Basketball

„Ich wollte so viel Geld verdienen wie möglich“

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Dietmar Wenck
Großer Mann: Kresimir Loncar (l.) erlebt in Berlin so etwas wie eine zweite Jugend, weil er fasziniert ist von der Arbeitswut seiner Kollegen

Großer Mann: Kresimir Loncar (l.) erlebt in Berlin so etwas wie eine zweite Jugend, weil er fasziniert ist von der Arbeitswut seiner Kollegen

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Kresimir Loncar ist durch Basketball wohlhabend geworden. Dass er bei Alba Berlin unterschrieb, hat aber andere Gründe.

Berlin.  Welche Mundart darf es denn sein? Kresimir Loncar kann in perfekter Ausführung seine Heimatsprache Kroatisch, Russisch und Englisch anbieten. Nicht ganz perfekt Italienisch und Spanisch. Wenn der 2,10 Meter große Loncar sich nicht zieren würde, hätten wir dieses Interview auch auf Deutsch führen können, denn der 32-Jährige versteht selbst da fast jedes Wort. Der Profi von Alba Berlin zieht aber doch den typischen Basketball-Slang vor, also ein Gespräch auf Englisch über Deutschland, Familie, russische Freundschaften und die Begeisterung für sein neues Team.

Berliner Morgenpost: Herr Loncar, als Sie mit 16 Jahren Kroatien verließen, spielten Sie zuerst in Würzburg. Dann folgten Italien, die Ukraine, Russland, zuletzt Spanien. Schließt sich mit Alba Berlin Ihr persönlicher Kreis?

Kresimir Loncar: Man kann es so sehen. Meine Frau ist Deutsche, wir haben uns damals in Würzburg kennengelernt. Meine Kinder, sie sind dreieinhalb Jahre und neun Monate alt, haben einen deutschen Pass. Für mich ist Deutschland wie eine zweite Heimat. Ich würde meine Karriere gern hier beenden, auch deutsche Papiere bekommen, einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Berlin passt perfekt zu mir und meiner jetzigen Situation.

Wie verliefen die ersten Wochen?

Gut. Obwohl ich ja erst dazukam, als die Mannschaft sonst schon komplett war. Ich kannte niemanden. Und zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich selbst einen Vertrag ausgehandelt und unterschrieben, ganz ohne Agent. Das war etwas fremd für mich, andererseits bin ich lange genug im Geschäft. Von der Stadt habe ich noch nicht viel gesehen. Wenn ich mal Zeit habe, verbringe ich sie lieber mit meinen Kids.

Mit wem haben Sie noch Kontakt?

Ich war kaum in Berlin, da hat Drago Vukovic mich angerufen. Ich kannte ihn gar nicht, aber er sagte: Wenn du irgendwelche Hilfe brauchst, wende dich an mich. Das fand ich sehr nett von ihm.

Das ist ein Handballspieler der Füchse Berlin. Ist es üblich, dass sich Kroaten so untereinander helfen im Ausland?

Ja, das ist so. Aber nicht nur Kroaten, genauso Bosnier oder Serben. Da machen wir keinen Unterschied.

Sie erwähnten Ihre Familie. War sie der Hauptgrund, nach Berlin zu kommen?

Natürlich habe ich einen guten Platz für sie gesucht. Ich freue mich, dass meine Tochter einen guten Kindergarten gefunden hat. Was mir hier gefällt: In Berlin interessieren sich die Leute nicht sonderlich dafür, wer du bist, was du hast. Sie sind einfach freundlich.

Sie haben zwei Jahre in der Ukraine und acht Jahre für russische Klubs gespielt. War es dort anders?

Dort sind Statussymbole viel wichtiger. Autos, Kleidung. Aber auch dort hatten wir ein gutes Leben und viele Freunde.

Ihre Familie war immer dabei? Und wie war das mit Freundschaften? Man hört oft von Spielern aus dem Westen, dass sie dort Heimweh haben, dass es schwer sei, mit den Russen warm zu werden.

