Vier Stunden vor dem ersten Saisonspiel gab es bereits eine gute Nachricht: Alba Berlin verstärkt sich mit Kresimir Loncar, 32. Ein Mann, dessen Name im europäischen Basketball einen sehr guten Klang hat, am Donnerstagabend allerdings noch nicht seine neue Mannschaft beim zumindest bis zur Pause berauschenden 74:54 (46:24) zum Bundesligastart gegen Ratiopharm Ulm beobachten konnte. Er hat etwas versäumt. Die Vorstellung der Berliner machte gleich Lust auf mehr. Bereits am kommenden Sonntag (17 Uhr) steht in der Mercedes-Benz Arena das nächste Heimspiel gegen Bayreuth auf dem Programm.
Der Kroate Loncar dürfte dann noch nicht dabei sein. Er unterschrieb am Donnerstagnachmittag zwar einen Vertrag für ein Jahr, reiste danach aber zurück in seine Heimat. „Er kann uns mit seiner Erfahrung sehr helfen“, erklärte Albas Trainer Sasa Obradovic. „Wir haben ja dringend noch einen Spieler benötigt.“ Erst sechs Tage vorher hatte der Klub den Vertrag mit Ivan Aska aufgelöst, der nach einigen Wochen Vorbereitung als nicht tauglich genug befunden wurde.
Von den Zugängen überzeugen vor allem Cherry und Kikanovic
Loncar, der bei einer Größe von 2,10 Meter sowohl als Power Forward als auch als Center spielen kann, ist nun der siebte Zugang bei den Berlinern und der mit Abstand prominenteste. „Er hat zahlreiche Titel gewonnen und war ein Führungsspieler bei großen Teams“, so Obradovic, der sich sicher ist: „Er wird nicht lange brauchen, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen.“
Die Bundesliga – hier begann einst die Profikarriere Loncars, der im Jahr 2000 als 16-Jähriger für zwei Jahre nach Würzburg wechselte. „Es ist ein Comeback in der Bundesliga“, sagte Loncar, der sich erinnerte: „Damals habe ich noch gegen Sasa Obradovic gespielt.“ Der heutige Alba-Coach trug in der Saison 2001/2002 das Trikot von RheinEnergie Köln.
Benetton Treviso, Teramo Basket (beide Italien), BK Kiew (Ukraine), Lokomotive Rostow, Unics Kasan und BK Chimki (alle Russland) hießen weitere Stationen des Kroaten. In der vergangenen Saison stand Loncar bei Valencia Basket (im Schnitt 8,1 Punkte, 2,7 Rebounds) unter Vertrag. Nationale Meisterschaften und Pokalsiege holte er mit Treviso, Kiew und Kasan, mit Chimki gewann er 2012 den europäischen Uleb-Cup.
Am Donnerstag standen aber erstmal seine künftigen Mannschaftskollegen im Fokus. Die mussten sich zunächst gedulden, denn organisatorisch gab es einen Fehlstart. Weil die Anzeigetafeln streikten, ging das Spiel erst mit 13 Minuten Verspätung los. Danach aber startete das neue Team mit Jordan Taylor, Elmedin Kikanovic, Mitchell Watt, Niels Giffey und Dragan Milosavljevic wie aufgedreht.
Eigentlich hatte man gedacht, dass die Schwaben (nur 15 Prozent Wurfquote in Hälfte eins) schon eingespielt sein müssten, hatten sie doch keinen Spieler zur EM abstellen müssen, während bei Alba ein Quartett lange fehlte. Aber davon war erst einmal nichts zu merken: Vor allem Will Cherry (17 Punkte) und Elmedin Kikanovic (13) konnten von den Neuen eindrucksvoll auf sich aufmerksam machen. Den Ulmern gelangen in den ersten zehn Minuten nur sechs Punkte. Die 7218 Zuschauer sprangen begeistert auf, als Alba nach einem Viertel 25:6 vorn lag. Welch ein Auftakt.
Coach Obradovic probiert viel – Debüt für Youngster Glöckner
In der Abwehr aggressiv und konsequent, in der Offensive – bis auf ein paar Abstimmungsprobleme – variantenreich: Bis auf 25 Punkte Differenz (46:21/19. Minute) wuchs die Führung der Berliner bis zur Pause an. Auch danach probierte Obradovic viel, um zu sehen, welche Aufstellungen am besten zusammenpassen.
Angesichts der hohen Führung und der vielen Wechsel war in der zweiten Hälfte etwas der Dampf raus, etliches ging daneben. Ulm kam bis auf 16 Punkte heran (61:45/34.) heran, doch in Gefahr geriet der Sieg nicht mehr. Im Gegenteil, Alba zog noch einmal an – und Youngster Robert Glöckner, 19, kam sogar zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. „Es war eine tolle Atmosphäre“, freute sich Cherry. „Wir sind gleich aggressiv rausgekommen, das war sehr wichtig.“ Niels Giffey meinte: „Wir haben hart gearbeitet und glauben an uns.“ Die Fans sangen schon mal: „Die Nummer eins im Land sind wir.“ Stimmt, zumindest für eine Nacht ist Alba Tabellenführer.




