Die beiden kennen sich seit drei Jahren. Damals standen sie sich mit ihren College-Teams in den USA gegenüber. Will Cherry für Montana, Jordan Taylor für Wisconsin. „Zweimal haben wir sie vernichtend geschlagen“, erinnert sich Jordan und schaut genüsslich in die Runde. „Ich möchte darüber nicht sprechen“, erklärt Cherry mit ernster Miene. Dann prusten beide los.
Inzwischen spielen sie nicht mehr gegen-, sondern miteinander bei Alba Berlin. Cherry und Taylor, die beiden neuen Spielmacher beim Basketball-Bundesligisten. Und, so viel steht schon jetzt fest, die neuen Stimmungskanonen im Team.
„Wir haben gerne Spaß“, sagt Jordan, um jedoch gleich nachzuschieben: „Aber der Trainer passt schon auf, dass es nicht zuviel wird.“ Überhaupt Sasa Obradovic, ihr neuer Coach. „Er stellt immer hohe Anforderungen“, hat Taylor schnell festgestellt. „Der Trainer gibt immer 100 Prozent, um 101 Prozent aus den Spielern rauszuholen“, sagt Cherry.
Einst spielten beide am College gegeneinander
Aus Cherry und Jordan ist noch viel rauszuholen, da ist sich Obradovic sicher. „Sie haben viel Talent und Qualität.“ Aber für sie gilt wie für das gesamte Team: „Es ist noch ein weiter Weg.“
Die erste kleine Etappe war schon einmal ein großer Erfolg: Zwei Spiele in der Bundesliga, zwei Siege gegen Ulm und Bayreuth, jeweils mit 20 Punkten Differenz. „Das gibt uns Selbstbewusstsein“, sagt Taylor, der am Sonntag gegen Bayreuth mit 17 Punkten, sechs Rebounds und sechs Assists der Beste war. Drei Tage zuvor war Will Cherry gegen Ulm mit 17 Zählern, fünf Rebounds und zwei Korbvorlagen überragend. Die beiden US-Amerikaner sind an ihrem neuen Arbeitsplatz angekommen.
„Leicht gemacht“ wurde ihnen die Eingewöhnung, sagt Taylor. Vor allem Kapitän Alex King, aber auch die anderen deutschen Spieler hätten ihnen, den Neuankömmlingen, sehr geholfen.
Auf Taylor, 26, und Cherry, 24, die beide 1,85 Meter groß sind, lastet große Verantwortung. Sie müssen das Spiel organisieren, auf sie kommt es besonders an. Und da Obradovic bekanntlich selbst einst ein Weltklasse-Spielmacher war, hat er auf Leute, die diese Position bekleiden, immer ein besonderes Auge.
Trainer Obradovic hat besonderes Auge auf sie
„Sie sind Schlüsselspieler“, erklärt der Serbe. „Will hat viel Selbstbewusstsein, nachdem er zuletzt zwei Titel gewonnen hat“, so der Coach. Erst holte Cherry die litauische Meisterschaft mit Zalgiris Kaunas, dann war er in der NBA-Summerleague mit den San Antonio Spurs erfolgreich.
„Jordan beobachte ich, seit wir im Eurocup gegen Rom gespielt haben, seitdem wollte ich ihn“, erinnert sich Obradovic. Im Herbst 2013 unterlagen die Berliner gegen Virtus Rom mit einem starken Jordan Taylor. Bei Alba hat er einen Zweijahresvertrag erhalten.
Seine Karriere bekam während der Zeit in der italienischen Hauptstadt jedoch einen Knick. Er zog sich eine Hüftverletzung zu und fiel monatelang aus. „Eine ganz schwierige Zeit“ sei das gewesen, erzählt er. Danach musste er einen großen Schritt zurückgehen und unterschrieb für ein Jahr beim eher unbekannten israelischen Klub Hapoel Holon. Alba war dann die nächste Station. Sein Plan: „Ich hoffe, ich kann einer der Anführer im Team sein.“
Cherry bestritt acht NBA-Spiele an der Seite von LeBron James
Cherry, von Alba für ein Jahr unter Vertrag genommen, ist einer von den US-Profis, die immer wieder mit einem Engagement in der NBA liebäugelten und dies auch weiterhin tun. Während seiner College-Zeit machte der junge Mann allerdings auch einmal negative Schlagzeilen, als er mit einigen Kumpels eine Nacht im Gefängnis zubringen musste; sie waren zu später Stunde unangenehm in der Öffentlichkeit aufgefallen.
Im Herbst 2014 spielte er – an der Seite von LeBron James – in der NBA acht Mal für die Cleveland Cavaliers, wechselte dann aber nach Litauen.
Was ist jetzt besonders wichtig? „Sie müssen die Balance finden zwischen Improvisation und konservativem Spielen der System“, fordert Geschäftsführer Marco Baldi. Das sollten die beiden Spaßvögel sehr ernst nehmen.





