Basketball

Alba deklassiert Bayern im ersten Halbfinal-Duell

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Sebastian Arlt

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin und Bamberg sind mit deutlichen Siegen in das Halbfinale der Basketball-Bundesliga gestartet. Dabei setzte Alba gegen den Titelverteidiger FC Bayern ein deutliches Zeichen.

Die Körpersprache der Beteiligten sagte alles. Hier die Basketballprofis von Alba Berlin, die nach dem 81:55 (39:26) gegen Bayern München mit einem Lächeln die Kabine in Richtung Vip-Raum verließen. Mit federndem Schritt wie Center Jamel McLean, mit 14 Punkten neben Reggie Redding (ebenfalls 14) bester Berliner Werfer.

Den Münchnern hingegen schien auf dem Weg zum Bus jeder Schritt schwer zu fallen. Dusko Savanovic, sonst ein verlässlicher Schütze, der am Sonntag aber nur ein einziges Pünktchen erzielte, humpelte von dannen. „Alba war besser und immer einen Schritt schneller als wir“, gab Bayern-Spielmacher Heiko Schaffartzik zu. Der gebürtige Berliner und ehemalige Alba-Spieler sah „nichts bei uns, was heute gut war“.

Das war der große Unterschied: Bei Alba war im ersten Play-off-Halbfinalspiel gegen den Titelverteidiger fast alles gut. Es war das 67. Pflichtspiel in dieser Saison für die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic, aber nur ganz selten gelang es dem Team so wie diesmal, fast 40 Minuten lang Konzentration und Intensität hoch zu halten. Vom immer wiederkehrenden Alba-Loch, wenn bei den Berlinern irgendwann während einer Partie minutenlang nichts geht, war nichts zu sehen. Im Gegenteil: Es war schon fast unheimlich, welche Dominanz die Berliner zeigten. „Jeder hat einen sehr guten Job gemacht“, lobte Obradovic. „Nur 55 Punkte von den Bayern zu bekommen, das ist großartig.“

Jamel McLean (33) und Jannik Freese (35) im Alba-Talk:

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Alba mit vollem Einsatz

Von Beginn an war Alba voll da, in dem sehr intensiven, harten, aber nie wirklich unfairen Spiel waren die Bayern lediglich bis zum 8:8 dran. Dann sahen die Alba-Fans unter den 10.345 Zuschauern in der O2 World ein Berliner Team, das sich nicht aufhalten ließ. Schöne Kombinationen, erfolgreiche Distanzwürfe (allein Niels Giffey erzielte drei Dreier), Überlegenheit bei den Rebounds (36:28), nur zehn Ballverluste – eine starke Vorstellung. „Bayern spielte sehr physisch“, meinte Redding, „aber wir waren noch physischer.“ Da blieb Münchens Coach Svetislav Pesic, einst bei Alba einer der Baumeister, nur die Erkenntnis: „Bei uns war das Basketball-ABC nicht vorhanden.“

Wieder war die Defensive das Prachtstück bei Berlin. Im ersten Viertel wurden dem Meister beim 18:9 nur neun Punkte erlaubt, ein schier unglaublicher Wert. 21:9 (11. Minute), 43:28 (22.) und 55:34 (27.) lauteten weitere Stationen. Die höchste Führung überhaupt betrug 28 Zähler beim 79:51 (38.) durch Jonas Wohlfarth-Bottermann.

„Kein Grund zur Euphorie“

Mit 26 Punkten Differenz den Meister deklassiert. Das ist eine starke Ansage. Doch es gilt der Satz von Albas Geschäftsführer Marco Baldi: „Kein Grund zur Euphorie.“ Wohlfarth-Bottermann sagte zu recht: „1:0, dafür können wir uns noch nichts kaufen.“ Aber es war ein hervorragender Anfang der Best-of-five-Serie, in der man drei Siege zum Einzug ins Finale benötigt. Spiel zwei findet am Donnerstag in München (19.30 Uhr, Sport1) statt. In Berlin sieht man sich am kommenden Sonntag (O2 World, 16 Uhr) wieder.

„Die Bayern werden in München ganz anders auftreten“, war sich Baldi sicher. Alba wird wieder eine Topleistung bringen müssen. Denn oft genug haben die Münchner in der für sie bisher alles in allem enttäuschenden Saison gezeigt, dass die Ausschläge bei ihnen ganz extrem sind. „Keine Ahnung“, meinte Schaffartzik nur auf die Frage nach dem Grund für die starken Schwankungen. Für ihn war nur klar: „Im nächsten Spiel müssen wir alles besser machen.“ Auch Pesic kann beim Thema Leistungseinbrüche nur mit der Schulter zucken.

Bei Alba lässt sich niemand blenden. „Richtig schwer“, so Redding, werde es am Donnerstag. „Die Bayern traue ich es als einzigem Team zu, dass sie auf Knopfdruck eine ganz andere Leistung abrufen können. Sie haben einfach Qualität und viel Erfahrung“, meinte Baldi. Als Beleg dafür führte er die Viertelfinalserie der Münchner gegen Frankfurt an. Nach einer Klatsche bei den Hessen in Spiel zwei kamen die Münchner in den beiden folgenden Partien souverän zurück.

Neue Energie freigesetzt

Augenscheinlich war die Frische des Berliner Teams. Die vielen Spiele in der Bundesliga, in der Europaliga und im deutschen Pokal schienen die Berliner im Play-off-Viertelfinale gegen Oldenburg, trotz des 3:0, noch etwas zu lähmen. Nun sind die Alba-Profis nicht einem Jungbrunnen entstiegen, aber neun spielfreie Tage zwischen Partie drei gegen Oldenburg und dem ersten Aufeinandertreffen mit den Bayern haben neue Energie freigesetzt. Eine solch lange Pause hat es in dieser Saison seit dem Start am 27. September 2014 mit einem Sieg im Champions Cup gegen die Bayern nicht mehr gegeben.

„Diese Woche war sehr wichtig“, meinte Albas Sportdirektor Mithat Demirel. „Gegen Oldenburg hat noch die mentale Frische gefehlt.“ Seine Theorie: „Der Körper folgt dem Kopf.“ Und dieses Zusammenspiel klappte am Sonntag besonders gut bei McLean und Redding. Gerade diese beiden schienen zuletzt etwas im Leistungstief. McLean, von der Bundesliga zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt, hatte nach einer Oberschenkelverletzung und der damit verbundenen wochenlangen Pause nicht mehr an seine starken Leistungen davor anknüpfen können. Redding wirkte müde und überspielt.

„Jetzt sind sie wieder entschlossener“, freute sich Baldi. „Sie haben so gespielt, wie wir uns die beiden wünschen.“ Wie sagte Schaffartzik so schön: „Alles im Leben ist Kopfsache.“