Basketball

Obradovic verspricht Alba-Fans auch 2015 viel Spaß

Mit dem Duell gegen Barcelona beginnt für Alba die Top 16 der Euroleague. Für den Berliner Basketball-Klub geht es in dieser Runde weniger ums Weiterkommen, sondern mehr ums Lernen.

Foto: JACK GUEZ / AFP

Nach verrichteter Arbeit präsentierte sich Sasa Obradovic gut gelaunt und gar zu kleinen Späßen aufgelegt. „Natürlich wollen wir auch Barcelona schlagen“, sagte der Trainer von Alba Berlin lächelnd nach dem 82:56 (38:22) in der Basketball-Bundesliga gegen den Mitteldeutschen BC, mit dem der Spitzenreiter seine vier Punkte Vorsprung auf die Verfolger München und Bamberg verteidigte. Den FC Barcelona schlagen? Den spanischen Renommierklub, der 14 Mal seit 1988 die Finalrunde der besten vier Mannschaften in der Europaliga erreicht hat, so oft wie keine anderer Klub?

Nichts zu verlieren

Sicher, „sie sind wieder Favorit“, sagte Obradovic vor dem ersten Spiel der Top 16 an diesem Freitag (20 Uhr, O2 World). „Aber auf uns liegt kein Druck. Sie dagegen können es sich eigentlich gar nicht leisten, hier zu verlieren.“ Der Bundesliga-Tabellenführer ist in der Königsklasse des Kontinents eben ein kleines Licht und zu Recht schon stolz darauf, diese Runde erreicht zu haben.

Trotzdem muss jedes Spiel erst gespielt werden. Diese schmerzliche Erfahrung mussten zuletzt auch die stolzen Katalanen in der heimischen Liga ACB machen. Dem 76:68-Sieg im Klassiker gegen Real Madrid standen innerhalb von nur zehn Tagen unverhoffte Niederlagen bei den Estudiantes Madrid (96:102) und bei Rio Natura Obradoiro (67:79) gegenüber, bei Kontrahenten, die eher nicht zur Creme der Liga zählen.

Tibor Pleiss ist auf dem Sprung von Barcelona in die NBA

Das mag den Verletzungsproblemen Barcas geschuldet sein, mit Juan Carlos Navarro, Brad Oleson und Alex Abrines fehlen gleich drei der Scharfschützen des Teams. Aber ein Klub wie der FC Barcelona weiß auf solche Misslichkeiten zu reagieren. Mit Edwin Jackson wurde der Topscorer der französischen Ligue National von ASVEL Villeurbanne losgeeist. Er wird in Berlin dabei sein.

Die Katalanen haben noch einiges mehr zu bieten. Etwa die Center-Riesen Tibor Pleiss (2,18 Meter) und Ante Tomic (2,17), die unter den Körben eine Macht sind. Der 25-jährige Deutsche Pleiss, einst unter Trainer Obradovic in Köln vom Talent zum Nationalspieler gereift, ist inzwischen ein Star in Spanien, der nur darauf wartet, dass Oklahoma City Thunder seine Transferrechte an ihm geltend macht und ihn in die NBA holt.

Justin Doellman ist ein Albtraum in der Alba-Historie

Pleiss ist den Berlinern als harter Brocken ebenso bekannt wie der Slowene Bostjan Nachbar, der ihnen im Bamberger Trikot einst zusetzte. Ein wahrer Albtraum in der Alba-Historie ist der US-Amerikaner Justin Doellman, der im Viertelfinale des Eurocups vergangene Saison 42 Punkte gegen Berlin erzielte. Valencia gewann den Cup, Doellman wurde MVP – und Barcelona sicherte sich seine Dienste. Dennoch: Die Saison läuft nicht perfekt für Barca, das in der ACB mit vier Niederlagen Tabellenzweiter hinter Unicaja Malaga ist. Unicaja hat vor ein paar Wochen in der O2 World verloren. „Wir müssen nicht ängstlich agieren“, wünscht sich Obradovic von seinen Spielern, „wir müssen lernen, mit diesen großen Spielen umzugehen.“

Der Trainer setzt wieder auf Jamel McLean, der gegen den MBC wegen einer Magen-Darm-Grippe geschont wurde, was Martin Seiferth zu seinem zweiminütigen Debüt im Alba-Trikot verhalf. Ziel ist es sicher nicht, einen der ersten vier Plätze in der Achtergruppe zu belegen und so das Viertelfinale zu erreichen. Aber sich weiterentwickeln, Wettkampfhärte für die nationalen Aufgaben bekommen. Und warum nicht die Großen ärgern, wenn sie einmal einen schwachen Tag erwischt haben? Warum soll Alba nicht können, was Obraidoro oder Estudiantes geschafft haben? Ohne Scherz, sagt Obradovic: „Ihr werdet alle noch viel Spaß an uns haben.“

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