„Wir dürfen uns nicht blenden lassen“, hatte Sasa Obradovic, der Trainer von Alba Berlin, nach dem 74:54-Auftaktsieg gegen Ulm erklärt. Der Coach sollte zumindest teilweise Recht behalten, weil drei Tage nach dem fulminanten Auftritt gegen die Schwaben Alba diesmal mehr kämpfen musste. Doch am Ende stand auch am Sonntagnachmittag in der Mercedes-Benz Arena ein klares 97:77 (49:42) gegen Medi Bayreuth.
Bester Werfer bei den Berlinern war Jordan Taylor mit 17 Punkten, Mitchell Watt kam auf zwölf. „Als es eng wurde, haben wir unsere Würfe super getroffen“, meinte Taylor. Und sein Kollege Jonas Wohlfarth-Bottermann freute sich: „Das ist doch ein gelungener Saisonauftakt.“
Nichts ging zu Beginn leicht von der Hand, jeder Punkt musste hart erkämpft werden. Und auch Obradovic sucht noch. Was sich in vielen Wechsel schon in der Anfangsphase zeigte: Wer passt mit wem zusammen? Nach etwa fünf Minuten hatte sich Alba dann aber doch etwas frei gespielt. Taylor und Will Cherry auf der Aufbauposition bekamen das Spiel zumindest für einige Minuten unter Kontrolle. Der Lohn war eine Führung, die bis zur zwölften Minute auf 15 Punkte anwuchs (28:13). Aber gerade in einem Moment, in dem alles gut zu laufen schien, zeigte sich, wie viel Arbeit der Alba-Jahrgang 2015/16 noch vor sich hat. Es ist zu diesem frühen Saisonzeitpunkt nicht verwunderlich, dass viele Mechanismen noch nicht greifen und das Niveau noch Achterbahn fährt.
Erste Halbzeit nicht zufriedenstellend
Entsprechend lautstark war Obradovic an der Außenlinie unterwegs, während die ruhig spielenden Bayreuther Punkt um Punkt aufholten. Bis auf fünf Zähler (40:35/18. Minute) kam das Team von Trainer Mike Koch heran. In der Defensive ließ Alba im zweiten Viertel die nötige Aggressivität vermissen. Die Quittung waren 31 Bayreuther Punkte in zehn Minuten. Obradovic wird zur Halbzeit (49:42) in der Kabine einiges zu sagen gehabt haben. „Er hat uns auf unsere Fehler aufmerksam gemacht“, so Taylor.
Der Vorsprung schmolz noch auf drei Punkte (51:48), doch das war wie ein Weckruf für die Alba-Profis. Zwei Dreier von Alex King, einer von Ismet Akpinar (ihm schenkt Obradovic immer mehr Vertrauen) und vier Punkte von Taylor sorgten für ein beruhigendes 64:48 (27.). Dem Tief war vor den wiederum nur 8340 Zuschauern ein umjubeltes Hoch gefolgt – und der Widerstand der Franken gebrochen.
Nachdem sie in schwieriger Situation erfolgreich Lösungen gefunden hatten, kam bei den Berlinern auch wieder eine gewisse Sicherheit zurück. Aber noch ist das Gebilde fragil. „Sobald ein Knick in unser Spiel kommt, haben wir Probleme“, erkannte Geschäftsführer Marco Baldi. Aber diese Probleme wurden diesmal souverän gelöst. Der Rest war bei unter den Gesängen der Fans ein Schaulaufen. Insgesamt trafen elf der zwölf Spieler, auch eine seltene Quote.




