Kaum hat Geschäftsführer Marco Baldi im großen Morgenpost-Interview zum 25. Geburtstags seines Klubs versichert, wie gut Alba die Rolle des Jägers steht, geht die Basketball-Mannschaft völlig eigene Wege. Sie vernichtet am Freitagabend den französischen Meister CSP Limoges und schlägt am Sonntagnachmittag mit Bayern München den deutschen Champion, verteidigt damit als einziges ungeschlagenes Team in der Bundesliga die Tabellenspitze. Gut gejagt, Alba, möchte man sagen, so gut, dass aus dem Jäger plötzlich der Gejagte wird.

„Ich glaube schon, dass wir jetzt eine Art Zielscheibe auf der Brust tragen“, sagt Jamel McLean, der nicht ganz unbeteiligt daran ist, dass Alba so gut gestartet ist. Der US-Forward, der im Sommer aus Bonn kam und sein Leben lang erzählen darf, dass er beim Sieg gegen NBA-Champion San Antonio Spurs den entscheidenden Wurf traf, wurde mit 14,7 Punkten und sieben Rebounds pro Spiel gleich zu einer der großen Konstanten in Albas Spiel. Auch Alex Renfroe und Marko Banic, die wegen Verletzungen kurzfristig nachverpflichtet worden waren, konnten Alba sofort helfen. „Den Markt beobachten und im Griff haben, darauf kommt es an“, sagt Baldi, „und in der Lage zu sein, schnelle Entscheidungen zu treffen.“ Man müsse vorbereitet sein, wissen ob alles zueinander passt, sagt Albas Geschäftsführer und reicht das Lob an Sportdirektor Mithat Demirel und Coach Sasa Obradovic weiter. „Mithat verfolgt den Markt seit Jahren systematisch und akribisch, und Sasa weiß, was er will. Unsere Verpflichtungen sind eine Teamleistung des Sportdirektors und der Trainer.“

Was Baldi in seiner Rolle als Jäger allerdings derzeit in die Bredouille bringt. „Ich würde doch gern sagen, dass sich alle an uns die Zähne ausbeißen werden, wenn es halbwegs glatt läuft. Aber so ist das nicht“, sagt Baldi. „Jeder unserer Spieler muss noch einen Schritt machen, und alle sind hier, weil sie es auch wollen. Wir sind alles andere als abgebrüht, aber natürlich tut es uns gut, jetzt ganz oben zu stehen.“

Auswärts habe man bislang nur Gegner aus der unteren Tabelle gehabt, gibt Baldi zu Bedenken, „außer vielleicht Bonn, die haben wir sehr früh erwischt. Wir müssen aber noch nach Oldenburg, Quakenbrück, Bamberg, Ulm und zu den Bayern. Das muss man bedenken, um die Lage richtig zu bewerten.“ Auch McLean sieht sein Team noch vor einem „langen Weg“ und lässt keinen Zweifel, dass er ihn optimistisch beschreiten wird. „Wir sind gerade mal in der ersten Phase und werden noch sehr viel besser zusammen spielen.“