Diese Saison hatte schon einiges an Belastungen zu bieten für die Basketballprofis von Alba Berlin. Ein Spiel unter der Woche, das zweite manchmal keine 48 Stunden später am Wochenende – Normalität. Aber die Aktualität schlägt noch einmal alles. Am Ostersonntag Sieg bei den Artland Dragons, am Donnerstag (20 Uhr, O2 World) das Spiel des Jahres gegen Maccabi Tel Aviv, am Sonnabend und Sonntag das deutsche Pokal-Top-Four in Oldenburg: die Partien 54, 55, 56 und 57 seit dem 27. September. Gehen der Mannschaft denn nie die Kräfte aus? „Ja“, gibt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi zu, „es ist schon eine Herausforderung. Aber Sport lebt von Gelegenheiten.“ Die will man nutzen.
Seit es den Klub gibt, seit 25 Jahren also, hat Alba niemals eine Saison ohne Europapokal gespielt. Im deutschen Basketball kann niemand sonst diese Kontinuität vorweisen. Selbst in Europa gibt es nicht viele. Da fallen Namen wie Maccabi, Real Madrid, Olympiacos Piräus, Panathinaikos Athen oder ZSKA Moskau. Nicht zufällig jene Klubs, die jetzt wieder in der Euroleague um die wichtigste Trophäe kämpfen. Alba hat zwar nicht deren finanzielle Ressourcen, aber ein hohes Ansehen. „Wir sind absolut auf der Landkarte des europäischen Basketballs verzeichnet“, sagt Baldi, „seit 25 Jahren haben wir uns eine Reputation erarbeitet. Jeder kennt uns.“
Alle Topteams schon besiegt
Durch eine perfekte Organisation, die mehrfach von der Vereinigung der Vereine, der Uleb, ausgezeichnet wurde. Durch die große Fangemeinde, fast 10.000 Zuschauer im Durchschnitt begrüßen die wenigsten Kontrahenten auf dem Kontinent. Auch durch Erfolge. Als erstes deutsches Team gewann Alba mit dem Korac-Cup 1995 einen europäischen Wettbewerb. Es hat im Laufe der Jahre alle Topteams bezwungen, in bisher 379 Spielen 172 Mal gewonnen, 204 Mal verloren und dreimal unentschieden gespielt. Gegen 93 Teams aus 24 Ländern ist der achtmalige Deutsche Meister angetreten. Quizfrage für die Experten: Woher stammen doch gleich BC Siauliai, ZTE Zalaegerszeg oder Orca’s Urk? Nach Zalaegerszeg reiste Alba auch in jener legendären Saison 1994/95, die mit dem Gewinn des Korac-Cups endete.
Henrik Rödl, damals einer der Helden, jetzt Trainer in Trier, erinnert sich an das Finale gegen Stefanel Mailand vor 10.000 begeisterten Fans in der Deutschland-Halle: „Ohne dieses Spiel wäre der Verein niemals da, wo er ist. Es war das Schlüsselerlebnis für Basketball in Berlin.“ Eines, an das alle gern zurückdenken. Weniger erfreulich waren manch skurrile Reiseerlebnisse. Wie 2010, als die Berliner für ihren Trip aus Vitoria in Nordspanien in die Heimat per Bus 28 Stunden benötigten, weil der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und seine Asche den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte. Sogar 40 Stunden brauchte der Alba-Tross vor gut einem Jahr, um das Spiel gegen Chimik Juschni in der Ukraine zu erreichen. Flughäfen waren vereist, und wieder stieg das Team in einen Bus, obwohl auch die Straßen vereist waren. Das Spiel war sportlich nicht mehr von Bedeutung. Alba gewann – nach Verlängerung.
Herausforderung für Obradovic
Diese besondere Mentalität hatte entscheidenden Anteil daran, dass Alba Meilensteine im deutschen Basketball gesetzt hat. 1998 erreichte der Klub als erster deutscher Vertreter das Viertelfinale der damaligen Fiba-Europaliga. 2008 zuerst die Top 16 der Uleb-Euroleague. 2010 zuerst das Endspiel des zweitklassigen Eurocups. Klappt es nun auch mit dem Novum, ins Viertelfinale der Euroleague einzuziehen? Ein Sieg gegen Maccabi würde das sicherstellen. „Alba hat es verdient, jetzt in dieser Situation zu sein, einen historischen Erfolg feiern zu können. Das wird eine der größten Herausforderungen in unseren Karrieren“, sagt Alba-Trainer Sasa Obradovic, der als Spieler Welt- und Europameister wurde – und 1995 mit Alba den Korac-Cup gewann.



