Basketball

Jamel McLean wird von seinen Mitspielern zum Biest geadelt

Jamel McLean ist in Albas Basketball-Mannschaft die neue Macht unter den Körben. Ob in der Bundesliga oder in Europa – der Amerikaner ist von seinen Gegenspielern oft nur mit Fouls zu stoppen.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Im Basketball ist es ganz einfach. Ist dein Gegenspieler so gut, dass du ihn nicht stoppen kannst, dann schubst du ihn, haust ihm auf den Arm oder ähnliches – kurzum: du foulst ihn. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass der, der oft gefoult wird, nur schwer zu stoppen ist und also zu den eher Besseren gehört. Ganz sicher gilt das für den, der mehr gefoult wird als jeder andere. In der Europaliga führt ein Alba-Spieler diese Statistik an: Jamel McLean. 47 Mal wussten sich seine Gegenspieler in den ersten sechs Spielen nicht anders zu helfen, als ihn durch ein Foul zu stoppen. 43 Mal stand Berlins Power Forward an der Freiwurflinie, machte von dort aus 29 Punkte – beides sind ebenfalls Bestmarken in der Königsklasse Europas.

Der 26-Jährige, der im Sommer aus Bonn gekommen war, ist aus dem Stand zu einem europäischen Spitzenspieler geworden. Ein „Biest“ sei er, twitterte Kollege Reggie Redding anerkennend, nach dem McLean am vergangenen Wochenende in Hagen mit 33 Punkten und zwölf Rebounds beeindruckend aufgespielt hatte. Auch in der Bundesliga, in der Alba am Sonntag ( 17 Uhr, O2 World) die Braunschweiger Löwen empfängt, gehört der 2,03 Meter große Flügelspieler mit einem Schnitt von 17 Punkten und 7,6 Rebounds pro Spiel zu den Besten.

Der Coach ist glücklich

Kein Wunder, dass Sasa Obradovic – was für den sonst so strengen Trainer eher ungewöhnlich ist – gesteht, dass er „vom allerersten Tag an glücklich mit Jamel gewesen ist. Er kam topfit zum Trainingsauftakt, er hat ein gutes Benehmen und er konzentriert sich auf die wesentlichen Dinge und hört zu“, erzählt Albas Coach, „Kommunikation ist sehr wichtig, natürlich. Wir haben wir viel mit einander geredet und ihn auf die Saison und seine Aufgaben vorbereitet.“

Der erste Glanzpunkt, vielleicht eher ein Ausrufezeichen, gelang McLean gleich im vierten Saisonspiel, als er mit der Schlusssirene den entscheidenden Punkt zum Sieg gegen den NBA-Champion, die San Antonio Spurs, machte. Ein Wurf aus vollem Lauf, der in den USA oft genug über die Bildschirme gelaufen war, dass auch der letzte seiner Freunde und Bekannten zu Hause das Unglaubliche mit eigenen Augen gesehen und dem Schützen gratuliert hatte .

Heute sagt der Held des Basketballwunders: „So zu tun, als hätte es diesen Wurf nie gegeben, war vielleicht das Härteste, was ich bislang in meiner Karriere hinbekommen musste. Ich durfte einfach nicht endlos auf der Welle dieses Moments reiten, sondern musste weiter gehen und mich in den nächsten Spielen bestätigen.“

Kräftig, schnell und wendig

Was ihm, dem Biest, gelang. Redding, in Sachen Punkten und Rebounds selbst einer der Motoren des Alba-Spiels, stellt natürlich sofort klar, dass McLean abseits des Spielfelds ein ganz feiner Kerl ist. „Mit ihm haben wir eine Präsenz unter dem Korb, die wir so in der vergangenen Saison nicht hatten“, erklärt er. „Da waren wir eher durch die Halbdistanzwürfe unserer großen Spieler gefährlich. Jamel gibst du den Ball und er macht ihn entweder rein oder er geht an die Freiwurflinie und macht dort die Punkte.“

Beeindruckt sind auch seine Mitspieler von der schier unerschöpflichen Power, mit der McLean unter den Körben präsent ist, von der ersten bis zur letzten Spielminute. „Ich kann viel mehr Energie in mein Spiel investieren, weil ich nicht so lange auf dem Parkett stehe wie noch in Bonn, wo ich gegen Ende hin zu müde war, um so zu spielen wie jetzt für Alba“, erzählt der Mann, der keinen Körperkontakt scheut, kräftig, schnell und wendig ist. „Der Coach macht wirklich einen guten Job, meine und auch die Einsatzzeiten der anderen zu managen.“

Entspannt, umgänglich und offen

Niels Giffey, der auch seine erste Saison für Alba spielt, beschreibt McLean als „entspannten, umgänglichen und offenen Typ. Er ist keiner, der gleich nach der Arbeit nach Hause geht, sondern albert auch rum und macht Scherze. Auf dem Feld ist es dann mit den Scherzen vorbei. Dann wird er zum Punktegarant für uns“. Albas als zweimaliger US-College-Champion zurückgekehrter Sohn kann auch erklären, warum Alba von McLean profitiert, wenn er nicht selbst die Punkte macht. „Wenn wir Schützen ihm den Ball unter den Korb geben, haben die Gegner Probleme, muss sich auf ihn konzentrieren, weil er meistens von nur einem Mann nicht zu stoppen ist. Wenn sie einander helfen und der Ball wieder zu uns kommt, haben wir zumindest eine gute Wurfposition.“

Coach Obradovic gibt trotz des Eingeständnisses, dass sein Zugang aus Bonn „alle Erwartungen erfüllt hat“, zu bedenken, „dass die Saison noch lang“ sei. Er weiß aber sicherlich auch, dass so, wie ihm McLean im Bonner Trikot aufgefallen war, sein Kraftpaket schon jetzt europaweit auffällt. Beide scheinen sich aber einig zu sein, dass es noch ein „ganzes Paket“, (Obradovic) gibt, dass es zu verbessern gilt. „Vor mir als Spieler liegt noch ein langer Weg. Ich bin keineswegs zufrieden mit dem, was ich erreicht habe“, sagt McLean. „Ich will nicht nur in Deutschland einer der besten Spieler zu werden, sondern in Europa.“

Und da käme ihm gerade recht, wenn sich Alba für die Top16 in der Europaliga qualifizieren würde. „Als Spieler willst so weit kommen, wie es nur irgend geht, egal, in welchem Wettbewerb. Wir würden individuell profitieren und natürlich auch Alba als Klub. Wenn wir die Top16 erreichen, steht unauslöschlich in unserem Lebenslauf, dass wir uns mit den Besten messen können.“ Der erste Eintrag ist wohl schon gemacht.