Basketball

Nihad Djedovic ist in seine erste Heimat zurückgekehrt

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Sebastian Arlt

Foto: Lukas Schulze / picture alliance / dpa

Der Basketballprofi vom FC Bayern ist in München aufgewachsen, bevor er nach Bosnien umsiedelte. Nach Stationen bei Klubs in Städten wie Barcelona, Rom, Istanbul und Berlin spielt er jetzt wieder in München.

Nihad Djedovic ist sich sicher, was passieren wird. „Jedes Spiel wird hart sein und bis zur letzten Sekunde offen“, sagt der Basketballprofi von Bayern München. So wie immer, wenn sich die Bayern und Alba Berlin gegenüberstehen. „Egal, ob das nun in der Punkterunde oder im Play-off ist“, sagt der Flügelspieler, der beide Seiten kennt. In der Saison 2012/2013 trug er noch das Trikot von Alba, bevor er im Sommer 2013 zu den Bayern wechselte. Dieses Aufeinandertreffen der beiden Rivalen habe sich, so Djedovic, „zu einem Derby entwickelt, das allmählich Tradition wird“. Auch wenn es erst die 19. Auflage dieses Highlights ist, seit die Münchner 2011 in die erste Liga aufgestiegen sind.

Voller Emotionen sind die Duelle immer gewesen. Man denke nur an die Finalserie in der vergangenen Saison (3:1 für München). Entsprechend wird es auch am Sonntag sein, wenn sich die beiden Teams im ersten Play-off-Halbfinale in der O2 World (Beginn 17 Uhr, Sport1) gegenüberstehen. Waren die Spiele in der Vergangenheit oft mit einem Ballyhoo und verbalen Scharmützeln verbunden, ging es diesmal vorher ruhiger zu. Man hat Respekt voreinander, damit hat sich’s. „Ohne Duelle wie Bayern gegen Alba wäre die Bundesliga wie Suppe ohne Salz“, erklärt Bayern-Coach Svetislav Pesic, einer der vielen im Trainerstab, Management und Spielerkader von Titelverteidiger Bayern, die einst in Berlin arbeiteten.

Die Münchner sind sich ihrer Stärke bewusst. „Wir haben uns gefunden und spielen jetzt konstanter“, sagt Djedovic. „Im Nachhinein“, so Sportdirektor Marko Pesic, der Sohn von Svetislav, habe der Mannschaft die klare Niederlage im zweiten Viertelfinalspiel in Frankfurt „gut getan“. Sozusagen als Weckruf, sich noch mehr zu konzentrieren. Aber auch er sieht, wie Djedovic, bei der Mannschaft eine klar aufsteigende Formkurve zur rechten Zeit.

Denn es gilt eine Saison zu retten, die für die Bayern bisher nicht befriedigend war. In der Europaliga bereits in der Vorrunde nach nur zwei Siegen in zehn Spielen gescheitert, im Eurocup anschließend gegen Valencia im Achtelfinale untergegangen (60:94, 58:80), im deutschen Pokal im Viertelfinale gegen Alba ausgeschieden, mit Rang drei nach der Punkterunde nicht wie im Vorjahr Platz eins mit Heimvorteil bis zu einer eventuellen Finalserie erreicht.

Am Sonntag treffen sich die alten Rivalen Alba und Bayern

Wie ein roter Faden zogen sich die Verletzungsprobleme der Münchner durch die Saison. „Fast jeder von uns war mal längere Zeit verletzt“, sieht Djedovic den Hauptgrund dafür, dass sein Team lange keinen Rhythmus fand. Auch der 25-Jährige fiel von Anfang Februar an wegen einer Armverletzung sechs Wochen lang aus. „Jetzt bin ich hundertprozentig fit – und mein Selbstbewusstsein ist wieder zurück“, sagt er. Mit der Rückkehr des Topscorers (im Schnitt 15,3 Punkte) scheint sich die ganze Mannschaft stabilisiert zu haben.

„Er ist eine herausragende Persönlichkeit und ein Teamspieler“, lobt Marko Pesic. „Er lebt nicht von, sondern für den Basketball.“ Trotz seines jungen Alters hat Djedovic schon viel Erfahrung gesammelt. Nicht nur auf dem Feld. Im bosnischen Visegrad wurde er geboren, doch noch vor dem Balkankrieg, der kleine Nihad war da nur wenige Monate alt, zog seine Familie nach München, wo der Vater Arbeit gefunden hatte. Im Jahr 1997 kehrten sie in die Heimat zurück. Nihad wuchs in seiner Zeit in Deutschland zweisprachig auf, er besuchte in München noch die erste Klasse der Grundschule.

Djedovic galt als einer der Talentiertesten seines Jahrgangs in Europa. Als 16-Jähriger spielte er bereits im Profiteam von Bosna Sarajevo. Der FC Barcelona wurde auf ihn aufmerksam und nahm ihn 2007 für vier Jahre unter Vertrag. Seine Eltern und der sieben Jahre jüngere Bruder Nedim zogen gleich mit nach Barcelona. Aber es war ein steiniger Weg. Erst spielte er zwei Jahre lang in Barcas Farmteam, beim Drittligisten Cornella, dann wurde er ein Jahr an den Erstligisten Obradoiro ausgeliehen, ein weiteres Jahr war er danach an Lottomatica Rom ausgeliehen. In der folgenden Saison blieb er für einige Monate in Rom, Mitte der Saison 2011/2012 ging es zu Galatasaray Istanbul. Es folgten Alba und schließlich die Bayern.

Nihad Djedovic besitzt seit April 2015 einen deutschen Pass

Als „meine erste Heimat“ bezeichnet er München. Die sieben Jahre dort als Kind haben ihn geprägt. Um so mehr genießt er die Rückkehr in die bayerische Landeshauptstadt: „Es ist sehr schön, man kommt zurück und kennt alles. Vom ersten Tag an habe ich mich hier sehr wohl gefühlt.“

Seit April 2015 hat Nihad Djedovic jetzt auch einen deutschen Pass, den er von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann höchstpersönlich überreicht bekam. Beim Münchner Basketballklub fällt er nun nicht mehr unter das Ausländerkontingent. Eines ist für den Nationalspieler von Bosnien und Herzegowina allerdings klar: „Ich werde weiter für dieses Team spielen.“

Sein Bruder Nedim ist übrigens immer noch in Barcelona, er hat bei Barcas Basketballteam gerade einen Profivertrag unterschrieben. „Er wird seinen Weg gehen“, ist sich der große Bruder sicher. „Vielleicht wird er besser als ich, das Talent dafür hat er jedenfalls.“