Ein paar Sekunden blieb Marcelinho Huertas auf dem Parkett stehen. Der Aufbauspieler des FC Barcelona schaute noch einmal zur Anzeigetafel, als wollte er es gar nicht glauben. Kopfschüttelnd trottete der Brasilianer dann in die Kabine. Vorher hatten er und seine Kollegen sich noch die hämischen Gesänge der Alba-Fans anhören müssen: „Ihr seid nur ein Fußballverein...“

Verstanden hat den Text sicherlich nur einer im hoch favorisierten spanischen Team, der deutsche Nationalspieler Tibor Pleiss. Der war nach dem 80:70-Erfolg der Berliner Basketballer ebenfalls völlig geplättet: „Es ist viel schief gelaufen, wir haben es uns ganz anders vorgestellt.“

Auch bei den Berlinern hatte sich wohl niemand wirklich vorstellen können, dass man im Auftaktspiel der Europaliga-Zwischenrunde gegen die Katalanen würde gewinnen können, die wie jedes Jahr zum Favoritenkreis in dem Wettbewerb zählen. Doch am Ende standen bei Alba Sätze zwischen ungläubigem Staunen und Euphorie.

Da war Trainer Sasa Obradovic, der nach dem Triumph vor Stolz fast platzte. Immer wieder lobte er seine Mannschaft. „Wie sie zurückgekommen ist, das macht mich glücklich“, sagte er mit Blick auf den 0:10-Fehlstart. Ein „großer Sieg“ sei das gegen das „große Barcelona“. Auch für ihn als Trainer ist ein solcher Erfolg eine Wegmarke in seiner Karriere an der Seitenlinie.

„Wir haben mit viel zu viel Respekt angefangen, haben dann aber gekämpft und diszipliniert gespielt“, analysierte Kapitän Alex King. „Lasst uns ruhig bleiben“, hätten sich die Spieler untereinander gesagt, berichtete Center Jamel McLean, der wie Reggie Redding und Leon Radosevic 16 Punkte erzielte. „Dann haben wir unseren Rhythmus gefunden.“

Defensive ist die besondere Stärke von Alba

Vor allem in der Defensive. „Die Berliner Abwehr hat uns vor sehr große Probleme gestellt“, gab Barca-Trainer Xavier Pascual zu. Im dritten Viertel erlaubte Alba dem Favoriten lediglich acht Punkte. „Das war sensationell“, meinte Berlins Geschäftsführer Marco Baldi mit Blick auf diese zehn Minuten, die allein schon die Fans in höchste Verzückung versetzten. Baldi, der nicht verdächtig ist, zu schnell in Euphorie zu verfallen, war hingerissen: „Wir waren überall, die hatten uns immer im Nacken. Am Ende waren sie froh, dass sie aus der Halle konnten.“ Einen solchen Abend „hat man nicht oft, jetzt müssen wir gucken, dass uns das beflügelt“.

Unbeugsamkeit und nie erlahmender Kampfeswille waren die Schlüssel zum Erfolg. Dabei lief zu Beginn gar nichts. Als Barcelona nach vier Minuten mit 10:0 führte, lehnte sich der spanische Fernsehreporter am Spielfeldrand sichtlich entspannt zurück, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und ließ schon mal erste Elogen auf Barca ab.

Erfolg gegen die Spanier bringt sehr viel Selbstvertrauen

Wie ihm ging es wohl auch den hoch bezahlten Profis aus Barcelona. Zu schnell hatte sich bei ihnen ein trügerisches Gefühl der Sicherheit eingeschlichen, das auch noch bei einer 19:5-Führung anhielt. Wie paralysiert wirkten dann jedoch Reporter wie Spieler, als Alba, der krasse Außenseiter, immer stärker wurde. „Wir haben sie ins Grübeln gebracht, wir sind in ihre Köpfe reingekommen“, jubelte Baldi. „Keine Antworten“ habe man gefunden, so der frustrierte Pascual.

Was ist diesem Alba-Team in der Europaliga noch zuzutrauen? Für Berliner Fans ist die Tabelle der Gruppe E momentan etwas zum Ausschneiden: Alba liegt auf Platz eins. Für Niels Giffey stand auf alle Fälle fest: „Unsere Underdogrolle haben wir jetzt ein bisschen verloren. Die nehmen uns jetzt ernster.“ Real Madrid, Panathinaikos Athen, Zalgiris Kaunas, Galatasaray Istanbul, Roter Stern Belgrad und Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv heißen die weiteren Gegner in Europas Eliteklasse. „Mal sehen, was noch geht“, sagte Giffey, „jedenfalls haben wir jetzt sehr viel Selbstvertrauen.“

Am Sonntag bereits wieder in Bremerhaven

Vielleicht, so sinnierte Obradovic, „können wir noch weitere Überraschungen schaffen“. Baldi bremste eher: „Wir sind das unerfahrenste und am wenigsten abgebrühte von allen Teams. Und auf die leichte Schulter wird uns auch niemand mehr nehmen.“

Alba muss schnell umschalten, bereits am Sonntag muss das Team in der Bundesliga in Bremerhaven antreten. Das Thema der starken Belastung wischte Baldi beiseite. „Wir klagen nicht, wir spielen Europaliga, da, wo wir hin wollten.“ Sportler bewegen sich im Hier und Jetzt. „Was man greifen kann, muss man greifen.“ Schließlich wisse niemand, „ob man noch einmal so weit kommt“. Also gibt es kein Jammern über den straffen Zeitplan, der bis in den April hinein zu bewältigen ist.

Eines wolle man bestimmt nicht, meinte Baldi lächelnd: „Zum Beispiel mit Bayern München tauschen, die mittwochs im Eurocup spielen – auf keinen Fall.“ Und ein kleiner Seitenhieb musste schon sein: „Die würden lieber mit uns tauschen.“