Basketball

Alex King ist bei Alba Berlin der Mann für die Teamchemie

Der Nationalspieler geht auf in der Rolle des Mannschaftskapitäns. Aber er hat auch den Anspruch, sich individuell auf dem Spielfeld immer noch ein Stück weiterzuentwickeln.

Foto: dpa/Lukas Schulze / pa

Die Erinnerung ist bei Alex King noch frisch. „So etwas vergisst du nicht so schnell“, sagt der Basketballprofi von Alba Berlin. 24. Oktober, in der Arena „Martin Carpena“ von Malaga. Eine Sekunde ist noch zu spielen, 84:84, dann trifft Kostas Vasileiadis, der Grieche im Trikot von Unicaja Malaga, aus gut acht Meter Entfernung. Alba verliert nach sehr gutem Spiel in der Europaliga beim spanischen Spitzenteam 84:87. King schüttelt auch heute noch den Kopf über diesen unglaublichen Treffer und die Niederlage: „Das war so bitter.“

Am Donnerstagabend können King und seine Kollegen diese schlimme Erinnerung auslöschen – mit einem Sieg in der O2 World (20.15 Uhr, Sport1) gegen die Spanier. „Wenn wir das gewinnen“, erklärt der 29-Jährige, „sind wir auf einem sehr guten Weg ins Top 16.“ Sein Trainer Sasa Obradovic spricht sogar von „90 Prozent“ Wahrscheinlichkeit, dass ein Erfolg gegen die Andalusier Platz vier in der Gruppe sichern würde. Diese Platzierung berechtigt zum Weiterkommen in die Runde der 16 besten europäischen Mannschaften.

Der Einzug in dieses Topfeld wäre ein weiterer großer Erfolg in einer bisher sehr erfreulichen Saison des Berliner Basketballteams. Der Champions Cup wurde gegen Meister Bayern München geholt, der NBA-Champion San Antonio besiegt, in der Bundesliga liegt Alba mit 18:0 Punkten an der Tabellenspitze. „Das kann sich sehen lassen“, sagt King zufrieden lächelnd. „Uns gelingt es, egal was in der Europaliga kurz vorher gewesen ist, in der Bundesliga sehr konzentriert zu spielen“, erklärt er. So könne man sich in der Liga „einen Puffer“ für schlechtere Zeiten schaffen. Zum vergleichbaren Zeitraum vor einem Jahr hatte Alba bereits drei Partien verloren.

Was ist das Erfolgsgeheimnis von Albas Jahrgang 2014/2015? „Wir haben eine super Teamchemie“, antwortet King spontan. Und gerade er hat daran einen besonderen Anteil, denn King wurde vor dieser Saison von Obradovic zum neuen Kapitän ernannt. Kings Vorgänger Sven Schultze, der das Amt drei Jahre lang inne hatte, war zum Bundesliga-Konkurrenten Eisbären Bremerhaven gewechselt.

Am Donnerstag in der Europaliga gegen Malaga

Es scheint eine Rolle zu sein, die King liegt. „Ich versuche, immer echt zu sein“, sagt er. Der genau zwei Meter große Profi spielt jetzt im zweiten Jahr bei Alba und ist auf den Flügelpositionen 3 und 4 einsetzbar. Was ist seine Aufgabe? Jeder, gerade auch diejenigen, die neu in der Mannschaft sind, „soll sich wohlfühlen, auf dem Feld und außerhalb“. Da gehört es dazu, dass er mit Rat und Tat zur Seite steht, auch mal vermittelt.

Er kennt diese Aufgabe. Bereits in Würzburg, wo King vor seinem Engagement in Berlin zwei Jahre lang spielte, war er Kapitän. Dort gab es allerdings eine „etwas komische“ Lösung, eine Doppelspitze. „Ich war für die Deutschen der Kapitän und ein Amerikaner für die US-Spieler.“ In Berlin gibt es das nicht. „Gut so“, sagt King, „es bringt ja nichts, da zu unterteilen. Wir sind doch eine Einheit.“ Der Erfolg gibt bisher allen Recht.

Jetzt Kapitän bei einem Spitzenteam wie Alba zu sein, ist für Alex King ein weiterer Schritt in seiner Entwicklung. „Das ist natürlich eine Riesenherausforderung und eine Riesenehre für mich.“

King, Sohn eines amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter, ist eher ein Spätstarter, der bis zu seinem 13. Lebensjahr Fußball spielte, bevor er zum Basketball kam. Seine Karriere verlief wechselvoll. Zwar stand er 2004 im Team der Skyliners Frankfurt, als diese Deutscher Meister wurden, „aber mein Anteil daran war eher gering“. 2008 hätte er fast seine Karriere beendet, weil es in Frankfurt unter Trainer Murat Didin für ihn unerträglich wurde. „Mike Koch hat mir dann mein Basketball-Leben gerettet“, erzählt er mit Blick auf seine Zeit in Bonn zwischen 2008 und 2011, wo Koch als Trainer fungierte.

Zurück ins Nationalteam zu Bundestrainer Fleming

Danach Würzburg, jetzt Alba. „Mein Ziel ist es immer, mich weiterzuentwickeln“, sagt er. Jahrelang galt der Nationalspieler als „ewiges Talent“, was ihn noch heute ärgert. Doch längst hat er den Kritikern gezeigt, was in ihm steckt. „Ich arbeite sehr hart dafür.“ Besonders gefeilt hat der defensivstarke King in den vergangenen Jahren an seinem Wurf von außen. „Das war schon mein Manko“, gibt er ehrlich zu. In diesem Jahr hat er seine Dreierquote in der Bundesliga auf starke 52 Prozent gesteigert.

„Er wächst immer mehr rein“, sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel über King. Schon in der vergangenen Saison habe er begonnen, „bewusster zu spielen und Wurfentscheidungen zu treffen“.

Mit guten Leistungen will sich King nun auch in den Fokus des neuen Bundestrainers Chris Fleming spielen. In der Nationalmannschaft fehlte der Alba-Spieler im vergangenen Sommer. Zum einen heiratete er seine langjährige Freundin Agata, das Paar verbrachte anschließend seine Flitterwochen in Thailand. Zum anderen lief die Kommunikation zwischen dem Verband und ihm etwas unglücklich. Über die Personalie Fleming ist er sehr erfreut: „Da wurde ein guter Coach gefunden.“ Man kennt sich von früher: Als King einst in der U20-Nationalmannschaft spielte, war Fleming dort Trainer.

Im Sommer die B-Trainer-Lizenz erworben

Seit einigen Monaten hat er einen etwas anderen Blick auf die Trainer. „Dieses Business ist echt nicht einfach“, hat er erkannt. Spontan hatte King sich im vergangenen Sommer zu einem B-Lizenz-Lehrgang in Baden-Baden angemeldet. Ehemalige und aktuelle Profis wurden dort im Schnelldurchlauf von Dozenten wie dem ehemaligen Bundestrainer Dirk Bauermann geschult. „Es war sehr schön, mal die Trainerperspektive zu erleben, zu lernen und zu beobachten.“ Auch als Spieler könne man davon profitieren.

Dass er später mal diese Richtung einschlagen könnte, schließt er nicht aus. Doch das hat Zeit. In einem Vierteljahr wird King 30 Jahre alt. „Aber ich fühle mich noch super frisch.“