Meine Frau war anfangs so oft es ging bei mir, zuletzt in Kasan und Moskau haben wir zusammengelebt. Was die Russen angeht, gibt es zwei Dinge. Zuerst musst du ihre Sprache lernen, dann hast du gleich ein anderes Ansehen. Aber ist das nicht auf der ganzen Welt so? Und hast du erst einen Freund gefunden, ist es echte Freundschaft für das ganze Leben.

Wie gefällt Ihnen Ihr jetziges Team?

Sehr gut, vor allem fällt mir eines auf: Alle arbeiten wie die Verrückten. Ich muss aufpassen, dass ich mein Level halte, sonst darf ich nicht mehr mitspielen (lacht). Im Ernst, es freut mich, wenn Ismet (Akpinar, d.Red.) oder andere Jungs gut spielen, ich bin fasziniert von ihrer Arbeitsethik. Mag sein, dass andere talentierter sind. Aber ich glaube fest daran, wenn jemand jeden Tag hundert Prozent gibt, wird eines Tages etwas Gutes geschehen. Dazu ist Sasa Obradovic ein sehr guter Coach; er wird die Teile zusammensetzen. Eines ist sicher, wir werden ein unangenehmer Gegner sein. Für jeden!

Mit 16 Jahren sind Sie aus Split in die Welt hinausgezogen, also waren Sie jetzt 16 Jahre auf Achse. Was war der Antrieb?

Ich komme aus einfachen Verhältnissen und wollte etwas aus meinem Talent machen. Mit dem Sport konnte ich das verwirklichen, für mich und meine Familie. Ich hatte Glück, bin immer mindestens zwei Jahre an einem Ort geblieben. Russland war für mich faszinierend in verschiedener Hinsicht. Ich habe viel erlebt und hätte Notizen machen sollen, dann könnte ich heute ein Buch schreiben. Ich habe viel Geld verdient, aber keinen Druck gehabt, weder vom Klub noch von den Fans. Es gibt großen Reichtum, unglaubliche Restaurants und Clubs, aber auch viel Armut, kaum eine Mittelschicht. Einmal wurden mir zur Behandlung medizinische Blutegel angesetzt. Verrückt, aber ich möchte die Erfahrungen nicht missen. Du musst schon hart sein und wissen, warum du es machst. Bei mir war es das Geld, ich wollte in meiner Karriere so viel verdienen wie möglich. Ich teile nicht die Meinung der Leute, die sagen: Wenn du aufhörst, zählen die Titel, die du gewonnen hast. Das ist Quatsch. Davon kannst du später nicht leben, nur von dem Geld, dass du verdienst.

Sie hätten auch jetzt noch anderswo mehr kassieren können. Warum also Berlin?

Weil Geld inzwischen nicht mehr meine erste Priorität ist. Ich habe in meiner Karriere mehr als genug verdient. Es ging mir jetzt nicht um den am besten dotierten Vertrag. Ich wollte auch meiner Frau und meiner Familie etwas zurückgeben und mit ihr an einem Ort sein, wo wir ein schönes Leben führen können. Meine Frau ist immer meiner Karriere gefolgt, obwohl wir noch gar nicht verheiratet waren, sie hat mir vertraut. Aber machen Sie sich keine Sorgen, dass ich zum Relaxen hier bin. Wenn du siehst, wie die jungen Spieler jeden Tag schuften, dann motiviert es dich, das auch zu tun. Ich erlebe gerade so etwas wie eine zweite Jugend.

Wann werden Sie Deutsch sprechen?

Ich ermuntere meine Frau, mit mir Deutsch zu sprechen, es wird besser und besser. Außerdem nervt mich die Vorstellung, dass meine Kids sich unterhalten und ich verstehe nicht, was sie sagen. Also: Das nächste Interview führen wir auf Deutsch.