Natürlich hatte er gehofft, dass Albas Führung gegen Aufsteiger Göttingen gegen Ende der Partie so klar sein würde, dass Coach Sasa Obradovic auf ihn zeigt und er die ersten Minuten in der Bundesliga absolvieren darf. Als es dann nach 33:45 Minuten beim Stand von 92:61 tatsächlich geschah, rutschte Youngster Moritz Wagner dann doch kurz „das Herz in die Hose“. Was er dann aus den verbliebenen 6:15 Minuten machte, hätte er sich, wie er lachend gestand, „nicht träumen lassen. Es hat Riesenspaß gemacht“.

Der 17-Jährige, der seit nunmehr fast zehn Jahren Albas Jugendprogramm durchlief, lieferte das ganze Paket ab, mit dem ein Power Forward glänzen kann. Er zog explosiv zum Korb und schloss per Korbleger ab, er traf einen Dreier, holte einen Rebound und blockte einen gegnerischen Wurf. Mit zwei Fouls zeigte er, dass er auch bereit ist, in der Defensive zuzupacken. Der Debütant wurde zum „Spieler des Tages“ gewählt und von den Zuschauern mit „Moritz-Wagner“-Sprechchören gefeiert. Ohne Übertreibung: So etwas gab es noch nie.

Im Trubel um Albas Eigengewächs ging das Debüt von Alex Renfroe, der wegen des Brustmuskelrisses samt Operation bei Jonathan Tabu nachverpflichtet wurde, so gut wie unter. Spielmacher Clifford Hammonds verlebte mit knapp 19 Minuten Einsatzzeit einen eher ruhigen Abend, weil der Coach Renfroe länger auf dem Parkett ließ, um sich einzugewöhnen. Auch er sei „ganz schön nervös gewesen“, gestand der smarte Aufbauspieler, dessen Statistik sich ebenfalls sehen lassen konnte. Er machte in 23:45 Minuten neun Punkte, traf alle seiner vier Freiwürfe und holte beachtliche sieben Rebounds. Er fühle sich bei Alba „ausgesprochen wohl“, erzählte Renfroe. „Ich war noch nie in einem Team, in dem es unter den Spielern so passte wie hier.“

Kein Grund zur Euphorie

Bei aller Freude über den 110:74-Kantersieg zum Saisonstart und die so unterschiedlichen, aber erfolgreichen Debüts bleibt aber zu bedenken, dass der Aufsteiger „zum Auftakt ein dankbarer Gegner war“, wie Geschäftsführer Marco Baldi anmerkte. Göttingen sei „das Team, das am wenigsten Substanz hat“. Nur 48 Stunden später wartet am Sonnabend in Bayreuth eine wesentlich anspruchsvollere Aufgabe. Die Franken, die zum Auftakt 80:71 gegen den anderen Aufsteiger Crailsheim gewannen, hätten „ein sehr solides Team zusammengestellt, aber so früh in der Saison ist jeder Gegner noch voller möglicher Überraschungen“, erklärte Obradovic. Wie sein Youngster Moritz Wagner ja gerade erst bewies.

Ob er in Bayreuth gleich nachlegen darf, ist fraglich, denn Kapitän Alex King erwartet dort „eine enge Arena mit sehr lauten Fans. Sie haben einen guten Trainer und sind bereits gut eingespielt. Wir müssen konzentriert ins Spiel gehen.“