Nach dem „Geisterspiel“ von Istanbul wartet auf Alba Berlin in der Euroleague nun der Hexenkessel von Belgrad: Am Donnerstagabend (20.45 Uhr, Sport1) wird der deutsche Basketball-Pokalsieger bei seinem serbischen Pendant Roter Stern vorstellig. Nach vier Niederlagen stehen die Gastgeber im Top 16 bereits mit dem Rücken zur Wand. Alba (bislang zwei Siege) indes könnte seine Ausgangslage mit dem dritten Sieg weiter verbessern.

Gehörigen Respekt flößt den Berlinern die zu erwartende Kulisse ein. „Die Fans in Belgrad sind so laut, dass man sein eigenes Wort nicht hört“, sagt Sportdirektor Mithat Demirel. „Extremer geht es wirklich nicht.“

Geburtstag am Donnerstag

Ein ganz besonderes Spiel erwartet auch Sasa Obradovic. Im Trikot von Roter Stern gelang dem Albas Trainer einst der Durchbruch als Spieler, 1993 führte er den Klub zur jugoslawischen Meisterschaft. „Ich coache zum ersten Mal gegen ‚meinen Verein’, dem ich sonst immer die Daumen drücke. Das wird eine seltsame Erfahrung“, sagt der 45-Jährige, dessen Mutter und Schwester heute noch in Belgrad wohnen. Dass Obradovic am Donnerstag seinen Geburtstag feiert, macht die Reise in die eigene Vergangenheit nicht weniger emotional. Weil die Belgrader Kombank-Arena anderweitig belegt ist, müssen die Basketballer in die Pionir-Halle ausweichen. Statt 20.000 stehen dort nur 8.000 Plätze zur Verfügung – alles andere als ein restlos überfülltes Tollhaus wäre eine Überraschung. „Viele meiner Spieler haben noch nie in so einer Atmosphäre gespielt“, sagt Obradovic. Seine Erinnerung an die Derbys, die er Anfang der 1990er-Jahre gegen den Stadtrivalen Partizan erlebt hat: „Wir waren sofort klatschnass, weil uns die Fans von oben bis unten bespuckt haben.“

Rein sportlich werden die Berliner vor allem auf Boban Marjanovic aufpassen müssen. Der serbische Nationalspieler ist mit 2,21 Meter nicht nur der längste, sondern auch der effektivste Spieler der Euroleague. Im Schnitt steuert der 26-Jährige 15,5 Punkte und 9,7 Rebounds bei. Zudem trifft Alba auf Center Maik Zirbes. „Ich freue mich auf das Wiedersehen“, sagt Alba-Kapitän Alex King. Nationalmannschaftskollege Zirbes war vor der laufenden Saison von Bamberg nach Belgrad gewechselt.

Verhandlungen über Renfroe

Für Berlins Jonathan Tabu kommt die Partie hingegen noch zu früh. Der Dreier-Spezialist war am Montag nach fast fünfmonatiger Verletzungspause ins Mannschaftstraining zurückgekehrt.

Für seinen kurzfristig verpflichteten Vertreter Alex Renfroe könnte die Dienstreise nach Belgrad die letzte im Alba-Dress sein. Sein Vertrag läuft am 31. Januar aus und wurde bislang trotz beiderseitigem Interesse nicht verlängert. Noch haben die Berliner die Hoffnung nicht aufgegeben. Obradovic und Manager Marco Baldi werden Renfroes Agenten in Belgrad treffen und versuchen, offenen Fragen aus dem Weg zu räumen.