Die Alba-Fans sangen und schunkelten, die Basketballprofis von Alba Berlin machten sich strahlend auf die Ehrenrunde. Was für eine Erleichterung: Durch ein 74:68 (41:35) gegen die Artland Dragons gingen die Berliner in der Halbfinal-Serie „Best of five“ mit 2:1 in Führung. Es fehlt nur noch ein einziger Erfolg zum Einzug ins Finale. Alba hat nun zwei Matchbälle: Den ersten am Dienstag in Quakenbrück, sollte es dann nach Siegen 2:2 stehen, findet Spiel fünf am Donnerstag in der O2 World statt.

„Ich glaube, das war unser bestes Spiel in dieser Serie“, meinte Albas Center Levon Kendall. „In den beiden ersten Spielen hatten wir einfach zu viele Punkte von Artland zugelassen. Das war diesmal nicht so.“ Weil die Berliner sehr stark verteidigten. „Unsere Defense war großartig“, lobte auch Albas Trainer Sasa Obradovic.

Redding zeigt positive Reaktion

Er hatte vorher gar nicht herumgeredet: „Der Druck liegt jetzt bei uns.“ Ein Heimsieg musste her. Aber von Beginn an zeigte sich, dass die Drachen wie in den beiden bisherigen Begegnungen ein ganz harter Brocken waren. Es war eine hitzige Auseinandersetzung, Play-off eben: Die Teams schenkten sich nichts. Jeder Punkt musste hart erkämpft werden, fast jedes Ziehen zum Korb wurde knallhart gestoppt.

Auch die Alba-Fans waren in Play-off-Form, sie feuerten ihr Team bedingungslos und lautstark an. 11.122 Besucher waren zu diesem so wichtigen Spiel in die Arena am Ostbahnhof gekommen. Und die Fans sahen Alba in der Defensive bärenstark, aber in der Offensive wurden bis zur Pause zu viele Chancen liegen gelassen. Was sich letztlich aber nicht rächte. Weder David Logan noch Cliff Hammonds trafen wie erhofft, dafür sorgten Levon Kendall (15 Zähler) und Reggie Redding (17) für viele Punkte. Nur einmal (23:24/11. Minute) lag Alba hinten, ihrerseits lagen die Berliner bis zum Wechsel maximal mit sieben Zählern in Front (31:24/14.). Aber es macht die Artland Dragons eben aus, dass sie cool weiterspielen, egal wie es steht. Zwar hatte Alba den Quakenbrücker Spielmacher David Holston bis zur Pause gut im Griff, der „Zauberzwerg“ konnte keinen Punkt erzielen, doch seine Kollegen machten es umso besser. Von daher war auch klar, dass der Sechs-Punkte-Vorsprung der Berliner nach 20 Minuten nichts zu sagen hatte.

Auch eine Acht-Punkte-Führung (43:35) gab Alba keine Sicherheit. Auf einmal hatte das Team einen „Hänger“. Die Berliner produzierten Ballverluste und Fehlwürfe. Die Dragons – bei denen jetzt auch Holston (am Ende 11 Punkte) besser ins Spiel kam – kamen auf 46:45 heran. Alba wankte, fing sich aber schnell. Unter dem Jubel der Fans war es vor allem Redding, der dafür sorgte, dass Alba eine 11:1-Serie zum 57:46 gelang. Gerade von ihm hatte Obradovic im Vorfeld eine Steigerung gegenüber der Niederlage in Spiel zwei gefordert.

Zuletzt zeigte Alba schwächen

Immerhin einen Neun-Punkte-Vorsprung (57:48) konnte Alba ins letzte Viertel mitnehmen. Aber zuletzt hatte Alba oft im letzten Abschnitt Schwächen gezeigt. Es begann auch gleich mit Berliner Fehlern, aber dann traf Logan (11) endlich aus der Distanz und legte gleich zweimal nach zum 64:52 (32.). Die Berliner Defense stand wie eine Eins. „Es gab kaum ein Durchkommen für uns“, gab Artland Trainer Tyron McCoy zu. Kapitän Sven Schultze war gerade auf dem Feld, da erzielte er bereits das 68:57, und sein Auftritt ging weiter: Dreier zum 71:59 (35.).

Doch noch einmal schwächelte Alba, die Drachen hatten noch lange nicht aufgegeben. „Das ist vielleicht das charakterstärkste Team der Liga“, meinte Jan Jagla anerkennend. „Die haben immer daran geglaubt, uns schlagen zu können.“ 73:68 zwei Minuten vor Ende. Welch eine Schlussphase: Erst eine strittige Entscheidung, als der Technische Kommissar die Schiedsrichter zu Ungunsten von Alba überstimmte, dann ein Ballverlust, den Logan mit letztem Einsatz ausbügelte, ein Punkt von Leon Radosevic zum 74:68, ein Quakenbrücker Fehlwurf – dann war es geschafft, und die Alba-Fans sangen.