Basketball

Bayern München besiegt Alba und ist deutscher Meister

Alba muss den Traum von der Meistershaft begraben. Kontrahent FC Bayern München setzte sich gegen die Berliner mit 75:62 (33:30) durch. Dabei hatten die Albatrosse ein fünftes Spiel erzwingen wollen.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die große Party feierten am Ende die anderen, das Basketballteam von Alba Berlin konnte sich seinen Traum nicht erfüllen. Die Mannschaft von Sasa Obradovic verlor vor 13.434 Zuschauern in der O2 World das vierte Spiel der „Best of five“-Serie des Finales zur Deutschen Meisterschaft gegen Bayern München mit 62:75 (30:33).

Es war die erste Heimniederlage in dieser Serie und erst Albas dritte in der gesamten Saison. Bayern-Coach Svetislav Pesic, der noch am Sonntag zuvor Alba-Geschäftsführer Marco Baldi verbal heftig angegriffen hatte, feierte mit seinem Team die erste Meisterschaft der Bayern-Basketballer seit 1955.

„Wir sind alle stolz, nach dieser strapaziösen Saison Meister geworden zu sein“, sagte Pesic. „Wir haben eine Mannschaft geschlagen, die kontinuierlich guten Basketball gespielt.“ Albas Spielern wurden nach der Partie unter Ovationen ihrer Fans, einem nach dem anderen, die Silbermedaille verliehen. Wirklich gelächelt hat keiner.

Die Berliner gingen mit hängenden Köpfen in die Kabine, die Bayern feierten mit Sektduschen auf dem Berliner Parkett. „Wir müssen realistisch bleiben“ fand Pesics Gegenüber Obradovic. „Wir haben gegen eine bessere Mannschaft verloren. Wir sind alle traurig, aber dürfen uns nicht als Verlierer fühlen. Das habe ich auch in der Kabine gesagt.“

Pfiffe gegen Pesic

Albas suchte zu Beginn sehr erfolgreich Center Leon Radosevic. Der Kroate machte neun der ersten elf Berliner Punkte. Jonas Wohlfarth-Bottermann traf ebenfalls noch aus einem Gewühl am Brett zum 13:7 (5.). Als Alba dann mit Distanzwürfen nachlegen wollte, stotterte die Offensive. Der ehemalige Alba-Spieler Bryce Taylor, der übrigens als einziger der Gäste, Coach Svetislav Pesic inklusive, nicht ausgepfiffen wurde, brachte sein Team wieder heran. Der Schaden hielt sich allerdings in Grenzen, da die Berliner von der ersten Sekunde an ihrem Ruf als bestem Defensivteam alle Ehre machte.

Nachdem Alba durch Taylor erstmals mit 15:16 zurück lag (11.), ging Radosevic wieder mit fünf Punkten in Folge zu Werke. Kurz darauf traf auch Clifford Hammonds den ersten Dreier der Berliner zum 23:16 (14.). Aber auch dieser Vorsprung hatte keinen Bestand, denn es sollte in der ersten Halbzeit der einzige Distanzwurf bei zehn Versuchen bleiben. Am Ende waren es drei Treffer bei 18 Versuchen, was die dürftige Quote von 17 Prozent ergibt.

Eigentlich hatten ja alle mit einem weiteren großen Auftritt des Spielmachers der Bayern, Malcolm Delaney, gerechnet, der mit durchschnittlich 22 Punkten als Topscorer dieser Serie ins Spiel gegangen war und am Ende auch „Wertvollster Spieler“ (MVP) der Finalserie wurde. Es war aber Taylor, den Alba weiterhin nicht in den Griff bekam. Levon Kendall blieb es lediglich, zur Halbzeit mit einem krachenden Dunking auf 30:33 zu verkürzen.

Genugtuung für Schaffartzik

Wenn Bayern-Kapitän Steffen Hamann, ebenfalls einstmals für Alba tätig, anfängt, Dreier zu werfen, ist das eine sehr schlechte Nachricht. Denn er gilt keinesfalls als besonders gefährlicher Schütze. In der Regel halten Gegenspieler zu ihm etwas Abstand, um seinen ersten schnellen Schritt und dynamischen Zug zum Korb zu verteidigen. Genau das tat auch Albas Verteidigung, lag aber damit falsch. Hamann traf zwei Last-minute-Dreier in Folge, Alba lag mit 34:43 (24.) erstmals bedrohlich zurück.

Unter dem Korb tat sich Radosevic, der am Ende mit 21 Punkten bester Berliner Werfer werden sollte, jetzt schwerer, erst nach dem zweiten Dreier der Berliner, abermals durch Hammonds, schöpften die Berliner Fans wieder Mut. Als es nach zwei verwandelten Freiwürfen zum 46:45 (28.) noch lauter wurde, war die erste Krise des Abends überstanden. Die nächste folgte sogleich. Ausgelöst wurde sie abermals durch zwei Dreier von Taylor. Mit 48:53 ging es ins letzte Viertel. Zehn Minuten trennten die Bayern noch vom so heiß ersehnten Meistertitel, Albas Team hingegen musste abermals zurückkommen, um ein fünftes und alles entscheidendes Spiel am Sonntag zu erzwingen.

Die Berliner Hoffnungen auf ein Comeback dämpfte vor allem der Mann entscheidend, dem die Alba-Fans seinen Wechsel nach München im vergangenen Sommer besonders übel genommen hatte: Heiko Schaffartzik. Der gebürtige Berliner schockte sein ehemaliges Team gleich mit drei Dreiern in Folge (55:62/33.).

Der ließ seinem speziellen Gefühl freien Lauf: „Wenn man sieht, mit welchem Hass die Fans mir, Marko oder Svetislav Pesic begegnen, der den Verein groß gemacht hat, ist das eine Genugtuung“, sagte er. Der Wille des Teams von Coach Obradovic, die Partie noch kippen zu wollen, war bis in den zweiten Oberrang zu spüren. Er versetzte an diesem Abend aber keine Berge mehr. Das ließen die Bayern mit ebenso großem Einsatz und auch spielerischem Können nicht mehr zu.