Man kann das Kind taufen wie man möchte: Schlicht Play-off, Euroleague-Viertelfinale oder Runde der besten acht Teams des Kontinents. Für Alba Berlin macht das keinen Unterschied. Die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic weiß: Sollte sie am Donnerstagabend (20 Uhr, O2 World) das Kunststück fertig bringen, gegen den amtierenden Champion Maccabi Tel Aviv zu gewinnen, würde sie eine neue Stufe des Ruhms erklimmen, gewissermaßen den Vorolymp des europäischen Basketballs. Für einen deutschen Vertreter wäre das ein Novum.

Zuzutrauen ist es den Berlinern inzwischen allemal. Wer hätte vor dieser Saison geglaubt, dass Alba den amtierenden NBA-Champion San Antonio Spurs besiegen kann? Oder das Star-Ensemble des FC Barcelona? Oder den mehrfachen Euroleague-Gewinner Panathinaikos Athen in dessen eigener Halle?

Besagte Basketball-Granden dürften sich beim Duell mit dem deutschen Pokalsieger gefühlt haben wie in einem Rocky-Film. Denn genau wie der von Sylvester Stallone verkörperte Boxer haben die Berliner in puncto Talent und Athletik vielleicht nicht die besten Voraussetzungen. Aber ihr Herz ...

Liga hat „Szenarien“ entworfen

Deshalb träumen sie davon, dass es wahr wird, dieses kleine Basketballwunder – Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans. Doch was, wenn es tatsächlich so weit kommt? Dann müsste Alba zwischen dem 14. und 28. April seine Best-of-Five-Serie bestreiten, obwohl der nationale Spielplan so voll ist wie die Autobahnen im Osterverkehr.

Zur Orientierung: Am Sonntag spielt Alba im deutschen Pokal entweder um den Titel oder Platz drei. Nur 48 Stunden später stünde die erste Play-off-Partie in der Euroleague an. Dazu kämen die Bundesligaspiele gegen Hagen (15. April), in Ulm (19. April) und gegen Crailsheim (24. April). Ein gewaltiges Termin-Dilemma.

„Wir haben für diesen Fall schon Szenarien entworfen“, sagt Dirk Kaiser, der Pressesprecher der BBL. Inwieweit sie umsetzbar sind, muss sich in Absprache mit den beteiligten Teams zeigen. Denn: Eine Verlegung kann weitere verursachen. Spielpläne der Alba-Gegner, Verfügbarkeiten der Hallen – es ist eine komplexe Gemengelage, die auf die Planer zukommen könnte.

Neun Spiele in 14 Tagen

Mithat Demirel sieht im Moment noch keine tragfähige Lösung. „Es kann nicht sein, dass wir innerhalb von 14 Tagen neun Spiele bestreiten müssen“, sagt Albas Sportdirektor, „da muss man auf die BBL zählen können.“ Von Unterstützung seitens der Liga ist bislang allerdings wenig zu sehen. Demirel meint, man müsse fast das Gefühl haben, der BBL wäre es lieber, wenn Alba gegen Tel Aviv scheitert.

Selbst in diesem Fall fühlt sich der Hauptstadtklub noch benachteiligt. Denn schon am Sonnabend steht in Oldenburg das Halbfinale im deutschen Pokal an, nur 45 Stunden nach dem „Endspiel“ gegen Tel Aviv. Doch statt seinem internationalen Aushängeschild etwas mehr Regenerationszeit zu gönnen – und erst im zweiten Halbfinale um 20 Uhr aufs Parkett zu schicken – muss Alba gegen Bamberg schon um 17 Uhr ran.

Die Begründung der Liga klingt zunächst nachvollziehbar. Das Duell Erster (Bamberg) gegen Zweiter (Berlin) besitze schließlich große Strahlkraft und würde dafür sorgen, dass die Halle von Beginn an voll sei, sagt Kaiser. Außerdem wolle man damit auch dem Aktuellen Sportstudio entgegenkommen. „Das Programm ist sowieso hart“, meint Jan Pommer, der Geschäftsführer der BBL, ob es durch die drei Stunden so viel härter gemacht wird, daran habe er seine Zweifel.

Kein Entgegenkommen der BBL

Demirel sieht das anders. Abgesehen davon, dass in den Statuten eine 48-stündige Pause zwischen zwei Spielen vorgesehen ist, machten die drei Stunden sehr wohl einen Unterschied. „So etwas kann nur ein Nicht-Sportler sagen“, urteilt der frühere Profi. Der Spieltermin wirke sich auf den gesamten Tagesablauf aus. Mehr als ein taktisches Training sei für Alba nicht möglich. Unter Umständen werde man selbst darauf verzichten und den Spielern stattdessen Zeit zum Durchschnaufen gewähren.

Bei der Liga habe der Klub schon vor Wochen um den späteren der beiden Termine gebeten. Umso größer ist die Verwunderung darüber, dass man nun benachteiligt wird. „Dafür gibt es keine nachvollziehbare Erklärung“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi.

Auch das Argument der besseren TV-Vermarktung will Demirel nicht gelten lassen, schließlich gehe das Sportstudio erst um 23 Uhr auf Sendung. Dass die Berliner – so sie das Finale erreichen – drei Stunden länger regenerieren können als ihr Endspielgegner? Ein schwacher Trost. Der zweite Schritt lässt sich nun mal schlecht vor dem ersten machen.

Pommer spielt auf Zeit

Das Termin-Wirrwarr um das Top Four ist nur ein Vorgeschmack auf das, was Alba ab dem 24. April droht. Das Heimspiel gegen Hagen, sagt Kaiser, müsse „auf jeden Fall“ verlegt werden. Pommer betont aber: „Wir spielen mit 18 Mannschaften, und der Spielplan steht seit anderthalb Jahren fest.“ Am Play-off-Start der Bundesliga am 9. Mai soll festgehalten werden. Ob der Termin auch für Alba bestehen bleiben kann, werde man nach dem Spiel gegen Maccabi wissen, sagt Pommer.

Fest steht: Die Belastung für Alba wäre immens. Demirel erinnert an eine „grenzwertige Phase“ im Februar, als sich die Leistungsträger Clifford Hammonds, Jamel McLean und Jonathan Tabu verletzten. Ein Grund mehr, weshalb er sich nun mehr Unterstützung durch die BBL wünscht. Denn bei aller Euphorie um die Euroleague-Erfolge – die primären Ziele in Meisterschaft und Pokal zu erreichen, wird unter solchen Umständen nicht leichter.

Übrigens, bevor Super-Optimisten diese Frage stellen: Das Final Four der Euroleague findet vom 15. bis 17. Mai in Madrid statt. Mitten im Play-off der BBL.