In den ersten Tagen der Saisonvorbereitung sind die Köpfe der Trainer voller Fragezeichen. Welche Duftmarken setzen die Neuen, wie reagieren die Alten? Wie fit sind alle? Nachwuchsspieler, die schon mal bei den Profis mittrainieren dürfen, fahren da nur selten mit im Gedankenkarussell der Coaches. Manchmal aber eben doch. „Da ist einer“, sagte Sasa Obradovic vor ein paar Wochen auf dem Weg zur Laufbahn nahe der Schmeling-Halle, über die Athletiktrainer Dusko Markovic die Spieler nach guter alter Alba-Tradition hetzte. Tuschelnd gestand Albas Coach: „Ich kenne nur seinen Vornamen, er heißt Moritz.“
Mittlerweile weiß Obradovic, dass dieser Moritz mit Nachnamen Wagner heißt, denn er stand mit vollem Namen auf dem Spielberichtsbogen des Champions-Cup-Spiels gegen Bayern München. In gewisser Weise reicht im Falle des 17 Jahre alten und 2,04 Meter großen Flügelspielers eigentlich der Vorname, denn er ist „Moritz, der Erste“, der erste Youngster nämlich, der aus Albas aufwendigem Nachwuchsprogramm kommt, das seit 2005 unter der Führung von Henning Harnisch aufgebaut wurde.
„Wir wussten, dass alles seine Zeit brauchen würde und haben jahrelang darüber geredet, dass es passieren würde“, erzählt Harnisch, der das Spiel gegen die Bayern – kein Wunder – mit einem „Supergefühl“ verfolgte, auch wenn Wagner noch nicht zum Einsatz kam.
Wagner ist „jetzt seit fast zehn Jahren bei Alba und stolz darauf, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Letztes Jahr war ich noch in der Nachwuchs-Bundesliga. Wie sich das alles über den Sommer entwickelt hat, konnte keiner voraussehen“.
Hilfreich war sicherlich, dass er den Spagat zwischen Training und Schule nicht mehr hinbekommen muss. Denn Wagner glänzt nicht nur in Korbnähe, sondern übersprang auch im Gymnasium eine Klasse und machte bereits nach elf Schuljahren sein Abitur. Die allgemeine Hochschulreife wird aber vorerst ruhen.
Auf den Basketball fokussiert
„Ich plane, in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren mein Geld mit dem Basketball zu verdienen. Das ist ein Traum von mir, und so langsam glaube ich, dass er wahr werden kann“, sagt der Youngster mit einem Selbstbewusstsein, das nicht erst gestärkt ist, seit sich Coach Obradovic seinen Vornamen merkte. Er ist bereits Leistungsträger in der U18-Nationalmannschaft und auch in Albas NBBL-Team war er, anders, als er es schildert, etwas mehr als nur einer im Team.
Als Moritz 1997 geboren wurde, war Sportdirektor Harnisch 29 Jahre alt und noch ein Jahr lang als „Flying Henning“ aktiv, mit seinem Stirnband und seinen Dunkings so etwas wie der erste Popstar des deutschen Basketballs. Wie Moritz heute ein Power Forward. Es wäre verschenkt, wenn der Junge vom Alten nicht profitieren würde, dachte sich Harnisch und bat den Jüngling vor zwei Jahren erstmals zum Einzeltraining.
Das Training mit den Profis schlaucht auch mental
„Sehr dankbar“ ist er Harnisch, betont Wagner. Jetzt mit den Profis zu trainieren, sei aber noch mal etwas anderes, „viel physischer, aber auch wegen der klareren Strukturen vom Kopf her sehr anstrengend“. Er werde genau wie andere zusammengestaucht, aber „oft erklärt mir der Coach nach dem Training ganz in Ruhe, was ich verbessern kann“.
„Da ist einer, und der heißt Moritz“, ist jetzt halt schon ein paar Wochen her. „Ein Talent ist nicht einer, der den entsprechenden Körper hat, sondern einer, der zuhört, lernt und bereit ist, sich die Grundlagen zu schaffen“, sagt Obradovic. „Manchmal denke ich: wow, wie hat er das denn gemacht, mit diesem Körper“, erzählt Albas Coach, wissend: „Erst in ein, zwei Jahren wird er den Körper eines Mannes haben.“ Woran Moritz Wagner natürlich im Kraftraum arbeitet. Damit sein Traum wahr wird und er recht behält, wenn er sagt: „Meine Zeit wird kommen.“ Vielleicht ja schon diesen Donnerstag gegen Göttingen.





