„Wir wissen, warum wir verloren haben.“ Das Statement von Svetislav Pesic unmittelbar nach dem 55:81 seiner Münchner Bayern am Sonntag bei Alba Berlin beinhaltete zweierlei: Enttäuschung über die schwache Leistung seiner Spieler und eine Kampfansage, es an diesem Donnerstag (19.30 Uhr, Sport1) im zweiten Halbfinale um die deutsche Basketball-Meisterschaft richtig zu machen. Nicht nur Berlins Center Marko Banic schwant: „Wir erwarten eine ganz andere Bayern-Mannschaft. Sie sind ein viel besseres Team, als sie das am Sonntag gezeigt haben.“

Verärgert über zweite Chancen

Das mit 28:36 verlorene Rebound-Verhältnis war Pesic das größte Ärgernis: „Mit ihren zweiten Wurfchancen haben sie ihr Selbstvertrauen entwickelt, wir haben das nicht gut verteidigt.“ Er hätte seine Kritik beliebig erweitern können: eine um zehn Prozent schwächere Wurfquote aus dem Feld, sechs Ballverluste mehr, sechs Korbvorlagen weniger. Selbst die mäßige Freiwurfquote der Berliner (68,2 Prozent) unterboten die Münchner noch (66,7).

Gesagt hat der Bayern-Meistermacher es nicht, aber auch die nachlassende Intensität in der Verteidigung wird ihn gestört haben. Nachdem die Schiedsrichter nach zwei harten Attacken unsportliche Fouls gegen die Übeltäter verhängt hatten, ließ der Münchner Widerstand in dieser Beziehung nach. Alba geriet nie wirklich aus dem Rhythmus, gewann jedes einzelne Viertel. Nicht anzunehmen, dass der Titelverteidiger das noch einmal geschehen lässt. Zumal nun die Münchner vor eigener Kulisse antreten.

Der Heimvorteil macht einen großen Unterschied

„Das Heimrecht macht schon einen großen Unterschied“, sagt Alba-Nationalspieler Niels Giffey, „und nun haben die Bayern diesen psychologischen Vorteil.“ Der nicht zu leugnen ist: 19 Vergleiche gab es zwischen beiden Teams seit der Bayern-Rückkehr in die BBL 2012. Davon gewann Alba elf (neun Heimsiege), die Bayern acht (sechs). Zwar hat die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic schon zweimal im Audi Dome gewonnen, aber nie im Play-off. Andersherum verließen die Pesic-Schützlinge die O2 World zweimal als Sieger – zuletzt feierten sie dort ihre erste Meisterschaft seit 1955.

Zahlenspiele. Wichtiger im Play-off sind andere Dinge: Gesundheit, Selbstvertrauen, das so genannte Momentum. Das haben momentan die Berliner auf ihrer Seite, bei denen just im richtigen Augenblick auch die zuvor schwächelnden Reggie Redding und Jamel McLean in Spiel eins zu großer Form aufliefen. „Wenn wir weiter mit Einsatz und Leidenschaft spielen und unsere Würfe treffen, sind wir schwer zu schlagen“, sagt deshalb Redding. Man darf vermuten: Das ist auch Svetislav Pesic klar.

diw