Basketball

Alba ist mit seinen Kräften allmählich am Ende

Kein Sieg fällt leicht, jeder Gegner ist schwer: Alba Berlin muss vier Topspieler ersetzen und stößt an seine Grenzen. Trotzdem bleibt das Team auf Kurs – und hofft auf baldige Rückkehr der Verletzten.

Foto: Alberto Martin / dpa

Niels Giffey schnaufte tief durch, Marko Banic bekreuzigte sich, Alex King blickte erschöpft ins Nichts. Als nach dem 86:83 (79:79, 35:45)-Sieg gegen die TBB Trier endlich die Schlusssirene ertönte, erinnerten die Spieler von Alba Berlin ein wenig an taumelnde Boxer, an Kämpfer, die sich gerade mit letzter Kraft durch die finale Runde gequält haben und nun froh sind, dass es endlich vorbei ist. Hätte der letzte Wurf des Trierers Jermaine Anderson sein Ziel zum Ende der Verlängerung nicht knapp verfehlt – wer weiß, ob die Berliner noch einmal zurückgekommen wären.

Wo kommt diese Energie her?

Wahrscheinlich wäre ihnen am Sonnabend selbst das gelungen. Denn eigentlich hatte schon die Aufholjagd im letzten Viertel die Vorstellungskraft von Fans und Verantwortlichen gesprengt. „Wo die Jungs am Ende noch die Energie hergeholt haben, weiß ich auch nicht“, sagte Sportdirektor Mithat Demirel. 14 Punkte betrug der Rückstand zu Beginn des Schlussdurchgangs, und selbst die optimistischsten unter den 9716 Zuschauern in der O2 World hatten wohl so ihre Zweifel, ob es in der Basketball-Bundesliga nach den Kraftakten in Braunschweig und Göttingen wieder zu einem Happy End reichen würde.

Der Akku der Berliner schien leer. Die Lehrstunde bei Real Madrid, die Reisestrapazen, das Fehlen von vier Leistungsträgern – das alles hatte seine Spuren hinterlassen. In der Verteidigung fand Alba nie zur gewohnten Intensität, im Angriff fehlte es gegen couragiert verteidigende Trierer an Struktur. Dass am Ende trotzdem der 22. Saisonsieg stand, war vor allem Reggie Redding, Alex Renfroe (mit je 21 Punkten beste Werfer) und Akeem Vargas zu verdanken. Das Trio erzielte im vierten Viertel 27 der 29 Berliner Punkte. „Reggie ist in den letzten Wochen über sich hinausgewachsen“, sagte Demirel, „aber das brauchen wir momentan auch.“

Ein Quartett fällt vielleicht auch gegen Galatasaray aus

Genau darin liegt Albas Dilemma. Weil Jamel McLean, Cliff Hammonds, Jonathan Tabu (alle verletzt) und Leon Radosevic (krank) wohl auch im Euroleague-Spiel gegen Galatasaray Istanbul (Donnerstag, 21 Uhr, O2 World) fehlen werden, sind die Berliner mehr denn je auf herausragende Vorstellungen einzelner angewiesen. Und wie häufig sich derartige Energieleistungen wie gegen Trier wiederholen lassen, bleibt abzuwarten. Mithat Demirel weiß: „Die Jungs gehen auf dem Zahnfleisch.“