Basketball

Basketballprofi Sven Schultze zwischen Wehmut und Vorfreude

Der ehemalige Publikumsliebling von Alba Berlin beendet im Trikot der Eisbären Bremerhaven am Donnerstag seine lange Karriere ausgerechnet in einem Spiel gegen Alba.

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Es ist nicht leicht für Sven Schultze. „Wehmut ist schon dabei“, sagt der Basketballprofi. Er hat mit sich gerungen, hat abgewogen – und sich dann schweren Herzens entschieden: Es ist Schluss. Wenn die Eisbären Bremerhaven, bei denen der 36-Jährige unter Vertrag steht, am Donnerstag (20 Uhr, O2 World) bei Alba Berlin antreten, wird dies sein letztes Spiel sein. Aus, vorbei, Karriereende. Was vor 20 Jahren in seiner Heimatstadt Bamberg begann, endet nun ausgerechnet dort, wo ihn die Fans wohl am meisten geliebt haben. In Berlin, in seiner zweiten Heimat, dort, wo er im eigenen Haus in Pankow mit Ehefrau Eva und den Kindern Nicola, 8, und Lilli, 6, nun richtig sesshaft werden wird.

„Ich habe keine Lust, weiter rumzutingeln. Das macht keinen Sinn“, sagt der Flügelspieler und gefürchtete Dreierschütze. „Es muss ja schließlich auch Spaß machen.“ Der Spaßfaktor hielt sich in der vergangenen Saison bei ihm in engen Grenzen. Er hatte Alba verlassen, weil er mehr als die durchschnittlich knapp sieben Minuten spielen wollte, die er in der Saison 2013/14 auf dem Feld stand. „Von der reinen Statistik her sieht es gar nicht schlecht aus.“ Knapp 17 Minuten waren es in den bisherigen 33 Ligaspielen. „Aber es ist so viel passiert.“

Der letztlich erfolgreiche Kampf gegen den Abstieg zum Beispiel, oder der Trainerwechsel während der Saison von Calvin Oldham zu Muli Katzurin. „Bei mir selbst lief es nicht richtig rund“, gibt er ehrlich zu. „Ich habe die Zeit auf dem Feld nicht so genutzt, um der Mannschaft zu helfen.“ Am Ende ging es für den Klub nur ums Überleben in der Liga. Auch da habe er sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. „Vielleicht hätte ich ein bisschen egoistischer sein sollen.“

Doch das ist nicht der Charakter von Sven Schultze. Alles geben fürs Team, das eigene Ego zurückstellen, voller Emotionen, mit Leib und Seele dabei, Mitspieler Handtuch schwingend anfeuern, austeilen und einstecken, nie aufgeben – dafür steht er. Eben das hat ihn in Berlin so beliebt gemacht, wo er erst zwischen 1998 und 2002 und dann später zwischen 2010 und 2014 bei Alba spielte. 292 Spiele, 880 Punkte. Vier Meistertitel und vier Pokalsiege hat der Nationalspieler (121 Länderspiele) in dieser Zeit geholt. Sein größter Erfolg war der Gewinn von EM-Silber mit dem Nationalteam 2005.

Vier Meisterschaften und vier Pokalsiege mit Alba

Dass Bremerhaven signalisierte, nicht weiter mit ihm zu planen, hat bei ihm die letzten Zweifel an seiner Entscheidung beseitigt. Es bleibt der Blick zurück auf seine Karriere. Nicht im Zorn, sondern voller Freude. „Ich habe mein Hobby zum Beruf machen können. Wer kann das schon?“ Außer für Bamberg, Alba und Bremerhaven spielte er für Leverkusen, die italienischen Klubs Mailand, Udine, Monferrato, Biella, Ferrara und Larisa in Griechenland.

Immer war die Familie dabei. Nicola ist in Mailand geboren, Lilli in Larisa. Es war für den Familienmenschen zuletzt schwer, alleine in der möblierten Wohnung in Bremerhaven zu leben. Seine Frau arbeitet in Berlin, die Kinder gehen in der Hauptstadt zur Schule, da hätte es „keinen Sinn gemacht“, gemeinsam an die Nordsee zu ziehen.

Er hat immer extrem auf seinen Körper geachtet. Während mancher Profi nur bei Erwähnung des Wortes Kraftraum schon Bauchschmerzen bekommt, hat sich Schultze dort gerne geschunden. „Ich habe auch Glück gehabt, dass ich nie schwerwiegend verletzt war.“ Vom rein Körperlichen her würde er sich noch eine Saison auf dem Feld zutrauen. Kürzlich hat er sich mit seinem ehemaligen Mitspieler aus Alba-Zeiten, Alexander Nadjfeji, unterhalten. Der ist inzwischen 38 Jahre alt, wird aber wohl auch im kommenden Jahr für Tübingen spielen.

Ausbildung zum Sport- und Fitnesstrainer abgeschlossen

Für Sven Schultze dagegen ist das Thema unwiderruflich durch. Jetzt noch das eine Spiel in Berlin: Nach einer 69:99-Heimklatsche gegen Tübingen am Sonntag soll die Saison vernünftig beendet werden. Alba hingegen hat anschließend noch das Nachholspiel gegen Bamberg (Sonntag, 17 Uhr, O2 World) auf dem Programm, in dem sich entscheiden wird, wer von den beiden Teams als Erster ins Play-off geht.

Nach der Schlusssirene am Donnerstag beginnt Sven Schultzes neues Leben. Er freut sich darauf, hat gerade die Ausbildung zum Sport- und Fitnesstrainer abgeschlossen, der Bereich Personal Coaching interessiert ihn besonders. Den B-Trainerschein im Basketball will er machen. Auch mit Alba wird er über eine Perspektive dort sprechen. „Schließlich sind wir vor einem Jahr im Guten auseinandergegangen.“