Basketball

Istanbul-Fans randalieren vor Alba-Spiel - Die Krawalle im Video

Vor dem Euroleague-Spiel zwischen Alba Berlin und dem türkischen Vertreter Galatasaray Istanbul ist es in der Arena am Ostbahnhof zu schweren Ausschreitungen gekommen. Ein Video zeigt die Krawalle.

Es sollte eigentlich ein schönes Basketball-Fest werden. Doch zehn Minuten vor Beginn der Europaliga-Partie zwischen Alba Berlin und Galatasaray Istanbul um 21 Uhr eskalierte am Donnerstagabend in der O2 World die Lage.

Türkische Fans warfen vor dem Alba-Fanblock mit Stühlen, es kam zu Prügeleien, ein Böller explodierte. Spieler von Alba schnappten sich ihre Frauen und Kinder, die in der Nähe saßen, und brachten sie in Sicherheit.

Und dies alles unter den Augen von Michael Müller. Am 99. Tag nach seinem Amtsantritt musste der Regierende Bürgermeister bei seinem ersten Besuch bei Alba gleich einen der schwärzesten Momente in der 25-jährigen Klubgeschichte miterleben.

Eine Polizeisprecherin sprach von "aggressivem Fanverhalten mit Gerangel", das sich aber nach einiger Zeit beruhigt habe. Teilweise hätten sich rivalisierende Fans gegenseitig hochgeputscht. Ein Teil des Galatasaray-Anhangs habe beim Anmarsch zu dem Spiel Böller gezündet. Rund 1000 Fans des türkischen Clubs waren in der Halle. Der Sprecherin zufolge gab es weder Anzeigen noch Verletzte oder Festnahmen.

Ein Berlin-Fan zeigte nach dem Spiel auf einem Polizeiabschnitt an, dass er bei der Auseinandersetzung Verletzungen am Kopf und Oberkörper erlitten hat, die ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden mussten.

Bereits im Vorfeld hatten Fans der gegnerischen Mannschaft laut Polizei auf dem Weg zur O2 World Feuerwerkskörper gezündet. Nach Abpfiff des Spiels verließen die Zuschauer den Veranstaltungsort ohne weitere Zwischenfälle. Insgesamt waren rund 130 Polizisten im Einsatz.

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Türkischer Trainer beschwört die Chaoten

Ergin Ataman, der Trainer des türkischen Klubs, versuchte, die Randalierer über Mikrofon zu beruhigen. Er forderte sie immer wieder auf, sofort in ihren Block zurückzukehren. Auch viele der insgesamt etwa 3000 türkischen Anhänger in der Halle waren fassungslos, sie pfiffen und winkten in Richtung Galatasaray-Block, nach dem Motto: Geht zurück! Hört auf!

Erst als nach zehn Minuten das Schlimmste vorbei war, kam Polizei in die Halle. Das Sicherheitspersonal in der Arena am Ostbahnhof war überfordert gewesen. Zuvor hatten etwa 40 Galatasaray-Anhänger ungehindert von der einen zur anderen Seite der Arena kommen können.

Über den Auslöser der Eskalation gab es keine absolute Klarheit. Erst hieß es, einige wenige Galatasaray-Anhänger sollen ein Banner vom Berliner Fanklub „Block 212“ entwendet haben. Die Türken seien von Berlinern aber gleich gestellt worden, es kam zu einer Rangelei. Daraufhin setzten sich die Randalierer quer durch die Halle in Bewegung, um offenbar den anderen Galatasaray-Fans zu helfen.

Es gab aber auch das Gerücht, ein türkischer Fan habe ein Schmähplakat gegen Galatasaray in der Nähe des Alba-Fanblocks hochgehalten. Darum seien die Fans hinübergerannt, in der ganzen Gemengelage kam es dann zu den weiteren Ausschreitungen vor dem Alba-Block. Die Schiedsrichter immerhin waren Herr der Lage und schickten sofort beide Mannschaften in die Kabine. Danach diskutierten die Unparteiischen, Vertreter von Alba, des Sicherheitspersonals und der Polizei, wie es weitergehen soll. Abbrechen oder doch spielen?

Alba siegt 75:68 gegen Galatasaray

Um 21.35 Uhr erklärte Hallensprecher Tom Böttcher, dass um 22 Uhr vor Zuschauern gespielt werde. Mit dem Zusatz: Sollte es auch nur eine weitere Ausschreitung geben, werde die Partie sofort abgebrochen. Nach Morgenpost-Informationen hatten die Schiedsrichter zwei Alternativen genannt: Entweder würde die Polizeipräsenz drastisch verstärkt oder sie würden nicht anpfeifen. Es kam zu Variante eins. Auch weil es als sinnvoller erachtet wurde zu spielen, als die Zuschauer nach Hause zu schicken, was auch zu Eskalationen hätte führen können. Auf dem Feld hieß es vor 12.821 Zuschauern am Ende 75:68 (38:26). Bester Berliner Werfer war Marko Banic (15 Punkte).

Das Hinspiel, das Alba 75:65 gewonnen hatte, war in Istanbul vor leeren Rängen ausgetragen worden, da die Europaliga die Türken wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen zu drei Heimspielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt hatte. Grund für die Strafe waren Auseinandersetzungen am 21. November vor dem Spiel gegen Roter Stern Belgrad, bei denen ein Gästefan niedergestochen worden war. Der Mann erlag seinen schweren Verletzungen.

Auch in Deutschland sind die Gala-Anhänger schon negativ aufgefallen. Anfang 2014 hatten sich 250 Fans vor, während und nach der Begegnung bei Bayern München danebenbenommen. Es kam zu einem Böllerwurf, Mitarbeiter des Ordnungsdienstes wurden bespuckt, 90 Stühle beschädigt, dazu Hallenverkleidung und Dämmung aus der Wand gerissen.

Berliner gänzlich unbeeindruckt von Krawallen

Extra für das Spiel war von Alba ein Schal mit den Emblemen beider Klubs, sozusagen als Andenken an den Tag des Aufeinandertreffens der beiden Vereine, produziert worden. Ein Fan-Utensil, das von Deutschen (auch von Müller) und von Türken getragen wurde. Und dann das.

Als dann endlich gespielt wurde, hatte man den Eindruck, als seien die Berliner von der ganzen Aufregung zuvor unbeeindruckt. Sie gingen konzentriert zu Werke gegen eine türkische Mannschaft, die darunter litt, dass einige Stammspieler in den vergangenen Wochen den Klub verlassen haben. Der Grund: ausstehende Gehaltszahlungen.

Alba hingegen konnte erstmals seit Wochen wieder bis auf Clifford Hammonds (Anriss des Syndesmosebandes) mit allen Profis antreten. Jonathan Tabu, Jamel McLean und Leon Radosevic waren nach ihren Zwangspausen wieder dabei. Schon Mitte des zweiten Viertels hatten sich die Berliner einen 17-Punkte-Vorsprung (34:17) herausgespielt. Die Galatasaray-Fans waren zwar sehr laut, aber alles hielt sich während der Partie im Rahmen.

Im letzten Viertel schwächelten die Berliner auf einmal, Istanbul legte eine unglaubliche Aufholjagd hin – 62:61 (33.). Aber Berlin kam noch einmal zurück und darf nach dem fünften Sieg im elften Spiel weiter vom Einzug ins Viertelfinale träumen. Doch an diesem Abend geriet das völlig in den Hintergrund.