Das Lob kommt aus berufenem Mund. „Er hat eine super Entwicklung genommen, toll, was er im zweiten Jahr zeigt.“ Das sagt Dirk Nowitzki, der deutsche Basketball-Superstar, über den, den manche schon als seinen Nachfolger sehen. Dennis Schröder, der hoch Gelobte, hat es voller Demut aufgenommen: „Das ist eine super Ehre für mich, dass gerade er das sagt. Dirk ist schließlich eine Legende.“

Davon ist Schröder, 21, sicherlich noch weit entfernt. Aber Nowitzki, 36, hat Recht: In seiner zweiten Saison in der nordamerikanischen Profiliga NBA, dort, wo die Besten spielen, hat der junge Mann bei den Atlanta Hawks seinen Durchbruch geschafft. Es wäre übertrieben, zu behaupten, dass der Höhenflug der Hawks ursächlich mit Schröder zusammenhängt, aber die Kombination passt einfach. Gerade hat Atlanta den 13. Sieg (93:82 gegen Detroit) hintereinander geschafft; ein Erfolg in der Nacht zum Donnerstag gegen die Indiana Pacers noch, dann hätten die Hawks einen Klubrekord aufgestellt.

„Es herrscht eine ganz tolle Teamchemie bei uns“, antwortet Schröder auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis der Mannschaft von Trainer Mike Budenholzer. Aber wohl keiner im Team hat einen solchen Aufschwung genommen wie Schröder. „Ich habe jetzt viel mehr Selbstbewusstsein als noch im ersten Jahr“, erzählt er. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen diesem Selbstbewusstsein und dem Vertrauen, das ihm Budenholzer entgegenbringt. „Ich werde jetzt mehr respektiert“, hat er erkannt und bezieht diese Erkenntnis auf Teamkollegen wie gegnerische Spieler.

Die Zahlen sprechen für sich: In 40 Saisonspielen stand Spielmacher Schröder (1,86 Meter groß) im Schnitt 17,8 Minuten auf dem Feld, ihm gelangen 8,0 Punkte, zudem verteilte er 3,3 Assists. „Er versteht das Spiel“, so Nowitzki.

22 Punkte gegen Dallas sind bisher persönlicher Rekord

Die beiden lernten sich im Sommer 2013 kennen. Bevor der aus Braunschweig stammende Schröder im Juni beim Draft, dem jährlichen Auswahlverfahren junger Spieler, von den Hawks verpflichtet wurde, spielte er bei diversen Klubs vor. Auch bei den Dallas Mavericks, für die Nowitzki seit 16 Jahren spielt. Lange unterhielten sie sich, der 27 Zentimeter größere Star gab dem Novizen Tipps. „Dann hat er mir seine Telefonnummer gegeben und gesagt, ich könne ihn jederzeit anrufen.“ Seitdem sind sie häufig in Kontakt. Seinen Punkterekord mit 22 Zählern erzielte Schröder ausgerechnet beim 105:102 seines Teams gegen die Mavericks am 22. Dezember 2014. Vier Tage zuvor hatte er mit zehn Punkten und zehn Korbvorlagen sein erstes Double-Double (zweistelliger Wert in beiden Statistik-Kategorien) erreicht.

Dass Schröder eine solche Karriere machen würde, war lange nicht vorauszusehen. Als Junge stand für ihn Skateboardfahren im Vordergrund. Aber Liviu Calin, damals in Braunschweig Jugendtrainer, erkannte das Talent des Sohnes einer gambischen Mutter und eines deutschen Vaters. Als der Vater im Alter von 46 Jahren starb, Sohn Dennis war damals 16, versprach er ihm, hart an seiner Karriere zu arbeiten, mal den Sprung in die NBA zu schaffen und für die Familie zu sorgen.

Früher eckte der Braunschweiger immer mal wieder an

Sein Verhalten hielt aber erst einmal nicht stand mit den Leistungssprüngen auf dem Feld. Egoistisch, undiszipliniert, chaotisch waren Adjektive, die im Zusammenhang mit ihm oft genannt wurden. Trainer Sebastian Machowski strich ihn aus dem Braunschweiger Bundesligakader, weil er ein Training geschwänzt hatte. Bei der deutschen U18-Auswahl wurde er einmal nach Hause geschickt, nachdem er sich despektierlich über Mannschaftskameraden geäußert hatte, die bei weitem nicht seine Klasse besaßen.

Aber er hat die Kurve gekriegt. Der Familienmensch, der früher schon mal im Frisiersalon seiner Mutter und seiner Schwester („Afro Star“) selbst als Aushilfsfriseur zur Schere griff, hat hart an sich gearbeitet. Und er hat sich auch gegen Widerstände durchgesetzt. Als er im Dezember 2013 von Budenholzer für sechs Spiele in die Development League zu Bakersfield Jam herabgestuft wurde, kam er gestärkt zurück. Manchmal erweitern Umwege die Ortskenntnis. Heute sagt er: „Das hat mich weitergebracht, weil ich Spielpraxis und Selbstvertrauen bekommen habe.“

Bald kommt eine eigene Modelinie heraus

Inzwischen haben die Hawks den nach der Saison auslaufenden Vertrag bis 2016 verlängert, sein Gehalt, das schon über einer Million liegt, erhöht sich dann auf 1,7 Millionen Dollar. Er hat sich in Atlanta ein Haus gekauft, in das jetzt auch sein großer Bruder und dessen Frau einziehen werden. Die Brüder basteln an einer eigenen Modelinie.

Und ein großes Ziel ist die EM, deren Vorrunde vom 5. September an in Berlin stattfindet. „Wenn ich gesund bin, will ich dabei sein“, sagt er. Kürzlich war Chris Fleming, der neue Bundestrainer, in Atlanta. „Ein super Typ“, sagt Schröder. Auch Fleming lobt: „Dennis kann den Kader für die nächsten zehn bis zwölf Jahre prägen.“