Basketball

Trainer Gregg Popovich ist der NBA-Meistermacher

Gregg Popovich trainiert die Spurs aus San Antonio seit 1996 und und führte das Team fünfmal zur NBA-Meisterschaft. Keiner ist in den US-Profiligen länger im Amt und nur wenige so erfolgreich wie er.

Foto: Larry W. Smith / picture alliance / dpa

Über die Frage, wer nun der Superstar im Starensemble der San Antonio Spurs ist, lässt sich lange nachdenken. Tim Duncan, der smarte Center, drängt sich auf. Der Lenker des Teams, der Franzose Tony Parker, der Argentinier Manu Ginobili oder Kawhi Leonard, der Lieblingsspieler von Albas Reggie Redding. Zieht man allerdings nicht nur die Spieler in Betracht, fällt einem die Antwort nahezu in den Schoß. Denn einer stellt sie alle in den Schatten: Headcoach Gregg Popovich.

Der 65-Jährige, der der Einfachheit halber „Coach Pop“ genannt wird, ist seit 1996 Cheftrainer der Spurs. Keiner in den US-Profiligen, ob im Football, Baseball, Eishockey oder Basketball, ist länger im Amt. „Coach Pop“ ist auch der einzige Coach, der sein Team 17 Mal in Folge ins Play-off führte und nur einer von fünf Trainern, der fünfmal (1999, 2003, 2005, 2007, 2014) die NBA-Championship gewann. Alles klar, also.

Das Geheimnis seines Erfolges ist, „dass es keines gibt“, erklärt der Coach, für seinen trockenen Humor bekannt und gefürchtet, lächelnd. Niemand habe geglaubt, „dass solche Erfolge möglich sind. Man kann sie auch nicht planen. Wir gehen jeden Tag zur Arbeit und geben unser Bestes.“

Das „Wir“ von Popovic meinte schon immer ein wenig mehr als bei anderen, bezüglich seiner Teams zum Beispiel, in denen schon früher als bei anderen Europäer und Südamerikaner spielten.

Das „Wir“ schließt in dieser Saison auch seinen „Top-Assistenten“ Ettore Messina ein, bei dem man sich respektlos vorkommt, wenn man ihn einen Assistantcoach nennt. Der Italiener gewann viermal die Europaliga, mit Virtus Bologna und ZSKA Moskau jeweils das Triple (Europaliga, nationale Meisterschaft und Pokal) und ist mit zahllosen weiteren Titeln einer der erfolgreichsten Trainer Europas.

Auch eine Frau trainiert die Spurs

Oder auch Rebecca Lynn „Becky“ Hammon, die Popovich in diesem Sommer zur ersten hauptberuflichen Trainerin in der NBA-Geschichte machte. „Becky spielt die gleiche Rolle wie alle anderen Trainer“, sagt er über den ehemaligen WNBA-Star der San Antonio Silver Stars. Sie habe sich bereits „auf dem Feld verhalten wie eine Trainerin und war wegen ihrer Verletzung schon in der vergangenen Saison in jedem unserer Meetings und bei jedem Training dabei. Sie ist ein gleichberechtigter Partner.“ Querdenken, Synergien schaffen, Grenzen überwinden, „sich an den Erfolgen erfreuen können“ und auch ein wenig Glück – vielleicht ist man damit doch dem Geheimnis auf der Spur, das es nicht gibt.

„Wenn einer eine gute Idee hat, klaue ich sie“, sagt der Coach, der 1949 als Sohn eines serbischen Vaters und einer kroatischen Mutter in East Chicago/Indiana geboren wurde. Er machte 1970 an der United States Air Force Academy, wo er auch vier Jahre Basketball spielte, seinen Abschluss in „Soviet Studies“. Danach diente Popovich noch fünf Jahre bei der Air Force, reiste zu Zeiten des Eisernen Vorhangs als Mitglied des „U.S. Armed Forces Basketball Teams“ auch durch Osteuropa und die damalige Sowjetunion.

Europa immer im Blick

„Da habe ich gesehen, dass es in Europa sehr gute Spieler gibt und smarter Basketball gespielt wird, in Jugoslawien und der Sowjetunion zum Beispiel. Mir hat gefallen, wie sie den Ball bewegt hatten“, erzählt der Coach, der damals sogar für kurze Zeit eine Karriere beim Geheimdienst CIA in Betracht zog. Als er sich dann aber doch für die Basketball-Karriere entschieden hatte, habe er sich „vorgenommen, Europa weiter zu beobachten und diese Spieler in Zukunft zu finden. Am Anfang habe ich mich noch allein darum gekümmert. Heute haben wir, wie alle anderen Mannschaften in der NBA, überall Scouts, die uns ihre Berichte schicken.“

Es sei noch nicht sehr lange her, „dass wir vom europäischen Basketball viel lernen konnten, von der Art zu passen und uneigennützig zu spielen“. Jetzt aber sei die Zeit, da es in der NBA nur Dreipunktewürfe und Dunkings, die Duelle der Superstars, gegeben habe und die Grundlagen vernachlässigt wurden, vorbei, erklärt Popovich. „Auch dadurch, dass wir viele Spieler aus Europa und Südamerika geholt haben. Es ist nunmehr wirklich ein globales Spiel.“ Es gebe überall gute Spieler und gute Coaches. „Mir ist es egal, woher jemand kommt. Ich will immer gewinnen“, sagt der Trainer. Der, der die beste Mischung finde, habe Erfolg. Einer wie Popovich eben.

Wiedersehen mit Berlin

Der Starcoach ist seit seiner Militärzeit ein regelmäßiger Besucher Europas geblieben. „Ironischerweise“ war er erst diesen Sommer in Berlin und Istanbul, rein privat, hatte den Urlaub bereits geplant, bevor die NBA seine Spurs auswählte, in diesen beiden Städten zu spielen. „Istanbul ist seit weit mehr als zehn Jahren wegen der vielen kulturellen Schichten eine meiner Lieblingsstädte“, erzählt Popovich. In Berlin sei er „vier, fünf Tage mit Freunden unterwegs gewesen. Wir haben gut gegessen, waren aber auch im Pergamon-Museum und in Potsdam und hatten eine wunderbare Zeit“.

Jetzt mit den Spurs gleich wieder zurückgekommen zu sein, freut ihn sehr, „weil die Reise den Horizont jedes einzelnen im Team erweitern und die Kameradschaft fördern wird“. Das Spiel gegen Alba, einen Klub, „der eine stolze Geschichte und ein Team mit Zukunft hat“, werde ein harter Prüfstein, weil seine Mannschaft gerade erst mit der Saisonvorbereitung begonnen hat. Natürlich will „Coach Pop“ gegen Alba gewinnen, sein wirklich großes Ziel aber ist, den NBA-Titel zu verteidigen. Das nämlich hat er noch nicht geschafft.