jährige Coach, sei entscheidend für den 84:71-Sieg von Alba gegen seine Mannschaft gewesen.

Eine Sichtweise, die von den täglich erscheinenden Sportzeitungen in Spanien sicherlich dankbar aufgegriffen wird, die aber nicht den Tatsachen entspricht. Denn der Einfluss der Unparteiischen war am Mittwochabend in der Mercedes-Benz Arena nicht spielentscheidend. Eher dies: „Wir sind voller Energie aus der Kabine gekommen, nachdem wir uns dort gegenseitig richtig gepuscht haben“, berichtete Alba-Kapitän Alex King.

Zu erwarten war dieser schier unglaubliche Umschwung eher nicht. „Kopflos, taktisch unreif, ohne Plan“, so bezeichnete Albas Geschäftsführer Marco Baldi das, was die Mannschaft in den ersten 20 Minuten ablieferte. All das war nach der Pause auf einmal ganz anders, gepaart mit „Herz, Wille und Leidenschaft“ (Baldi).

Zwischen sehr gut und ungenügend

Die Zuschauer wurden mitgenommen auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen. „So extrem erlebt man das selten“, meinte Baldi. Doch der Sieg, der Alba nach drei Erfolgen in vier Spielen beste Chancen aufs Weiterkommen sichert, kann gut als Spiegelbild dessen dienen, was den Alba-Jahrgang 2015/2016 zum jetzigen Zeitpunkt ausmacht. In Schulnoten ausgedrückt: Zwischen sehr gut und ungenügend ist alles binnen kurzer Zeit möglich.

„Wir sind noch viel zu inkonstant“, stellte King richtigerweise fest. Wobei ein Satz seines Kollegen Akeem Vargas absolut treffend ist: „Wir haben einen tollen Charakter, weil wir niemals aufgeben.“

„Viel Arbeit“ hätten er und die Spieler noch vor sich, weiß Trainer Sasa Obradovic. Er lässt sich von neun Siegen in zehn Pflichtspielen nicht blenden. Vor allem die beiden recht unerfahrenen Spielmacher, Will Cherry, 24, und Jordan Taylor, 26, müssen noch lernen, kühlen Kopf auch in kniffligen Situationen zu bewahren. „Das braucht alles seine Zeit“, so King. Es geht Schlag auf Schlag: In Bonn (Sonntag), in Brindisi (Mittwoch) und daheim gegen Bayern München (So., 15.11.) lauten die nächsten Herausforderungen. Die Aufgaben werden immer schwieriger.